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Montessori-Schule Unterrodach

Kindergeschrei...

Von Agnes Steinbauer |
    Solche Töne sind ab dem neuen Schuljahr hier sicher öfter zu hören. Dann geht nämlich an der neuen Montessori-Schule in Unterrodach der Betrieb los. Für den kleinen oberfränkischen Ort bedeutet das nicht nur Reformpädagogik für – zunächst 24 Kinder – sondern auch ein glückliches Ende schweißtreibender Elternarbeit. Knapp zehn Mütter aus den umliegenden Landkreisen haben nach zweijähriger Schufterei eine Schule nach ihren Vorstellungen auf die Beine gestellt:

    Die Montessoripädagogik macht einfach aus, dass auf den einzelnen geschaut wird und dass das Kind genügend Zeit hat, sich zu entwickeln..

    Mangels Schul-Alternativen in der Nähe haben sich Judith Gesslein und andere Eltern für klassenübergreifenden Unterricht und Lernanreize a la Montessori in die Arbeit gestürzt, in der Kreisstadt Kronach einen Verein gegründet...und dann wurden die Ärmel hochgekrempelt:

    Es kann nicht einfach eine Handvoll Leute sagen: Ich gründ jetzt eine Montessori-Schule. Das beinhaltet sehr viel Öffentlichkeitsarbeit. Wir sind zeitweise auf jedem Markt anwesend gewesen, haben da informiert, Material vorgestellt, Gebasteltes verkauft, versucht irgendwo Geld zusammenzukratzen, Sponsoren angesprochen, Kindergärten aufgeklärt war sehr sehr viel Arbeit. Wir haben oft davon profitiert, dass wir oft die richtigen Menschen zur richtigen Zeit getroffen haben.

    Zum Beispiel Susanne Brückner, die sich nicht nur im Baufach auskennt sondern auch mit der Finanzierung: 95 Euro Schulgeld sind nötig für jedes Kind pro Monat. Eltern verpflichten sich zu einem Darlehen von je 1500 Euro, das sie bei Schulaustritt ihres Kindes zurückbekommen. Das Schulhaus stellt die Gemeinde die ersten zwei Jahre mietfrei zur Verfügung und beteiligt sich an Renovierungskosten. Darüber hinaus finanziert sich der Verein über Benefiz-Veranstaltungen und hofft auf viele Spenden und Sponsoren. Wichtig auch: wie man das Vorhaben einer Schulgründung der zuständigen Bezirksregierung – in dem Fall der oberfränkischen – formal richtig klarmachen kann:

    Man braucht einen Finanzplan, man braucht eine Konzeption, in der festgehalten ist, was genau unterrichtet wird. Dann muss man zusehen, dass man möglichst die Fachkräfte herbekommt, die diese Arbeit erledigen können: Die Konzeption haben jetzt Lehrer geschrieben, den Finanzplan hat ein Betriebswirtschaftler gemacht, das Gebäude hab ich gesucht, weil ich Bauingenieur bin.

    Wichtig vor allem: Keine Angst vor möglichen Hürden, darüber sind sich die jetzt sieben Vorstands-Mütter des Vereins einig. Eines ist allerdings unerlässlich:

    Einfach anrufen und fragen, wenn man an dem Punkt ist, wo man nicht weiterkommt, Regierung anrufen, die wissen dann wer zuständig ist oder Bürgermeister anrufen... die leiten einen dann immer weiter und dann kann man des Problem angehen und lösen eben..

    Für das Unterrodacher Schulprojekt offensichtlich erfolgreich - und von anderen Dorbewohnern weitgehend wohlwollend betrachtet.

    Begeistertes Kindergeschrei..

    Das sind keine Freudenausbrüche, weil die Schule bald beginnt – Nein, die Kinder jubeln dem Zauberer zu, der zu ihrem Gründungsfest gekommen ist:

    Ein Zauberwettbewerb mit fünf Teilen. Für jeden Teil, den man erfüllt, kriegt man einen Punkt, wie viel kriegt man dann?

    Peanuts für den sechsjährigen Frederik. Er widmet sich schon vor Schulbeginn ganz anderen Aufgaben:

    16 plus 16 ist 32



    Frederik kommt hier bald in die erste Klasse, sieht aber seiner Einschulung ziemlich gelassen entgegen:

    Alles... Lesen und Schreiben kann ich schon...
    (Klatschen, Klatschen...)


    Nicht immer hat alles so gut geklappt – mit der Schulgründung, obwohl jetzt die Erleichterung spürbar ist. Kerstin Köhlerschmidt, ebenfalls Vorstandsmitglied erinnert sich auch an weniger Angenehmes:

    Rückschläge, wenn Eltern wieder abspringen, dann kommen wieder neue dazu oder Schulhäuser, wo man denkt: Die sind's und dann sind sie's nicht und dann die Preislisten, wenn man sieht, was das Material kostet und man möchte das gerne... Auf und ab und die Kraft liegt bei uns und in den Kindern.

    Und was tun Sie nicht nur für Ihre, sondern auch "Für anderer Leute Kinder?"
    Schreiben Sie uns an
    Forum PISA, Deutschlandfunk, 50963 Köln
    oder per Mail:
    Forum Pisa Email
    Diese Mailadresse gilt auch, wenn Sie gerne Kontakte mit den Gründerinnen der Montessori-Schule in Unterrrodach herstellen möchten.