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StartseiteSport Aktuell"Einfach nur so weiter wird nicht möglich sein"18.06.2018

Nach deutscher Niederlage"Einfach nur so weiter wird nicht möglich sein"

Der Journalist Raphael Honigstein sieht nach der Niederlage Deutschlands gegen Mexiko nicht nur Fehler in der deutschen Taktik. Auch sei man auf eine gänzlich andere Spielweise des Gegners eingestellt gewesen, sagte Honigstein im Dlf. Dem englischen Team traut der in Großbritannien lebende Journalist zu, guten Fußball zu spielen und die "relativ einfache" Gruppe zu gewinnen.

Raphael Honigstein im Gespräch mit Marina Schweizer

Mats Hummels ist nach einer vergebenen Torchance im ersten Vorrundenspiel gegen Mexiko enttäuscht. Auch die deutschen Fans im Hintergrund sind entsetzt. (imago sportfotodienst)
Mats Hummels übte Kritik an der Leistung seines Teams. (imago sportfotodienst)
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Der deutsche Abwehrspieler Mats Hummels hatte nach der Niederlage gegen Mexiko im ZDF kritisiert: "Unsere Absicherung steht nicht gut, wir sind oft nur Jerome und ich hinten, so haben sie uns heute gnadenlos ausgekontert." Zudem hatte Hummels betont, dass die Probleme bekannt gewesen seien: "Wir hatten gegen Saudi-Arabien eigentlich den Weckruf, ich verstehe nicht so ganz, wieso wir so gespielt haben, obwohl wir schon den Schuss vor den Bug bekommen haben." Damit hatte sich Hummels auf den knappen Sieg im Testspiel kurz vor der WM bezogen.

Wen Hummels mit seiner Kritik gemeint habe sei unklar, sagte der Journalist Raphael Honigstein im Dlf: Die Vorderleute, die Absprachen nicht richtig eingehalten haben oder körperlich nicht in der Lage waren? Oder war die Taktik selbst gemeint? Das werde sich in den nächsten Tagen klären, so Honigstein. "Einfach nur so weiter wird nicht möglich sein."

Deutsche Spieler von mexikanischer Ausrichtung überrascht

Man habe gesehen, dass die Innenverteidiger ihre Mitspieler angeschrien hätten, sie nicht alleine zu lassen. Das sei nach dem Seitenwechsel besser geworden, als die Mexikaner nicht mehr ganz so viel gelaufen seien. Was in der deutschen Berichterstattung noch nicht durchgedrungen sei, ist, dass viele deutsche Spieler nach der Begegnung erzählt hätten, dass sie von der mexikanischen Spielweise überrascht gewesen seien. Die Spieler seien darauf eingestellt gewesen, dass Mexiko auf Ballbesitz spielen, langsam aufbauen und sehr weit vorne "pressen" würde. Aber genau das Gegenteil sei der Fall gewesen. Man habe lange gewartet und das Mittelfeld zugestellt.

Nachbesserungen in Raumaufteilung, Ballverluste, "Restverteidigung" nötig

Honigstein sieht Verbesserungsbedarf in der Raumaufteilung, es seien nicht genug Anspielstationen vorhanden gewesen. Zudem seien zu viele Bälle verloren worden. Wenn die Mannschaft sie verliere, müsse sie viel besser in der sogenannten "Restverteidigung" stehen - es müssten also Verteidiger in Position sein.

Raphael Honigstein ist der Co-Autor des Buches von Per Mertesacker. (imago sportfotodienst)Raphael Honigstein ist Journalist und lebt in England. (imago sportfotodienst)

Toni Kroos könne es nicht nicht alleine lösen, auch Sami Khedira nicht, sie seien keine defensiven Mittelfeldspieler. "Entweder muss Löw einen Dritten mit reinnehmen oder die ganze Ausrichtung überdenken und eventuell Personal auswechseln", sagte Honigstein.

England mit der Chance, die Nation zu versöhnen

Was die Chancen für England betrifft, sagte Honigstein, der selbst im Vereinigten Königreich lebt, man komme von einer relativ niedrigen Erwartungshaltung. England war bei der EM gegen Island im Achtelfinale ausgeschieden, auch bei der WM 2014 war bereits nach der Gruppenphase Schluss.

Das Team sei unerfahren, aber Trainer Gareth Southgate habe es geschafft, das Gefühl zu erzeugen, dass die Engländer nur gewinnen können. Wenn die Mannschaft "zur Abwechslung mal guten Fußball" spiele, könne sie die Nation wieder versöhnen. "Ich traue es den Engländern zu", meinte Honigstein, zumal die Gruppe mit Panama, Tunesien und Belgien relativ einfach sei.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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