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Mondinsekten

Als Himmelsbeobachter hatte der amerikanische Astronom William Pickering kaum seinesgleichen. Stundenlang konnte er durch das Teleskop blicken und Einzelheiten wahrnehmen, die den meisten Astronomen verborgen blieben. Und: Er wusste, wenn seine Augen ihn täuschten - wenn er Muster sah, die gar nicht da waren.

Von Damond Benningfield |
    Deshalb wurden andere Astronomen hellhörig, als Pickering berichtete, dass ein Mondkrater von Insekten bedeckt war.

    Pickering arbeitete als Assistent seines Bruders Edward, der Direktor des Harvard College Observatory war. Auf im Jahre 1898 belichteten Photoplatten entdeckte William 1899 den Saturnmond Phoebe. Fünf Jahre später veröffentlichte er einen Atlas mit Fotografien von unserem Mond. Seine Studien überzeugten ihn, dass es dort kein Kanalsystem gab, wie andere es zu sehen geglaubt hatten. Er stufte die "Kanäle" als optische Täuschung ein - und er hatte Recht.

    Doch auch Pickering erlag optischen Täuschungen. Er glaubte, eine dünne Mondatmosphäre gefunden zu haben. 1924 veröffentlichte er sogar, dass es in dem breiten, tiefen Krater Eratosthenes kleine Lebewesen gibt. Er hatte große, dunkle Flecken in dem Krater gesehen, die sich während eines Mondtages bewegt hätten. Pickering glaubte an Insektenschwärme oder vielleicht kleine Tiere, die im Krater wanderten.

    Niemand sonst hat diese Bewegungen gesehen. Vielleicht handelte es sich um Schatten-Lichteffekte. Pickering selbst glaubte daran, dass er Leben auf dem Mond gesehen hatte - bis zu seinem Tod im Jahr 1938.