
Die erratischen Entscheidungen und Ankündigungen des US-Präsidenten bewegen die Aktien- und Rohstoffmärkte weltweit – nach oben oder nach unten. Und immer wieder gibt es Spekulanten, die daran in großem Stil verdienen.
Auch mit kurzfristig platzierten Wetten auf sogenannten Prognose-Plattformen wurden im Zusammenhang mit überraschenden Entscheidungen der Trump-Administration zuletzt Millionen-Gewinne gemacht. Fachleute halten vor allem das extrem präzise Timing dieser Finanzgeschäfte für verdächtig.
Millionen-Wetten und der Ölpreis-Sturz
Als Trump am Morgen des 23. März 2026 auf seiner Plattform Truth Social bekannt gab, die angekündigten Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur vorerst zu verschieben, nährte das Hoffnungen auf ein diplomatisches Ende des Kriegs. Der Ölpreis stürzte daraufhin an den Weltbörsen um 15 Prozent ab.
Kurz zuvor hatten mehrere Händler sogenannte Future-Kontrakte auf sinkende Ölpreise gekauft – nach Berechnungen der „Financial Times“ hatten sie einen Wert von insgesamt 580 Millionen US-Dollar. Den Käufern dürften die Papiere ein Vielfaches an Gewinnen eingebracht haben. Wie viel genau, ist nicht bekannt. Das hängt unter anderem vom Zeitpunkt des Wiederverkaufs ab.
Es war nicht das erste Mal, dass eine überraschende Ankündigung Trumps massive Kursbewegungen an den Börsen ausgelöst und Spekulanten satte Gewinne beschert hat. Fast ein Jahr zuvor, am 9. April 2025, schossen die Börsenkurse in die Höhe, nachdem der US-Präsident verkündet hatte, dass geplante Zölle gegen zahlreiche Länder zunächst ausgesetzt würden. Die Bekanntgabe der Zölle hatten zuvor die Aktienkurse auf Talfahrt geschickt.
Wenige Minuten vor der Ankündigung der vorrübergehenden Zollpause hatten Spekulanten mit Optionen Millionen US-Dollar auf eine Erholung der Aktienmärkte gesetzt. Laut Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters hatte eine Investition von 2,14 Millionen Dollar nach dem Kurssprung einen Wert von rund 21,4 Millionen Dollar. Schon damals kam der Verdacht auf, dass die Profiteure vorab informiert waren.
Auffällige Finanztransaktionen gab es auch vor dem Angriff auf den Iran am 28. Februar. Tags zuvor hatten Händler in großem Stil langfristige US-Staatsanleihen gekauft. Ungewöhnlich, denn am selben Tag waren Inflationsdaten veröffentlicht worden, die eher Anlass geboten hätten, Anleihen abzustoßen. Die Käufer erwarteten aber offenbar ein bevorstehendes negatives Ereignis.
Auch mit Wetten im Zusammenhang mit dem Irankrieg und der Entführung des venezolanischen Präsident Nicolás Maduro im Januar 2026 verdienten Menschen Millionen. Solche Wetten sind auf sogenannten Prognose-Plattformen wie Polymarket und Kalshi möglich. Hier können Nutzer auf alles Mögliche wetten – von der Frage, ob es nächste Woche in Hamburg regnen wird, bis hin dazu, ob die US-Notenbank die Zinsen anheben oder senken wird.
Eine Auswertung der Polymarket-Webseite durch die „New York Times“ ergab, dass am 27. Februar mehr als 150 Accounts hohe Wetten auf einen Angriff auf den Iran am folgenden Tag platzierten. Sechs Konten erzielten dabei einen Gesamtgewinn von 1,2 Millionen Dollar, wie eine Analyse durch Bubblemaps, einem Analyse-Tool für Kryptowährungen ergab. Außerdem wetteten zahlreiche Polymarket-Nutzer teilweise nur wenige Minuten vor Bekanntgabe der Waffenruhe im Irankrieg am 8. April mit größeren Geldbeträgen auf eine solche Feuerpause.
Anfang Januar setzte ein anonymer Nutzer auf Polymarket 34.000 Dollar darauf, dass Venezuelas Machthaber Maduro noch bis Ende des Monats abgesetzt würde. Als US-Soldaten Maduro kurz drauf in Caracas gefangen nahmen und in die USA brachten, erzielte der Nutzer einen Gewinn von rund 410.000 US-Dollar.
Wer profitiert? Verdacht gegen Charles Schwab und Taylor Greene
Wer die Personen sind, die mit den Wetten sowie Aktien- und Rohstoffgeschäften Kasse gemacht haben, ist bislang nicht bekannt. Grund dafür ist, dass Kapitalmärkte weitgehend anonym sind. Spekuliert wird, dass der US-Milliardär Charles Schwab und die US-Kongressabgeordnete und Trump-Unterstützerin Taylor Greene zumindest von der Zollkehrtwende profitiert haben könnten.
Weil Greene kurz vorher Aktien für zehntausende Dollar gekauft hatte, warfen ihr demokratische Politiker Insiderhandel vor. Die Spekulationen zu Schwab nährte ein Video-Post vom 9. April 2025 von Trump-Assistentin Margo Martin auf der Plattform X. Zu sehen ist darin Trump, wie er im Oval Office auf den anwesenden Schwab zeigt und sagt: Dieser Mann „hat heute 2,5 Milliarden gemacht“.
