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StartseiteSport am WochenendeMünchens Olympiabewerbung in Not11.09.2010

Münchens Olympiabewerbung in Not

Alte Probleme und neuer Gegenwind von Umweltschützern

Die Woche begann mit dem Rücktritt des bisherigen Geschäftsführers Willy Bogner. Der 68-jährige Mode-Unternehmer gab sein Amt aus gesundheitlichen Grünen wegen einer Darmerkrankung ab. Die Gesellschafter der Olympia GmbH versicherten, die Erkrankung sei "der einzige Grund” für den Rücktritt gewesen – und nicht etwa die lang anhaltenden Querelen.

Von Jens Weinreich

Logo der Bewerbungsgesellschaft München 2018. (Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH)
Logo der Bewerbungsgesellschaft München 2018. (Bewerbungsgesellschaft München 2018 GmbH)

Nach Bogners Rücktritt stieg Bernhard Schwank, ehemals Leistungssportdirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zum Vorsitzenden der Geschäftsführung auf. Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt übernimmt die internationale Darstellung der Bewerbung.

München, Pyeongchang oder Annecy? Zehn Monate sind es noch bis zur Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) über den Gastgeber der Winterspiele 2018. Und die schlechten Nachrichten für Münchens Offerte reißen nicht ab. Erst der Rücktritt von Willy Bogner. Nun erklärt der Deutsche Naturschutzring, aus der sogenannten "Fachkommission Umwelt" der Olympiabewerbung auszutreten: "Die Visionen von umweltverträglichen Olympischen Winterspielen sind gescheitert", sagen die Umweltschützer.

Selbst in der Lokalpresse häufen sich skeptische Töne. "Peinliche Großmannssucht" attestiert die "Abendzeitung" den Münchnern. Im selben Blatt hatte zuvor der Bogner-Freund Uli Hoeneß Olympiasiegerin Katarina Witt scharf kritisiert. Bogner sei "viel Unrecht geschehen", behauptete Hoeneß, der Präsident des FC Bayern München. Dazu habe auch Witt mit öffentlicher Kritik beigetragen. Hoeneß sprach von "unqualifizierten Äußerungen".

Einige Medien und wohl auch Gesellschafter der Olympia GmbH versuchten, bayerische Stars wie Hoeneß oder Franz Beckenbauer der Bewerbung näher zu bringen. Derlei Bemühungen sind teilweise albern und von großer Unkenntnis des olympischen Business geprägt. Beckenbauer oder Hoeneß fehlt es an Intimkenntnissen der olympischen Bewegung. Andererseits wäre in Bayern ein Macher gefragt, der Probleme löst und vor allem Gräben überbrückt. Der also all das leistet, was Bogner in einem Jahr versäumte. Hoeneß wäre der Typ dafür. Zumal in der olympischen Kernregion einige Ressentiments gegenüber der Ostdeutschen Katarina Witt geäußert werden.

Willi Bogner hat aus gesundheitlichen Gründen sein Engagement für die Münchener Olympia-Bewerbung zurückgezogen. (AP)Willi Bogner hat aus gesundheitlichen Gründen sein Engagement für die Münchener Olympia-Bewerbung zurückgezogen. (AP)Deren Arbeit aber ist gar nicht darauf angelegt, bayerische Widerständler zu überzeugen und lokale Konflikte zu lösen. Katarina Witt fokussiert sich aufs Internationale – und dafür ist sie eine gute Besetzung. Bogners Abschied wird die internationale Performance der Bewerbung nur stärken. Witt genießt nun ungeteilte Aufmerksamkeit, sie muss keine Rücksicht auf den verdrucksten Bogner mehr nehmen, dessen Kommunikations- und Arbeitsstil oftmals für Irritationen sorgte. Die Witt tut, was ihr die kleine Crew des DOSB-Präsidenten Thomas Bach einflüstert. IOC-Vize Bach bestimmt fast allein, was München im IOC-Bereich macht und was nicht. Witt hält sich an die Vorgaben. Sie wird dabei vor allem von Bachs rechter Hand Katrin Merkel betreut, die im DOSB und in der Bewerber GmbH fürs Internationale zuständig ist, aber auch von der Französin Severine Hubert, einer bestens vernetzten Olympia-Lobbyistin, die München für viel Geld eingekauft hat.

Natürlich wird eine Bewerbung nicht auf der Sympathieskala entschieden. Doch Witts Dauerpräsenz hat die favorisierten Koreaner aus Pyeongchang nervös gemacht. Sie werden ihr Eis-Sternchen, die Olympiasiegerin Kim Yu-Na, schneller als geplant dem IOC vorführen. Kim soll bereits im Oktober, mitten in ihrer Saisonvorbereitung, beim Sportgipfel in Acapulco antichambrieren. Dort tagen die Vollversammlung aller Nationalen Olympischen Komitees (ANOC), das IOC-Exekutivkomitee und die Sportminister etlicher Nationen. Auf dem ANOC-Kongress dürfen sich die Bewerber erstmals offiziell präsentieren, es gibt insgesamt nur vier, fünf derartige Termine bis zur Entscheidung im Juli 2011. Es ist eine Generalprobe. Der erste Eindruck ist immer wichtig.

Wer die Lage der Bewerbung beurteilt, tut gut daran, zwischen nationalen Problemen und internationaler Ausstrahlung zu unterscheiden.

National gilt es zuallererst die Grundstücksfrage in Garmisch-Partenkirchen zu klären. Den Widerstand will die bayerische Regierung mit einem Deal mit der US-Armee umgehen – Staatskanzleichef Siegfried Schneider verhandelte gerade in Washington mit den Amerikanern, die ihren Golfplatz zur Verfügung stellen sollen. Dort würden dann Athletendorf und Medienzentrum geplant.

Die beiden Olympia-Geschäftsführer Bernhard Schwank und Jürgen Bühl, letzterer stieg nach Bogners Rücktritt eine Stufe in der Hierarchie, waren Anfang der Woche in Lausanne beim IOC. Sie fühlten dort unter anderem wegen der finanziellen Beteiligung des Olympiakonzerns an einem eventuellen Organisations-Budget vor. Von echten Verhandlungen kann keine Rede sein, zumindest nicht in dieser Phase. Denn das IOC ist stets Herr des Verfahrens, behandelt Organisationskomitees als Franchisenehmer, und wird – egal wer die Spiele ausrichtet – kaum mehr als eine halbe Milliarde Euro zum Etat beitragen. Nach bisherigen Münchner Hochrechnungen wären es etwas mehr als 400 Millionen vom OCOG- also Organisationsetat von rund 1,2 Milliarden. Hinzu käme ein Infrastrukturetat von mehr als zwei Milliarden Euro, der komplett aus öffentlichen Mitteln finanziert wird. Transparente Etatansätze aber legte die Olympia GmbH bislang weder für die Bewerbung noch für die eventuelle Ausrichtung vor. Die GmbH will das offizielle Bewerberbuch noch Ende September den Gesellschaftern vorlegen.

Die Olympia GmbH will gleichzeitig mit einer Werbekampagne künstlich gute Stimmung organisieren. "Die freundlichen Spiele", heißt der Slogan, der ab sofort von einer Werbeagentur unters Volk gebracht wird.

Die Probleme an der Basis aber bleiben. Die Olympiagegner in Bayern sehen sich nach Bogners Rücktritt im Aufwind. In Garmisch-Partenkirchen streben sie weiterhin ein Bürgerbegehren an. In zwei Wochen tagt der Gemeinderat, der vermutlich mehrheitlich auf Olympia-Kurs bleiben wird. Sollte es so kommen, würden Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt, das dann Anfang 2011 stattfinden könnte.

In München wird Anfang Oktober die Grüne Stadtrats-Fraktion, bislang pro Olympia, wahrscheinlich ein zweites Mal über die Bewerbung abstimmen. Tendenz derzeit, wie überhaupt für die Bewerbung: Negativ.

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