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Mulchen gegen Wüstenbildung

Wüsten wachsen - den steigenden Erdtemperaturen geschuldet. Was kann dagegen und die Verschmutzung kostbarer Gewässer getan werden? In Magdeburg haben Wissenschaftler aus 29 Ländern darüber nachgedacht - und einen ökobäuerlichen Ansatz gefunden.

Von Susanne Arlt | 09.09.2009

    Weltweit verlieren die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes immer mehr den Boden unter ihren Füßen. Das Erdreich wird vergiftet, es verwüstet und versauert. Die Auswirkungen bekommt man oft erst Jahrzehnte später zu spüren. Deutschland hat vor zehn Jahren auf dieses Problem reagiert und ein Bodenschutzgesetz erlassen. Inzwischen arbeiten auch die Mitglieder der Europäischen Union an einer entsprechenden Richtlinie. In Entwicklungs- und Schwellenländern wie Afrika, Lateinamerika oder Asien sei das Problem zwar weithin bekannt. Aber oft hätten diese Länder kaum finanzielle Möglichkeiten, in den Bodenschutz zu investieren, sagt Gregor Ollesch, Geograf vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

    "Das ist ein ubiquitäres, ein weltweites Problem. Umgehen kann man mit dem Problem, wenn man ökonomisch dazu in der Lage ist. Erosionsschutz und Gewässerschutz ist eine Frage des ökonomischen Potenzials. Das kann ein verhältnismäßig reicher Landwirt in Europa gut machen. Das kann natürlich dann ein Bauer in Äthiopien, der nur anderthalb oder zwei Hektar selbst bewirtschaftet, viel weniger leisten. Das ist eine Investition, die sich dann häufig für den einzelnen Farmer dann nicht auszahlt."

    Gregor Ollesch ist darum froh, dass auch zahlreiche Wissenschaftler aus Afrika und Asien an dem Kongress teilnehmen. Denn in erster Linie geht es den Initiatoren darum, Informationen auszutauschen und die neuesten Untersuchungen bekannt zu machen, um so schädliche Entwicklungen einschränken zu können. Die Teilnehmer der Umweltkonferenz in Magdeburg stellen vor allem die Wechselwirkung zwischen Wasser- beziehungsweise Winderosion und der Verschmutzung der Gewässer in den Mittelpunkt. Oftmals werde diese Korrelation von den Menschen gar nicht in einen Zusammenhang gebracht, sagt Frido Reinstorf, Hydrologe an der Hochschule Magdeburg-Stendal.
    "Dieser Bodenabtrag, der führt dann letztendlich dazu, dass die Stoffe bis hin in die Gewässer verlagert werden können. Und das führt dann zur Eutrophierung der Gewässer. Also zur Nährstoffanreicherung und zur Verstärkung des Algenwachstums."

    Das Gewässer verliert seinen Artenreichtum, im Extremfall sterben die Fische dann durch Sauerstoffmangel. In den 60er-Jahren wurde die Gewässerverschmutzung zum Problem. 20 Jahre später wurden zwar die ersten Maßnahmen ergriffen. Die europäische Wasserrichtlinie sieht vor, dass alle Gewässer wieder eine hohe Biodiversität erreichen. Trotzdem haben sich viele Seen und Flüsse noch nicht vollständig erholt. Nährstoffe, erklärt Gregor Ollesch, bauen sich nämlich wesentlich langsamer ab als zuerst vermutet, erklärt Gregor Ollesch, Geograph vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

    "Wenn erkannt wird, dass ein ökologisches Problem entsteht, ist es zunächst noch kein wirtschaftliches Problem. Und dann braucht es einfach noch eine Zeit, um einen nötigen Druck auszuüben auf die Gesellschaft an sich, den Nährstoffeintrag zu reduzieren. Und man hat anfangs gedacht, es reicht aus, den Nährstoffeintrag um zehn bis fünfzehn Prozent zu verringern, um dann wieder auf einen möglichst guten Status zu kommen. Ganz offensichtlich ist das nicht der Fall."

    Vor allem die Landwirtschaft spielt eine große Rolle, um die Bodenerosion einzuschränken und damit die Gewässerqualität wieder zu verbessern. Inzwischen gebe es aber bei vielen Bauern ein Umdenken, glaubt der Hydrologe Frido Reinstorf. Um möglichst große Erträge einzufahren, muss gedüngt werden. Ökologisch arbeitende Landwirte versuchen dies aber auf möglichst natürliche Weise.

    "Zum Beispiel ist eine klassische Bearbeitungsmethode des ökologischen Landwirts das Mulchen. Die Ackerfrüchte werden also nicht mehr komplett vom Acker entfernt, sondern werden mit untergearbeitet. Und das setzt sich durchaus immer weiter durch auch beim konventionellen Landwirt wird zunehmend bodenschonende Bearbeitung gemacht."

    Europäische Öko-Landwirte werden mittels Subventionen unterstützt. In Afrika sieht das ganz anders aus. 60 Prozent der Menschen müssen ihr Land selbst bestellen, um sich zu versorgen. Die Gefahren, die die Bodenerosion mit sich bringt, spielten da eine untergeordnete Rolle, sagt Luncendo Ngcofe, der in Kapstadt für den südafrikanischen Rat für Geowissenschaften arbeitet.

    "Ja, ja es liegt leider hauptsächlich am Geld. Der Bodenabtrag ist ein großes Problem in Südafrika. Viele Regionen sind stark betroffen. Wir haben aber noch nicht den Punkt erreicht, dass die Bauern die Erkenntnisse, die es derzeit gibt, auch umsetzen können, um die Landwirtschaft nachhaltiger zu betreiben. Aber zumindest ist es ein Anfang, dass wir uns mit diesem Thema befassen."