Auch Accounts auf Polymarket können anonym betrieben werden. "Es ist nahezu unmögliche, die Besitzer der Accounts zu identifizieren", schrieb Bubblemaps-CEO Nicolas Vaiman in einer E-Mail an die „New York Times“. Bubblemaps fand jedoch heraus, dass die sechs Accounts, die mit der „Vorhersage“ der Angriffe auf den Iran insgesamt 1,2 Millionen US-Dollar erzielten, relativ neu waren und lediglich diese eine Wette tätigten.
Ebenfalls komplett neu waren die rund 50 Accounts, die die Wette auf die Waffenruhe im Iran-Krieg platzierten, wie eine Recherche des britischen „Guardian“ ergab. Auch in diesen Fällen wurde nur diese eine Wette getätigt.
Warum das Timing der Finanztransaktionen verdächtig ist
Andrew Verstein, Experte für Insiderhandel an der juristischen Fakultät der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA), bezeichnet die Geschäfte als "zutiefst verdächtig". Die festgestellten Muster entsprächen dem, was man "erwarten würde, wenn es Handel auf Basis von Insiderinformationen durch Regierungsbeamte und ihre Freunde gäbe", so Verstein.
Stutzig macht Experten vor allem das präzise Timing der Wetten. Diese wurden oft in letzter Minute platziert. Zudem deutet die Größe der Einsätze auf eine extreme Gewissheit der Handelnden hin. Im Falle der Polymarket-Accounts ist zudem auffällig, dass sie in der Mehrzahl erst kurz vor einer Wette eingerichtet wurden um diese eine Wette auf ein singuläres Ereignis zu tätigen.
Rechtslage: Wann Insiderhandel illegal ist
Ob die auffälligen Wetten im Zusammenhang mit Ankündigungen Trumps illegal sind, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Auch deshalb, weil die Rechtslage bei Rohstoffen und auf den neuartigen Prognosemärkten komplizierter und weniger erprobt ist als beim Aktienhandel. Für diesen ist grundsätzlich jegliche Nutzung von Insiderinformationen verboten. In den USA gilt das Verbot des sogenannten Insiderhandels seit dem Securities Exchange Act von 1934. In Deutschland ist es in Paragraph 38 des Wertpapierhandelsgesetzes festgeschrieben.
Experten warnen zudem vor vorschnellen Vorverurteilungen. „Man muss aufpassen, dass man nicht ganz übliche Handelsbewegungen deshalb als auffällig ansieht, weil sie in einem unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit diesen Ereignissen stehen“, sagt etwa Lars Klöhn, der sich als Professor für Bürgerliches Recht und Wirtschaftsrecht an der Humboldt Universität Berlin intensiv mit dem Finanzmarkt und den dort geltenden Regeln beschäftigt.
Florian Heider, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz Instituts für Finanzmarktforschung in Frankfurt am Main SAFE, bewertet die Sachlage ähnlich. Zwar sei die Beobachtung, dass es kurz vor wichtigen politischen Entscheidungen zu teilwiese starken Transaktionen gekommen sei, “eine rote Flagge, dass man da näher hinschauen könnte”, meint Heider. „Aber es kann ja auch sein, dass einfach nur jemand Glück gehabt hat.“
Denkbar wäre auch, dass einige Händler die politische Lage besser analysiert haben, als der Rest des Marktes. Viele große Finanzfirmen beschäftigen für solche Vorhersagen mittlerweile ehemalige Militärs und Sicherheitsberater. Zudem könnte es sich bei den großen Summen auf dem Ölmarkt um sogenannte Absicherungen (Hedging) gehandelt haben. Dabei wetten große Investoren auf ein bestimmtes Ereignis, um Verluste in anderen Teilen ihres Portfolios auszugleichen, falls dieses Ereignis eintritt.
Um Insiderhandel nachzuweisen, müssten mehrere Punkte bewiesen werde: Zum einen, dass die handelnde Person Zugang zu nicht öffentlichen Informationen hatte. Dass diese Informationen potenziell die Preise verändern könnten. Und, dass die Person aufgrund dieser Informationen auch gehandelt hat. Das nachzuweisen, sei in der Praxis “sehr, sehr, sehr schwer”, so Heider.
"Insiderhandel ist notorisch schwer nachweisbar", bestätigt Rechtswissenschaftler Klöhn. „Der Grund dafür ist, dass die Kapitalmärkte anonym sind und es häufig schwer ist, Handelsbewegungen zu verfolgen.“
Ermittlungen der SEC: Was die US-Behörden unternehmen
Die zuständigen Behörden, Börsenaufsicht SEC, das Justizministerium (DOJ) und die für den Rohstoffhandel zuständige Behörde CFTC, gaben keine Auskünfte zu möglichen Ermittlungen in den Fällen. Aitan Goelman, ein ehemaliger Chefermittler bei der Aufsichtsbehörde CFTC, erklärte, dass die Börsen und Behörden solche Geschäfte normalerweise als "'anomal und interessant' einstufen" und prüfen würden.
Um die Fälle aufzuklären, wären jedoch intensive Anstrengungen notwendig. "Wenn es sich um einen einzelnen Akteur oder eine Gruppe kooperierender Akteure handelte, würde es ein hohes Maß an Koordination zwischen verschiedenen, entschlossen handelnden Regulierungsbehörden erfordern, um der Sache auf den Grund zu gehen“, so Steve Sosnick, Chefstratege von Interactive Brokers.
Online-Text: Wulf Wilde


















