Montag, 30.03.2020
 
Seit 14:35 Uhr Der Kultur-Nachmittag
StartseiteCorsoVon der Entstehung der Welt und neuem Leben28.08.2015

Mythos BienenVon der Entstehung der Welt und neuem Leben

Bienen haben etwas Mythisches. Sie wurden und werden verehrt, das derzeit zu beobachtende Bienensterben bereitet nicht nur Forschern Sorgen. Der britische Autor John Burnside beschäftigt sich schon lange mit Bienen. Er hat Bienen-Gedichte geschrieben und präsentiert nun in der Berliner daadgalerie eine Bienen-Installation.

Von Oliver Kranz

Eine Honigwabe mit Arbeitsbienen (picture-alliance/ ZB)
Bienen liefern nicht nur Honig. Sie sind wichtig für die gesamte Nahrungsproduktion. (picture-alliance/ ZB)
Mehr zum Thema

Stadtimkerin als EXPO-Botschafterin Was einer nicht schafft, schaffen alle gemeinsam

Parlamentarier als Imker Bienen landen im Regierungsviertel

Wie viel Pestizid vertragen Bienen? Summ, summ, stumm

Biodiversität Wilde Bienen in Amsterdam

Bayer vs. BUND Pestizide verantwortlich für Bienensterben?

Das summende Geräusch füllt den ganzen Raum. Es kommt aus einem großen, weißen Kasten, den John Burnside gemeinsam mit Katharina Narbutovic entwickelt hat. Sie leitet das Künstlerprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und hat den Briten zu dem Projekt eingeladen. "Zum einen schwebte mir die ganze Zeit im Kopf der Gedichttitel von Sylvia Plath "Bee Box", zum anderen ist eine Box natürlich auch ein abgeschlossener Raum, in dem man sich begeben kann, um sich zu konzentrieren."

Die Box in der daadgalerie hat transparente Gaze-Wände, ganz anders als der geschlossene Bienenkasten von Sylvia Plath. Im Gedicht der Amerikanerin sind die Bienen eine unbekannte Kraft. Man weiß nicht, ob sie Gutes oder Böses tun, wenn sie freigelassen werden. Bei John Burnside hingegen sind sie Symbole des Lebens. Seine Stimme tönt in dem großen weißen Kasten aus einem Lautsprecher.

Am Anfang gab es hier nichts
als zwei einander gegenübergestellte Spiegel: leere Felder,
reflektiert und spiegelverkehrt
ad infinitum.…
bis der allererste, noch feuchte Schwarm
lebender Bienen
in den Raum zwischen den Lichtfeldern geriet

"Die Gedichte hat John Burnside eigens für die Klanginstallation geschrieben - 'Bee Myth'. Es ist tatsächlich so, dass ein wesentliches Element von John Burnsides Dichtungen der Ansatz ist, neue Mythen für unsere Welt, für unsere Gegenwart zu schaffen - also nicht einen Klagegesang anzustimmen, sondern eher uns Denkfutter an die Hand zu geben, dass wir darüber nachdenken, was bedeuten uns eigentlich die Bienen und was haben sie mit unserer Kulturgeschichte und mit uns als Menschen zu tun?"

Das erste Gedicht beschreibt die Rolle der Bienen bei der Entstehung der Pflanzenwelt - Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich Bienen und Blütenpflanzen bei ihrer Entwicklung gegenseitig voranbrachten. Das zweite Gedicht beschreibt, wie ein Vater nach seinem neu geborenen Kind schaut, das in der Wiege schläft.

Als ich nach oben ging, um nach Dir zu schauen,
umschwirrte ein gutes Dutzend 
Bienen dein Bett, an dieser Stelle 
ein so rätselhafter Anblick, dass ich ihn nicht
als Drohung, sondern als Segen begriff…

Bienen wurden von den Menschen schon vor Tausenden von Jahren verehrt. Wenn die Ägypter ihre Ergebenheit zum Pharao ausdrücken wollten, zeichneten sie eine Biene als Symbol der Hingabe. Sie sahen die Bienen als Hüter der Ordnung und Sauberkeit. Im alten Indien wurde der Gott Vishnu als Biene dargestellt. Heute stehen Bienen in den Logos zahlreicher Banken für Vernunft, Fleiß und Sparsamkeit.

"In der englischen Tradition gibt es die Überzeugung: Wenn ein Imker stirbt, dann geht die Witwe zum Bienenstock und informiert die Bienen darüber, dass der Imker gestorben ist, um ein schwarzes Band um den Bienenstock zu winden und zugleich auch die Bienen um ihr Wohlwollen zu bitten, dass sie weiterhin Honig spenden."

Auch dieses Bild verwendet Burnside in seinen Gedichten. Seine "Bienenmythen" erzählen von der Entstehung der Welt, von Geburt, Tod und neuem Leben.

Wiederauferstehungsmythos

Staub-zu-Staub
ist unsre Art und Weise, unseren Anteil weiterzugeben,
das für den Tag zu ernten, was die Jahreszeit hergibt,
und es dann durch die Finger rieseln zu lassen, damit es weitergeht.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk