Thüringen
Nach Kritik: Ministerpräsident Voigt (CDU) verteidigt Nutzung von KI

Thüringens Ministerpräsident Voigt steht in der Kritik, weil mehrere seiner Reden und Gastbeiträge wohl mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurden.

    Erfurt: Mario Voigt (CDU), Ministerpräsident von Thüringen, während der Regierungsmedienkonferenz nach der Kabinettsitzung
    Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt, CDU (Archivbild). (Martin Schutt / dpa / Martin Schutt)
    Betroffen sei etwa eine Rede zum Holocaust-Gedenktag, eine Trauerrede und eine Neujahrsansprache, berichtet das Portal "Frag den Staat". Der CDU-Politiker räumte den Einsatz von KI ein und verteidigte die Technik.
    Laut einer Auswertung von "Frag den Staat" hat Voigt Texte für die Zeitung "Die Welt" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sowie seine Trauerrede für den früheren Thüringer Ministerpräsidenten und CDU-Politiker Vogel (1932-2025)
    und eine beim Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus im Jahr 2025 gehaltene Rede "größtenteils" durch KI hat erstellen lassen. Die "F.A.Z." hat inzwischen Voigts Gastbeitrag zum Thema Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche von ihrer Webseite gelöscht.

    Thüringer Digitalminister Schütz: "Würde KI-Verwendung kennzeichnen"

    Thüringens Digitalminister Schütz würde die Verwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) in Reden kennzeichnen. Er selbst nutze KI ausschließlich zu Recherchezwecken und zur Themenaufbereitung, sagte der BSW-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. "Reden oder Beiträge erstelle ich nicht mit KI. Würde ich aber kennzeichnen." Die Thüringer Linke kritisierte, Voigt verstoße beim KI-Gebrauch gegen die Dienstanweisung seines Digitalministeriums.

    "KI ist längst Teil der modernen Kommunikation"

    Voigt selbst macht kein Geheimnis daraus, dass er ein Befürworter des Einsatzes von KI ist. "Ich motiviere alle Mitarbeiter unserer Verwaltung, im Jahr 2026 alle modernen Instrumente für ihre Arbeit zu nutzen. Die KI ist längst Teil der modernen Kommunikation", sagte der CDU-Politiker dem "Tagesspiegel". Voigt äußerte sich nicht im Detail zum KI-Einsatz. Er sagte nur, natürlich würden seine Reden in der Staatskanzlei vorbereitet. "Wenn es wirklich einzelne Passagen gab, die auch mithilfe von KI erstellt worden sind, dann werde ich dafür keinem den Kopf abreißen - grundsätzlich halte ich aber sowieso fast alle meiner Reden frei."

    Voigt steht wegen seiner Doktorarbeit unter Druck

    Der 49-jährige Voigt führt in Thüringen seit gut eineinhalb Jahren eine Koalition aus CDU, BSW und SPD, die im Landtag aber keine Mehrheit hat und auf das Verhalten der Opposition angewiesen ist. Politisch steht Voigt seit Monaten wegen Plagiatsvorwürfen unter Druck. Die Technische Universität Chemnitz entzog ihm nach einer Überprüfung seiner Dissertation den Doktortitel. Voigt wehrt sich dagegen mit einem Widerspruch und hat angekündigt, gegen die Entscheidung zur Not auch vor einem Verwaltungsgericht klagen zu wollen.
    Diese Nachricht wurde am 10.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.