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Nach der Krise

Die Wut der Öffentlichkeit über skrupellose Manager, Finanzberater und Börsenmakler, die im vergangenen Sommer Bahn brach, ging auch an den Business Schools nicht vorbei. Zu Herzen nahmen sich die Systemkritik als erste 400 MBA-Absolventen der Harvard Business School. Sie legten im Juni einen Eid ab und schworen, sich für das soziale und wirtschaftliche Wohl Aller einzusetzen. Das hörte sich so an.

Von Max Bohnel | 05.04.2010
    "I will safeguard the interests of my shareholders, co-workers, customers and the society in which we operate."
    Der Initiative folgten Absolventen von Dutzenden weiterer Managerschulen. Auf fast 2000 Unterschriften ist die Liste angewachsen. Und nicht nur das: Im Herbst folgte das sogenannte "Oath Project". Die Stiftung, die über einen internationalen Beirat verfügt und von der UN sowie vom Weltwirtschaftsforum in Davos unterstützt wird, will einen professionellen Berufscode für Manager einrichten. Aber der Ehrenschwur ist und bleibt umstritten. Theo Vermaelen, ein Professor für Finanzwesen an der INSEAD-Business School of the World, ist der Meinung, ein Managereid werde von der Öffentlichkeit als spätes Schuldeingeständnis interpretiert werden. Außerdem könne jeder so einen Ehrenschwur ablegen, und:
    "Es ist merkwürdig, wenn MBA-Studenten in den USA den Eid ablegen. Denn die Maximierung des Shareholder-Value ist eine rechtliche Verbindlichkeit. Man kann sich doch nicht irgendwem gegenüber verpflichten. Die Aktionäre und niemand anderes sind die Arbeitgeber. Ich würde den Unterzeichnern keinen Arbeitsplatz geben, wenn sie sich schon von vorneherein verpflichten, amerikanisches Gesetz zu verletzen."
    Damit vertritt Vermaelen die alte Schule, die Konzepte wie Allgemeinwohl, Nachhaltigkeit und Ethik im Finanzwesen für Fremdkörper hält. Die Wirtschaftskrise gehe nicht auf unethisches Verhalten zurück, sondern liege im Auf und Ab der Marktwirtschaft sowie in der Ignoranz begründet.

    "Unwissenheit lässt sich in einer Business School allein durch bessere Bildung beseitigen, und zwar durch Finanzprogramme und nicht durch Ethikunterricht, was in MBA-Programmen Trend wird. Mein Rat: Statt einen Eid abzulegen, sollten die Studenten mehr Finanzkurse besuchen."
    Die 23-jährige MBA-Studentin Deborah Leiner von der New Yorker Stern School of Business hat hin- und herüberlegt. Ihr Fazit: Mit einem Eid könne sie den Aktionären nicht dienen. Sie wird ihn nicht ablegen.

    "It´s impossible to uphold the oath and still be responsible to your shareholders."
    Die amerikanische Öffentlichkeit hat die milliardenschweren staatlichen Zahlungen an bankrotte Banken ebenso wenig vergessen, wie die Bonuszahlungen an Top-Manager. Aber an der Wall Street bespuckt und angeschrien zu werden, das muss heute kein Banker mehr befürchten. MBA steht nicht mehr für "Masters of the Business Apocalypse", wie es vor einem Jahr noch spöttisch hieß. Laut der "New York Times" von Anfang März hat sich der Marktwert von MBAs verbessert.

    Auf der Rangliste mit den höchsten Durchschnittsgehältern für MBAs weltweit befinden sich sieben der Top Ten in den USA, Stanford allen voran. Und der Arbeitsmarkt stabilisiert sich. Der gängigen Meinung zufolge werden die Banken bald wieder mehr Vollzeitstellen anbieten, als Praktikanten sie füllen könnten. Ein Ehrenschwur könnte dabei aber, falls dieser Trend anhält, ebenfalls in Vergessenheit geraten.

    Die ganze Sendung am Stück nachhören (MP3-Audio)

    Weitere Infos zum Master of Business Administration:

    www.mba-studium.net

    www.mba-ratgeber.de

    mba-master.de

    Studienführer Das MBA-Studium