Thüringen
NABU fordert Schutz des Dachses - Jagdverband und Umweltministerium gegen Streichung aus Jagdgesetz

In Thüringen wird der Abschuss von Dachsen diskutiert. Während Tierschützer fordern, die Art aus dem Jagdgesetz zu streichen, ist die Jägerschaft dagegen.

    Ein Dachs kommt unter einem mit Moos bewachsenen Baumstamm hervor
    Jedes Jahr werden laut Umweltministerium in Thüringen seit 2008 im Schnitt etwa 2.500 Dachse erlegt (picture alliance / Cover Images / Richard Bowler / Cover-Images.com)
    Der Naturschutzbund in Thüringen steht der Jagd auf Dachse kritisch gegenüber. "Wer einen Dachs lebend in freier Wildbahn sieht, kann sich glücklich schätzen", sagt Silvester Tamás, Mitarbeiter der Landesgeschäftsstele.
    Er kritisiert, es gebe eigentlich keinen vernünftigen Grund, Dachse zu töten. Die Tiere seien Teil eines gesunden und vielfältigen Ökosystems und müssten stärker als Bereicherung der Natur und Umwelt begriffen werden. Außerdem würden Dachse kaum sinnhaft und für den notwendigen Lebensbedarf des Menschen verwertet. Deshalb müsse der Dachs neben zahlreichen anderen Tierarten aus dem Jagdgesetz gestrichen werden, fordert der Naturschützer.

    Jagdverband: Ein erlegter Dachs auf 678 Fußballfelder

    Der Landesjagdverband verteidigt hingegen den Abschuss. Von April 2024 bis März 2025 seien in Thüringen rund 2.000 Dachse erlegt worden, so Geschäftsführer Frank Herrmann. Die Abschusszahl ergebe "einen erlegten Dachs auf 678 Fußballfeldern".
    Hinzu kämen regionale Unterschiede: "In den großen Waldgebieten des Thüringer Gebirges spielt die Jagd auf den Dachs nahezu keine Rolle, obwohl er auch dort fast überall präsent ist", sagt Herrmann. Stärker unter Beschuss stünden die Tiere in den Jagdgebieten für Niederwild. Da auch am Boden brütende Vogelarten sowie Hasen, Kaninchen oder gar Rehkitze auf dem Speiseplan des Dachses stünden, sei ein Abschuss in einem gewissen Rahmen notwendig.

    Jagdverband und Umweltministerium sehen keine Notwendigkeit

    Der Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Thüringen erklärte, eine Streichung aus dem Jagdgesetz entbehre jeglicher Notwendigkeit und sei angesichts des erforderlichen Schutzes anderer Arten sogar kontraproduktiv. Auch das Umweltministerium in Thüringen sieht keinen Grund für eine Änderung des Jagdgesetzes. Einem Sprecher zufolge ist ein solcher Schritt aktuell weder geplant noch dringend angeraten. Die moderate Bejagung könne sogar einen Beitrag zur Sicherung der Artenvielfalt leisten. 
    Der Dachs zählt zur Familie der Marder. Er gilt als scheu und dennoch als äußerst wehrhaft. Außer Wolf, Luchs und dem Menschen hat der Dachs keine natürlichen Feinde. Verwertet wird dem Landesjagdverband zufolge vor allem das Winterfell des Dachses, aus dem auch Rasierpinsel hergestellt werden.
    Diese Nachricht wurde am 25.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.