Donnerstag, 09. Februar 2023

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Monteverdi-Rezeption im 20. Jahrhundert
Vielfarbige Klangwelten

Claudio Monteverdis "Selva Morale e spirituale" seien ein Ausdruckskaleidoskop der für San Marco entstandenen Werke. So schreibt der Dirigent Andrew Parrott im Booklet zu seiner Teileinspielung über diese umfangreiche Sammlung geistlicher Kompositionen, die der venezianische Kapellmeister gegen Ende seines Lebens gleichsam als musikalisches Vermächtnis drucken ließ.

Von Helga Heyder-Späth | 20.11.2014

    Der italienische Komponist Claudio Monteverdi in einer zeitgenössischen Darstellung
    Meister des italienischen Barock Claudio Monteverdi (picture-alliance / dpa )
    Parrotts Aufnahme war eine von mehreren Monteverdi-Produktionen, die das Label EMI 1984, vor 30 Jahren, auf den Markt brachte und damit eine neue Ära der Monteverdi-Rezeption einläutete. Wissenschaftlich fundiert und mit großer Ausdruckskraft rückten Parrott und seine Kollegen den italienischen Meister darin in ein neues Licht. Dessen erstaunliche Tonsprache hatten in den Jahrzehnten davor aber auch schon Musiker wie Nikolaus Harnoncourt, Jürgen Jürgens, Alfred Deller, Paul Hindemith und Nadia Boulanger für sich entdeckt. Boulangers klavierbegleitete Madrigalauslegungen von 1937 sind von heutigen Vorstellungen historischer Aufführungspraxis sicher weit entfernt, beleuchten aber doch sehr reizvolle Facetten in Monteverdis vielfarbiger Klangwelt.