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StartseiteUmwelt und VerbraucherUmweltberaterin: Bislang keine Reduzierung von Verpackungsmüll03.01.2019

Mülltrennung und RecyclingUmweltberaterin: Bislang keine Reduzierung von Verpackungsmüll

Seit 28 Jahren halte sich der Mythos, dass man Joghurtbecher ausspülen müsse, bevor sie in die Gelbe Tonne wandern, sagte Friederike Farsen von der Verbraucherzentrale NRW im Dlf. Dabei sei "löffelrein" völlig ausreichend. In der Bilanz sei es bislang aber nicht gelungen, den Verpackungsmüll zu reduzieren.

Friederike Farsen im Gespräch mit Susanne Kuhlmann

Gelbe Säcke stapeln sich neben entsprechenden Müllcontainern. (dpa picture alliance/ Ralf Hirschberger)
Mit dem Beginn des Jahres trat das neue Verpackungsgesetz in Kraft. Künftig sollen mehr Verpackungen als bisher recycelt werden. (dpa picture alliance/ Ralf Hirschberger)
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Susanne Kuhlmann: Mehr Verwertung, weniger Abfall. Mit dem Beginn des Jahres trat das neue Verpackungsgesetz in Kraft. Gut 220 Kilogramm Verpackung entfallen für das Jahr 2016 auf jeden von uns. Das wird das Gesetz nicht ändern können. Aber künftig sollen mehr Verpackungen als bisher recycelt werden. Auf die Haushalte kommt also Mülltrennung für Fortgeschrittene zu. Friederike Farsen ist Umweltberaterin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Vor der Sendung fragte ich sie zunächst nach dem Basiswissen fürs Abfalltrennen.

Friederike Farsen: Wenn es darum geht, die Verpackungen zu trennen, stellen sich eigentlich drei Fragen: Erstens, ist es überhaupt eine Verpackung? Dann muss ich sie vom Restmüll trennen. Zweitens, ist die Verpackung aus Glas? Dann ab zu den Glascontainern. Ist die Verpackung aus Papier, dann in die Papiertonne. Wenn es das nicht ist, dann kann alles andere in den gelben Sack, die gelbe Tonne, oder in einigen Kommunen stehen auch Wertstofftonnen, darf es natürlich dort rein.

Kuhlmann: Wie soll ich mit den Verpackungen für all das umgehen, was ich so aus der Hand verzehre? Kaffeebecher, Imbissboxen, oder was lose verkauft wird wie loser Käse zum Beispiel?

Farsen: All das ist laut Verpackungsgesetz eine Serviceverpackung, also sprich auch eine Verpackung. Da kommt man vielleicht beim Kaffeebecher oder bei der Imbissbox nicht sofort drauf, aber auch das sind Verpackungen. Und in der Regel sind das Verpackungen, gerade Kaffeebecher, Imbissboxen, die entweder komplett aus Kunststoff bestehen oder Kunststoff--Papierverbund, also all das, was auch grundsätzlich in den Gelben Sack darf. Wenn Sie etwas lose einkaufen, was natürlich möglich ist, dann haben Sie oft eine Papiertüte und Plastik – dann die Papiertüte und das Plastik dann wieder in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne.

Joghurtbecher fachgerecht entsorgen: "wirklich nur löffelrein"

Kuhlmann: Die leeren Joghurtbecher – vielleicht zunächst mal, in welcher Form kann ich die wegwerfen? Müssen sie ausgespült sein, wie es immer noch einige glauben?

Farsen: Das ist ein Mythos, der sich wirklich seit fast 28 Jahren hält, seitdem die Verpackungsverordnung, der Vorläufer des Verpackungsgesetzes, in Kraft getreten ist. Also, alles was man auslöffeln kann, wirklich nur löffelrein. Es muss nicht ausgespült werden. Das ist wirklich ein Mythos, der sich hält. Und ansonsten gilt restentleert, das heißt, überall, wo noch Lebensmittelreste drin sind, die ich aber herausnehmen kann, zum Beispiel der Pizzakarton, bei dem das letzte Stück Pizza dann doch übrig geblieben ist, was man dann leider auch vielleicht nicht mehr essen kann – der Rest Pizza in den Restmüll, der leere Karton, wenn er nicht beschichtet ist, darf ins Altpapier. Ein paar Fettflecken machen nichts aus, aber es sollte nicht mit Lebensmitteln behaftet sein.

