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StartseiteForschung aktuellMögliche Kehrtwende in der Biopolitik29.10.2003

Mögliche Kehrtwende in der Biopolitik

Bundesjustizministerin bewertet das Embryonenschutzgesetz neu

<strong> Forschungspolitik. - Mit einer Grundsatzrede an der Berliner Humboldt-Universität hat Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, SPD, den Streit um den Schutz von Embryonen im Reagenzglas erneut entfacht. Einem künstlich erzeugten Embryo, der sich noch im Reagenzglas befinde, fehlten noch wesentliche Voraussetzungen, ein Mensch zu werden, so Zypries. Für die Zuerkennung der Menschenwürde reiche das nicht aus. </strong>

Grit Kienzlen

Bundesjustizministerin  Brigitte Zypries, SPD (AP)
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, SPD (AP)
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Sollte sich diese Position in der Bundesregierung durchsetzen, dann hat Brigitte Zypries eine Kehrtwende in der Biopolitik ihrer Partei eingeleitet. Ihrer Ansicht nach ist der erweiterte Rechtschutz als Mensch mit einer Menschenwürde für eine befruchtete Eizelle noch nicht gegeben. Dieser Schutz war allerdings die Grundlage für das Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) und der Stammzellenforschung mit Embryonen. Als Begründung führte die Justizministerin an, dass ein In-vitro-Embryo nur eine abstrakte Möglichkeit auf die Menschwerdung besitzt. Einen weitergehenden Schutz könne es deshalb erst geben, nachdem der Embryo in den Mutterleib eingesetzt wurde.

Das Embryonenschutzgesetz in seiner jetzigen Form ist weit älter als die breite Stammzellendebatte, es existiert seit rund 13 Jahren und stellt die missbräuchliche Verwendung aller Embryonen unter Strafe. Dazu zählt das Gesetz alle "totipotenten" Zellen, also alle Zellen, die einen Menschen ausbilden können, ob im Mutterleib oder im Reagenzglas. Inzwischen hat sich allerdings mehr und mehr gezeigt, dass wahrscheinlich alle Körperzellen diese Totipotenz aufweisen. Alle Körperzellen sind aber natürlich nicht schützenswert. Der von der Justizministerin eingebrachte Vorschlag zur Lösung dieses Widerspruchs stellt den Schutz nun auch für Eizellen in Frage. Die umstrittene Präimplantationsdiagnostik will Zypries weiterhin verboten wissen. Sie erklärte, auch eine begrenzte Zulassung der PID sei unrealistisch. Sie bekräftigte zugleich das Verbot des reproduktiven Klonens, und zeigte sich "skeptisch" gegenüber dem therapeutischen Klonen.

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