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StartseiteStreitkulturSollen die Lehrpläne ausgedünnt werden?30.01.2021

Myrle Dziak-Mahler vs. Axel PlünneckeSollen die Lehrpläne ausgedünnt werden?

Geschlossene Schulen und Distanzlernen: Sollte der Lehrstoff wegen der Corona-Pandemie reduziert werden? "Die Schulen müssen in dieser Frage mehr Autonomie bekommen", fordert die Bildungsexpertin Myrle Dziak-Mahler. "Man sollte die Standards nicht absenken", entgegnet der Volkswirt Axel Plünnecke.

Moderation: Monika Dittrich

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Ein Junge sitzt an seinem Schreibtisch vor dem Computer. (imago images / Jochen Tack)
Ein Grundschüler zu Hause vor dem Computer (Symbolfoto) (imago images / Jochen Tack)
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Myrle Dziak-Mahler: "Schule grundsätzlich neu denken"

"Meiner Meinung nach ist ein Festhalten an den vorgegebenen Rahmenbedingungen - insbesondere vor dem Hintergrund der Pandemie – nicht sinnvoll. Bereits seit dem letzten Frühjahr gibt es Forderungen, seitens der Gewerkschaften, von Verbänden, von den Schulen selber, von Schülerinnen und Schülern, dass Lehrpläne entschlackt werden sollen. Und meiner Meinung nach sollten wir diese Ausnahmesituation jetzt nutzen, um Schule grundsätzlich neu zu denken. Wir wissen ja schon, dass der Bildungsansatz, den wir verfolgen, veraltet ist. Ich denke, wir sollten nicht über Lehrpläne und Abschlussnoten diskutieren, sondern sollten uns darauf konzentrieren, wie wir die Schule für das 21. Jahrhundert fit machen. Denn die Pandemie stellt die Schulen vor etliche Probleme, sie schafft aber auch Raum zum experimentieren."

  (picture alliance / Rainer Hackenberg | Rainer Hackenberg) (picture alliance / Rainer Hackenberg | Rainer Hackenberg)Myrle Dziak-Mahler ist ausgebildete Lehrerin für die Fächer Deutsch und Geschichte. Viele Jahre war sie Geschäftsführerin des Zentrums für LehrerInnenbildung der Universität Köln. Ab dem 1. Februar 2021 ist sie Kanzlerin der Alanus-Hochschule in Alfter bei Bonn. 

Axel Plünnecke: An den Lehrplänen festhalten

"Ich würde nicht zustimmen, die Lehrpläne auszudünnen. Wir haben, wie uns die Empirie zeigt, durch die Schulschließungen große Probleme beim Kompetenzerwerb der Schüler. Es gibt eine große Ungleichheit der Bildungschancen, die sich verschärft. Es gab während der Schulschließungen im ersten Lockdown Fernunterricht und wir wissen aus Befragungen, dass die Schüler nur etwa die Hälfte der normalen Zeit sich mit Schulthemen beschäftigt haben. Es gab also im Durchschnitt keine Überlastung der Schüler, aber eine sehr hohe Streuung. Deshalb wäre ich dafür, dass man an den Lehrplänen festhält, und da wo es gut klappt, die auch umsetzt. Und die anderen Schulen durch deutlich mehr Unterstützung befähigt, diesen Lehrplan auch weitestgehend abzudecken."

  (Imago) (Imago)Professor Axel Plünnecke ist Volkswirt. Er leitet am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln das Kompetenzfeld Bildung, Zuwanderung und Innovation.

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