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StartseiteKultur heuteBest-of-Show eines visionären Sammlers11.07.2014

Museum Frieder BurdaBest-of-Show eines visionären Sammlers

Das Burda-Museum in Baden-Baden zeigt anlässlich seines zehnten Bestehens eine große Jubiläumsausstellung. Zu sehen sind unter anderem Werke von Max Beckmann, Picasso und August Macke. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf den Helden des Sammlers Frieder Burda: Gerhard Richter und Sigmar Polke.

Von Christian Gampert

Eine Besucherin der Ausstellung betrachtet Gerhard Richters Werk "Kerze", ein Bild mit einer großen Kerze drauf, Frau ist nur von hinten zu sehen. (dpa/picture alliance/Uli Deck)
Eine Besucherin der Ausstellung betrachtet Gerhard Richters Werk "Kerze" (dpa/picture alliance/Uli Deck)

Jean Louis Prat ist 73, Götz Adriani ebenfalls 73, Klaus Gallwitz 83. Diese drei Museumsleute, die renommierte Häuser in Saint-Paul-de-Vence, in Tübingen und Frankfurt geleitet haben, Gallwitz war lange am Städel, bilden wahrscheinlich den Altherrenklub mit dem größten kunsthistorischen Sachverstand Deutschlands. Dieses Triumvirat hat für seinen Arbeitgeber Frieder Burda, 78, die allermeisten Ausstellungen des Burda-Museums kuratiert, und Helmut Friedel, der bis Kurzem dem Münchner Lenbachhaus vorstand, ist mit demnächst 68 Jahren auch nicht gerade ein Youngster.

Friedel wird als Kurator Götz Adriani ablösen, der in den Aufsichtsrat wechselt; und gemeinsam haben die beiden jetzt die Schau gestaltet, die die ersten zehn Jahre des Museums resümiert. Sie zeigt in konzentrierter Form die Struktur und die Highlights der großartigen Burda-Sammlung, um die herum man immer wieder neue Themenausstellungen stricken kann und stricken wird. Frieder Burda hat sich früh für die Klassische Moderne begeistert und ist dann in die (damalige) Gegenwartskunst gewandert; gekauft hat er vor allem in den 1980er-Jahren, als manches dem Kenner noch erschwinglich war, was heute von Hedgefonds-Managern zu horrenden Preisen ersteigert wird. Burdas Helden sind vor allem Gerhard Richter und Sigmar Polke, und das hat Gründe, sagt Götz Adriani:

"Frieder Burda hat in erster Linie die Künstler seiner Generation gekauft. Er hatte ähnliche Erfahrungen mit der Geschichte, mit den Problemen, mit den künstlerischen Aufgabenstellungen. Ich glaube, das ist ganz wichtig. Deshalb hat er zu diesen Künstlern auch ein sehr viel engeres, vertrauensvolleres Verhältnis als zu jüngeren Künstlern, die einer anderen Generation entstammen."

Auch die Staatliche Kunsthalle feiert mit

So ist dann auch die Ausstellung aufgebaut: In luftig-weißen, mit Glasfronten nach außen geöffneten Burda-Museum des Architekten Richard Meier hat Adriani vor allem Gerhard Richter gehängt, um die Polarität von Gegenstand und Abstraktion in der Sammlung klarzumachen; im Mezzanin dann die eigentlichen Zentralwerke, Akte und verrenkte Paare aus dem Spätwerk von Picasso; danach Beckmann, Kirchner, Macke - und im Oberstock Pop-Art und Abstrakter Expressionismus.

Die nebenan liegende, spätklassizistische Staatliche Kunsthalle wollte sich dem Burda-Jubiläum nicht verschließen und hat ihre Räume für einen zweiten Parcours geöffnet, der von Helmut Friedel virtuos gehängt wurde. Selten hat man die verschwimmenden, zerlaufenden Farben der abstrakten großen Polke-Werke so luftig inszeniert gesehen wie im zentralen Oberlichtsaal, ergänzt um die Tapeten- und Pixelbilder. Gleich daneben steht eine geknautschte Auto-Skulptur von John Chamberlain, und es geht weiter mit den optischen Experimenten der Zero-Künstler, mit Richters vernähtem Party-Bild von 1963, mit Lüpertz' Zyklopen, Rainers Übermalungen und Kiefers bösem, erdigem "Böhmen liegt am Meer".

Junge Generation soll übernehmen

Es ist also eine Best-of-Show, eine sichere Sache, die aber die kommenden Probleme dieses Museums implizit mitbenennt. Erstens: Wie will der Sammler (oder sein Nachfolger) die durchaus vorhandene Gegenwartskunst, die mit einem halluzinatorischen Bild der Corinne Wasmuht, mit Axel Hütte und Neo Rauch in der Ausstellung vertreten ist, in Zukunft besser und stärker integrieren, dazukaufen? Zweitens: Wer soll die Geschicke des Museums in die Hand nehmen? Adriani denkt da in Richtung jüngere Generation:

"Die Absicht ist, dass man in absehbarer Zeit einen jungen Mann oder eine junge Frau hier etabliert, die sowohl für die Sammlung zuständig ist als auch für das Museum zuständig ist und dann das Heft in die Hand nimmt - in Absprache mit Frieder Burda. Das ist aber immer ein Vabanquespiel, ob man dann die richtige Person auch findet..."

Einstweilen aber gibt es diese schöne Ausstellung, die besonders im zentralen Saal des Meiers-Baus mit Richters Großformaten beeindruckt. Und natürlich mit der berühmten Kerze. Eine Kerze für Gerhard Richter, aber auch eine Geburtstags-Kerze für dieses Museum, das Frieder Burda gänzlich selbst finanziert - Bau, Betrieb und die Kunstwerke.

 

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