Kuhlmann: Papier ist nicht immer nur Papier oder Pappe nicht immer nur Pappe, haben Sie gerade schon gesagt, sondern kann zum Beispiel mit einer Kunststoffschicht versehen sein. Wie mache ich das dann mit dem Trennen?

Farsen: Das ist ein bisschen tricky, muss ich sagen. Man merkt das manchmal nicht, dass da eine Kunststoffschicht auch drauf ist, also wirklich auch eine dickere Schicht. Das kann aber schon bei einer Bonbontüte losgehen. Das fühlt sich außen an wie Papier, und innen denken Sie, das sieht ein bisschen anders aus, fühlt sich anders an. Wenn Sie das langsam einreißen, dann zeigt sich in der Regel ein Kunststofffilm. Und wenn sich dieser Kunststofffilm zeigt, dann ist es eine Verbundverpackung, und all diese Verbundverpackungen gehören in den Gelben Sack, die Gelbe Tonne. Klassiker unter den Verbundverpackungen ist der Getränkekarton, aber auch der Kaffeebecher.

"Reduzierung hat bislang nicht stattgefunden"

Kuhlmann: Sammelcontainer aller Art gehören ja seit Langem – 28 Jahre, sagen Sie – zum Stadtbild. Ist das Trennen von Verpackungsabfall bisher eine Erfolgsgeschichte? Oder wird zu viel in die falschen Tonnen oder zu viel Abfall in irgendwelche Tonnen geworfen, für die sie nicht gedacht sind?

Farsen: Ich würde noch einen Schritt davor anfangen: Die Verpackungsverordnung, auch das Verpackungsgesetz, sollen eigentlich dazu beitragen, dass weniger Verpackungsmüll anfällt. Das ist das oberste Ziel. Das hat die Verpackungsverordnung bislang nicht geschafft. Wir haben 1991 192 Kilogramm Verpackungsmaterial verbraucht. Die letzten Zahlen sind aus dem Jahr 2016, da lagen wir bei 220 Kilogramm Verpackungsmüll. Also, die Reduzierung hat bislang nicht stattgefunden.

Was die Trennung und die Verwertung anbelangt, teils teils. Es landet immer noch zu viel Restmüll im Gelben Sack, in der Gelben Tonne leider, manchmal bis zu 50 Prozent, weil es ja auch nicht so ganz einfach ist – was ist eine Verpackung, was nicht, was darf da rein, was nicht. Das ist nach wie vor nicht einfach. Von daher wäre ja vielleicht eine Wertstofftonne in diesem Falle wirklich sinnvoller gewesen. Das Recycling der Verpackungen hat zugenommen, aber das Schlusslicht sind nach wie vor die Kunststoffverpackungen, und die sollen ja auch mit dem Verpackungsgesetz besonders in den Fokus rücken. Das heißt, da sind viel höhere Quoten vorgeschrieben worden, dass eben aus den Kunststoffen auch wieder Kunststoffe werden und sie nicht verbrannt werden. Und das ist sehr ambitioniert, weil nach wie vor, und das bedauern wir auch sehr, Verpackungen gerade aus Kunststoff auf den Markt kommen, die nicht recyclingfähig sind. Zum Beispiel alle schwarzen Kunststoffe, aber auch diese durchsichtigen, glänzenden Kunststoffe, in denen Sie Obst und Gemüse einkaufen können.

Im Supermarkt seine eigene Verpackung mitbringen

Kuhlmann: Die Wiederverwertung von Verpackung ist gut, aber besser noch ist es, Verpackung zu vermeiden.

Farsen: Ja. Das sollte an erster Stelle stehen. Wir haben da auch diverse Tipps zusammengetragen. Man kann eben den Käse nicht nur lose kaufen an der Theke, man kann auch seine eigene Verpackung mitbringen. Man kann das zum Beispiel auf die Theke setzen, dann kann da eingepackt werden. Man sollte Nachfüllpackungen immer bevorzugen. Bei Obst und Gemüse ist der Trend des Vorverpackens auch sehr groß geworden, auch da akzeptieren viel mehr Supermärkte jetzt auch den eigenen Kunststoffbecher. Auch ganz wichtig: Wir brauchen auch nicht die vielen Flaschen. Gerade die Einwegflaschen haben auch sehr zugenommen. Das Trinkwasser aus der Leitung, das ist in Deutschland sehr gut untersucht, und damit sparen Sie schon mal eine Menge Verpackungsmaterial ein.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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