Montag, 28. November 2022

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Mozart kommt!

Nächstes Jahr haben Heinrich Heine und Robert Schumann 150. Todestag, aber von noch größerer Wirkung wird Wolfgang Amadeus Mozarts 250. Geburtstag sein. Eine große Party veranstaltet seine Geburtsstadt Salzburg. Doch damit nicht genug: Annähernd 200 so genannte Mozart-Orte werden europaweit im kommenden Jahr das "Wolferl" ehren. Natürlich und an herausragender Stelle auch Wien.

Von Ullrich Bohn | 19.11.2005

    Der Startschuss ist gefallen, die große Mozart-Welle kann nun mehr oder weniger ungehemmt, und von vielen auch, weil gewinnorientiert, freudig begrüßt, bis in die letzten Winkel der Klassik-Szene vordringen. Natürlich und ganz besonders auch in Salzburg, wo man freilich zu den beiden ganz großen Polen der Mozart-Pflege, den Salzburger Festspielen und der winterlichen Mozartwoche, für das Jubeljahr einen eher zeitgenössischen Gegenpol zu schaffen gedachte, dem reinen Abfeiern eine eher spielerische Auseinandersetzung entgegensetzen wollte.

    Und so entstand als Auftragskomposition die VIVA-Mozart-Suite, die aus acht Sätzen besteht, die von einer Komponistin und sieben Komponisten geschrieben wurden, und die wiederum allesamt, sei es nun beruflich oder privat, einen starken Bezug zu Salzburg haben. Wobei es allerdings nicht darum ging, irgendwelche Schnipsel aus dem Mozartschen Schaffen in eine zeitgenössische Form zu gießen oder mehr oder weniger eindeutig erkennbare Mozart-Zitate verwendet werden sollten, sondern man in Mozarts reger Reisetätigkeit einen thematischen Bogen fand. Die Städte Salzburg, London, Mailand, Mannheim, Paris, München, Prag und Wien als thematischer Überbau für die kompositorische Arbeit herangezogen wurden. Und alle Beteiligten nur einen kleinen Rahmen zu beachten hatten, wie Stefan David Hummel, Vorsitzender der IG Komponisten Salzburg, sowie Koordinator des Projektes, erläutert:

    " Es herrschte zwar für alle Komponisten absolute Freiheit, aber ein 9-Ton-Motiv aus Mozarts "Don Giovanni" diente als Klammer für den jeweiligen Anfangs- und Schlusston eines jeden Teils der Suite, damit sich dann alles doch zu einem Ganzen fügt."

    Die VIVA-Mozart-Suite klingt durchweg recht tonal, aber nicht einförmig, sondern ist von einer reichhaltigen Klangfarbenpalette gekennzeichnet, da die Komponisten das Orchester, das Mozarteum Orchester Salzburg unter der Leitung von Johannes Kalitzke, nicht immer als Ganzes verwenden, sondern zuweilen nur Blechbläser und Pauken oder ein kammermusikalisches Ensemble zum Einsatz kommt. Und Stefan David Hummel für seinen Part gar nur Multi-Percussion und zwei Schlagzeuger aus der Ferne verwendet:

    " Wir haben eine sehr pluralistische Musikrichtung verfolgt. Es sollte alles nicht nur nach "Darmstadt" klingen, sondern es sind auch U-Elemente mit integriert. Wobei speziell der Percussionist Martin Grubinger zum Bindeglied dieser Komposition geworden ist, und er beweisen kann und will, dass auch die zeitgenössische Musik und die Haut gehen kann."

    Die VIVA-Mozart-Suite wird keine musikalische Eintagsfliege bleiben, nichts, was man nur freundlich zur Kenntnis nimmt, und dann zur Tagesordnung übergeht. Denn das Werk soll als zeitgenössisches Geburtstagsgeschenk in die große Mozartausstellung in der Neuen Residenz eingehen, wie Inge Brodil, die Generalsekretärin der Salzburger Mozart-Aktivitäten, erläutert:

    " Wie werden mit dieser Ausstellung für Mozart eine, bildlich gesprochen, große Geburtstags-Party ausrichten. In der seine Zeitgenossen, seine Zeit, seine Lebensumstände und vieles mehr Berücksichtigung findet. Es wird eine große Werk-Auswahl zu hören sein und am Ende eben auch unsere VIVA-Mozart-Suite. Dazu kommen hochrangige Exponate aus aller Welt usw. "

    Und noch ein Salzburger Ausstellungsereignis dürfte bereits vor dem Beginn des Mozart-Jahres auf eine überregionale Resonanz stoßen. Denn die Internationale Stiftung Mozarteum hat den keinen Geringeren als Robert Wilson eingeladen, die originalen Wohnräume der Familie Mozart in der Salzburger Getreidegasse konzeptionell neu zu gestalten. Wilson kombiniert dabei authentische Ausstellungsstücke dieses berühmten Mozartschen Originalschauplatzes mit eigenen künstlerischen Arbeiten und schafft mittels Architektur, Licht, Ton und Designobjekten, so zumindest lautet die Vorankündigung, ein neues Raumerlebnis. Ab 5. Dezember werden wir mehr wissen.

    Annähernd 200 so genannte Mozart-Orte werden europaweit im kommenden Jahr das "Wolferl" ehren. Natürlich und an herausragender Stelle auch Wien. Und auch hier möchte man, neben allem touristischen Rummel Schwerpunkte setzen, Impulse für eine kontinuierliche Weiterentwicklung geben. Auch Wien bereitet daher eine große Mozart-Ausstellung in der Albertina vor, richtet die letzte noch erhaltene Wiener Original-Wohnung des Komponisten zum Mozarthaus Vienna her, zum 1000 m2 umfassenden lebendigen Mozart-Zentrum. Und in künstlerische Hinsicht ist das Festival der sakralen Musik Mozarts in den Kirchen Wiens erwähnenswert und Peter Sellars durch die Kompositionen des Musikgenies inspiriertes Festival, das sich an der "Zauberflöte", an "La Clemenza di Tito" und am "Requiem" orientiert, aber letztlich auch die Brücke zum zeitgenössischen Musikschaffen zu schlagen gedenkt.