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StartseiteUmwelt und VerbraucherKrebs durch Glyphosat16.07.2018

Monsanto-KlägerKrebs durch Glyphosat

Am vergangenen Mittwoch hat ein Richter in Kalifornien hunderte Klagen gegen die Bayer-Tochter Monsanto zugelassen. Die Kläger sind sich sicher, dass Monsantos Pflanzenschutzmittel "Roundup" mit dem Wirkstoff Glyphosat sie krebskrank gemacht hat. Wir stellen zwei der Kläger vor.

Von Sabine Müller

Der Unkrautvernichter Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat vom US-Konzern Monsanto (imago/Bildwerk)
Monsanto, der Hersteller des Unkrautvernichters Roundup, verweist auf wissenschaftliche Studien, die Glyphosat als sicher einstufen (imago/Bildwerk)
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Vor Übernahme durch Bayer Monsanto verteidigt Glyphosat

John Barton, genannt Jonny, ist ein Baum von einem Mann. 1,90 Meter groß, breite Schultern, schaufelgroße Hände. Der 69-Jährige aus Bakersfield, Kalifornien, war sein ganzes Leben lang Farmer, baute Baumwolle, Zwiebeln, Weizen an - bis er 2015 die Krebsdiagnose bekam:

"Es geht einem so viel durch den Kopf, wenn man das Wort Krebs hört", erzählt er dem Lokal-Sender 23abc. "Seit wann habe ich das, wie schlimm ist es?"

Angeblich so sicher wie Salz

Barton war am Non-Hodgkin-Lymphom erkrankt, Lymphdrüsenkrebs. Und der Mann, der immer gesund lebte, nie rauchte, nicht trank, glaubt zu wissen, was den Krebs verursacht hat: Jahrzehntelang versprühte Barton auf seiner Farm täglich fast 4.000 Liter des Unkrautvernichters Roundup. Teilweise vom Traktor aus, teilweise zu Fuß:

"An manchen Tagen waren meine Hosen und Schuhe völlig durchnässt mit Roundup", erinnert er sich. Aber er dachte nicht, dass das ein Problem sein könnte: "Man hat uns gesagt, Roundup sei so sicher wie Salz." Mittlerweile sind sich Barton und die anderen Kläger sicher, dass Monsanto Risiken verheimlich hat.

Dreißig Jahre lang kein anderes Pflanzenschutzmittel

Das ist Teri McCall, die Witwe von Jack McCall. Der Zitronen-Farmer bekam seine Lymphdrüsenkrebs-Diagnose im September 2015, drei Monate später war er tot.

Im Lokalsender KSBY nennt Teri McCall es unverantwortlich, ein Produkt als sicher darzustellen, das gar nicht sicher sei. Ihr Mann sei immer sehr gesundheitsbewusst gewesen und habe auf der Farm so wenig Chemikalien wie möglich eingesetzt, sagt sie. Roundup habe er für sicher gehalten und 30 Jahre lang nie ein anderes Pflanzenschutzmittel benutzt. McCall erzählt, dass übrigens auch der Hund der Familie, der immer mit ihrem Mann auf der Farm unterwegs war, an Lymphdrüsenkrebs starb.

Monsanto kritisiert Medienauftritte

Scott Partridge, Vizepräsident von Monsanto, der auf hunderte wissenschaftliche Studien verweist, die Glyphosat als sicher einstufen, kritisiert Medienauftritte wie die von Barton und McCall:

"Die Kläger wissen, dass sie diesen Fall vor Gericht nicht gewinnen, deshalb versuchen sie, ihn in den Nachrichten zu gewinnen."

Volle Kraft voraus für den Kampf gegen Monsanto - dieses Motto hat einer der Kläger-Anwälte, Pedram Esfandiary, ausgegeben. Das Verfahren wird sich sicher hinziehen. Währenddessen führt Teri McCall die Farm ihres Mannes weiter. Jonny Barton sagt, nach Operationen, Bestrahlung und Chemotherapie gehe es ihm heute besser. Aber die Angst vor einem Rückfall, die bleibe.

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