Mittwoch, 17. August 2022

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Nach dem Tsunami in Indonesien
Australien reduzierte Hilfe für Sulawesi

Tsunami und Erdbeben haben die indonesische Insel Sulawesi in ein Katastrophengebiet verwandelt. Doch die Unterstützung aus dem Ausland läuft nur schleppend an. Vor allem die Regionalmacht Australien hält sich mit Hilfe zurück. Das Verhältnis zwischen beiden Ländern könnte besser sein.

Andreas Stummer im Gespräch mit Andreas Noll | 06.10.2018

    Ein Fußgänger und ein Motorradfahrer bahnen sich in Indonesien den Weg durch eine Straße voller Schutt.
    Australien schickt Zelte, Wasserreinigungsanlagen und Notfallmediziner ins indonesische Krisengebiet, aber keine Bergungstrupps oder gar Militär wie etwa beim Tsunami im Indischen Ozean 2004 (AFP / Muhammad Rifki)
    In Krisenzeiten könne man sich eigentlich auf Australien verlassen, berichtet Reporter Andreas Stummer. Im Vergleich zur enormen Hilfe, die das Land beim Tsunami im Indischen Ozean im Jahr 2004 geleistet habe, sei das versprochene Hilfsprogramm diesmal aber nur "ein sehr kleiner Tropfen auf einen siedend heißen Stein". Australien reagiere nicht in dem Ausmaß, wie es Tsunami und Erdbeben in Sulawesi eigentlich erforderten. Das öffentliche Interesse sei auch gering: Die Regierung informiere kaum über ihr Engagement - und die Presse frage nicht nach.
    Gleichzeitig bittet Indonesien nach Stummers Einschätzung nur zögerlich um Hilfe. Das liege an den Befindlichkeiten im Land: Die Bevölkerung werte Unterstützung aus dem Ausland eher als Schwäche ihrer eigenen Führung. Es dauere daher häufig, bis die Regierung ausländisches Know-how akzeptiere.
    Belastete Beziehungen
    Das Verhältnis zwischen Australien und Indonesien sei ohnehin schon belastet gewesen: "Die Indonesier haben Australien bis heute nicht verziehen, dass Osttimor 2002 mit Hilfe einer von Australien geführten Militärintervention unabhängig geworden ist", so Stummer. Australien wiederum glaube bis heute, dass die für den Bombenanschlag auf Bali (ebenfalls 2002) verantwortlichen Terroristen mit viel zu geringen Strafen davongekommen seien. Damals wurden 88 australische Urlauber getötet. Beide Regierungen hätten sich zudem schon auf höchster Ebene gegenseitig bespitzelt.