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StartseiteCorsoEin Herz für die Unangepassten14.04.2018

Nachruf auf Miloš FormanEin Herz für die Unangepassten

Er drehte "Amadeus" und "Einer flog über das Kuckucksnest" - Miloš Forman ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Ob als junger Regisseur in der Tschechoslowakei oder später in den USA: Viele seiner Arbeiten handeln von Konflikten zwischen einem Individuum und den Institutionen.

Von Jörg Albrecht

Milos Forman sitzt in einem Sessel und blickt in die Kamera. (AFP/MARTIN BUREAU)
"Solange ich weiß, dass ich das Beste aus allem gemacht habe, bedaure ich nichts" (AFP/MARTIN BUREAU)
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Nachruf Der Filmregisseur Miloš Forman ist tot

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"Er ist einer von vielleicht zwei oder drei Regisseuren, mit denen ich gearbeitet habe, der eine klare Vorstellung von dem Film hatte, den er machen wollte. Er wusste genau, was er wollte."

Der Schauspieler und Produzent Michael Douglas über Miloš Forman. Douglas war es, der den Tschechen 1975 als Regisseur für seinen Film "Einer flog über das Kuckucksnest" engagiert hat. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Forman schon einige Jahre in den USA auf und wartete auf neue Regieangebote. Seine erste englischsprachige Produktion, die Komödie "Ich bin durchgebrannt", kam zwar bei den Kritikern an, beim Publikum aber fiel sie durch. Dann kam Douglas' Angebot, den Roman "Einer flog über das Kuckucksnest" zu verfilmen. Für Miloš Forman sollte es nicht nur irgendeine Auftragsarbeit sein. Die Tragikomödie über die Insassen einer psychiatrischen Anstalt hat er als Parabel auf sein Heimatland gesehen.

"Das ist ein tschechischer Film. Das ist ein Film über die Gesellschaft, in der ich 20 Jahre meines Lebens verbracht habe. Er handelt von allem, was ich kenne. Ich weiß, wie sich diese Menschen fühlen."

Freiheit zum Widerspruch

"Heute beginnen die Baseball-Endspiele und deswegen würde ich gerne vorschlagen, dass wir heute den Tagesplan ein wenig ändern, damit wir uns gegen Abend das Spiel ansehen können." / "Was Sie da verlangen, ist, dass wir einen sehr sorgfältig ausgearbeiteten Tagesplan ändern. ..."

Der Film konnte 1976 die fünf wichtigsten Oscars gewinnen, darunter den für die beste Regie. Trotz seines Neuanfangs in einem anderen Land war es Forman gelungen, sich und seinen Filmstoffen treu zu bleiben. Ob als junger Regisseur in der Tschechoslowakei oder später in den USA: Fast alle seine Arbeiten handeln von Konflikten zwischen einem Individuum und den Institutionen. Diese Konflikte seien zeitlos, so Forman. So war er bereits als junger Filmemacher mit seiner gesellschaftskritischen Satire "Der Feuerwehrball" bei den kommunistischen Machthabern seiner Heimat angeeckt. Der Film wurde verboten. Und als sich Forman während des Prager Frühlings 1968 in Paris aufhielt, behauptete sein tschechisches Filmstudio, dass er das Land illegal verlassen hätte. Forman konnte nicht in seine Heimat zurückkehren und wurde so zur Emigration gezwungen.

"Ich selbst habe unter zwei totalitären Regimen gelebt - den Nazis und den Kommunisten. Ich weiß also genau, welche verheerenden Auswirkungen es für die Menschen hat, wenn sie die Freiheit verlieren darüber zu reden, was sie denken."

Die Meinungs- und Pressefreiheit hat Miloš Forman als Eckpfeiler der Demokratie betrachtet. Das hätten ihn die eigenen Lebenserfahrungen gelehrt. Seine Eltern wurden von den Nationalsozialisten umgebracht, er selbst wuchs im Kommunismus auf. Nach einem Studium an der Prager Filmhochschule hat er Anfang der 1960er-Jahre seine ersten Spielfilme realisiert - wie die Geschichte eines desillusionierten Jugendlichen in "Der schwarze Peter". Seine Protagonisten sind, wie Forman selbst, unangepasst. Vielschichtige Charaktere mit Widersprüchen seien doch viel interessanter als langweilige Prediger.

Aus allem das Beste machen

In dieses Raster passen auch die berühmten Persönlichkeiten, denen sich Forman im Laufe der Jahre genähert hat. Nicht den Normen entsprachen der Komiker Andy Kaufman, der Pornoverleger Larry Flynt und nicht zuletzt auch der Protagonist seines wohl bekanntesten Films "Amadeus". Eine Geschichte über einen Komponisten zu erzählen, konnte sich Forman anfangs allerdings überhaupt nicht vorstellen.

"Während des Kommunismus in der Tschechoslowakei sind wir geradezu überflutet worden mit russischen, tschechischen und polnischen Filmen über Komponisten. Denn Komponisten sprechen nicht. Sie sagen nichts Subversives. Musik hat keine Ideologie. Es waren die langweiligsten Filme, die ich jemals gesehen habe."

"Mozart!"

Das Theaterstück von Peter Shaffer, das als Vorlage für "Amadeus" diente, sollte Forman dann doch überzeugen, genau den richtigen Stoff in den Händen zu halten.

"Wisst Ihr eigentlich, dass es von mir sechs Variationen über ein Thema von Euch gibt?" / "So? Wie schmeichelhaft." / "Eine komische kleine Melodie. Hat aber Gutes bewirkt."

"Amadeus" gewinnt 1985 acht Oscars und bringt Forman seine zweite Regie-Auszeichnung ein. Nur noch fünf Filme hat er danach gedreht. Vielleicht, weil er in Hollywood einer aussterbenden Spezies angehörte. Als Filmemacher wollte er auf hohem Niveau unterhalten.

"Solange ich weiß, dass ich das Beste aus allem gemacht habe, was immer letztlich auch das Ergebnis ist. Aber solange ich - wie gesagt - weiß, dass ich das Beste getan habe, bedaure ich nichts."

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