Gegen "Geburtstourismus"
Nach Niederlage vor dem Supreme Court: Trump schränkt erneut Recht auf US-Staatsbürgerschaft per Geburt ein

Der Supreme Court hat im Juni einen Vorstoß von Trump zur Einschränkung des Staatsbürgerschaftsrechts abgewiesen. Der US-Präsident hat nun ein neues Dekret unterzeichnet. Es soll einen angeblichen "Geburtstourismus" unterbinden.

    US-Präsident Trump unterschreibt ein Dokument im Weißen Haus. Vor ihm auf dem Schreibtisch eine Baseball-Mütze mit der Aufschrift "America is back" (Amerika ist zurück). Hinter Trump stehen mehrere Personen.
    US-Präsident Donald Trump (Archivbild) (AFP / Saul Loeb)
    Neugeborene, deren Mütter ausschließlich für die Geburt in die USA reisen, dürfen demnach künftig nicht mehr automatisch die US-Staatsbürgerschaft erhalten. Vize-Stabschef Miller erklärte, es gebe Schwangere, die etwa unter dem Vorwand eines Disneyland-Besuchs einreisten. Wie die Regierung im Einzelfall herausfinden will, zu welchem Zweck Schwangere wirklich einreisen, gilt als unklar.
    Bereits in Trumps erster Amtszeit war ein Gesetz eingeführt worden, das die ​Nutzung von Touristen- und Geschäftsvisa verbietet, wenn das Ziel ist, die US-Staatsbürgerschaft für ein Neugeborenes zu erlangen. Fachleute schätzen, dass pro Jahr etwa 20.000 Frauen ‌gezielt zur Entbindung in die USA reisen. Insgesamt gab es in dem Land im Jahr 2025 rund 3,6 Millionen Geburten.

    Dekret: Staatsbürgerschaft kann aberkannt werden

    Einem weiteren Dekret zufolge kann die Staatsbürgerschaft nachträglich aberkannt werden, wenn diese unter vorgetäuschten Angaben erlangt wurde. Zudem kann sie verweigert werden, wenn ein Elternteil kein US-Bürger und Mitglied einer als terroristisch eingestuften Organisation ist.

    Supreme Court erklärte Erlass für verfassungswidrig

    Ein erster Versuch Trumps, das Staatsbürgerschaftsrecht einzuschränken, war gescheitert. Das Oberste Gericht der USA hatte im Juni einen entsprechenden Erlass vom vergangenen Jahr für verfassungswidrig erklärt. Mit ihm wollte der Präsident verhindern, dass in den USA geborene Kinder von Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis automatisch eingebürgert werden.

    14. Zusatzartikel der US-Verfassung

    Basis für das US-Geburtsrecht ist der 14. Zusatzartikel der US-Verfassung. Darin heißt es: "Alle Personen, die in den Vereinigten Staaten geboren oder eingebürgert sind und deren Gerichtsbarkeit unterstehen, sind Bürger der Vereinigten Staaten."
    Dieses sogenannte Jus Soli (Recht des Bodens) garantiert seit 1868 fast jedem auf US-Territorium geborenen Kind automatisch die Staatsbürgerschaft. Die Richterinnen und Richter bestätigten diese Praxis mit ihrem Urteil. 

    Staatsbürgerschaft durch Geburt vor allem in Amerika

    Das nahezu uneingeschränkte Recht auf die Staatsbürgerschaft durch Geburt gibt es nach Angaben des Beratungsunternehmens "imigrant invest" auch in Kanada, Mexiko und vielen weiteren Ländern in Mittel- und Südamerika. In Europa, Asien und Afrika ist es deutlich seltener. In Deutschland muss laut Bundesinnenministerium mindestens ein Elternteil seit mehreren Jahren rechtmäßig seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben und zum Zeitpunkt der Geburt ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzen
    Diese Nachricht wurde am 07.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.