Mittwoch, 08. Februar 2023

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Nachtschatten-Verlag
Symposium zum richtigen Umgang mit Drogen

Vor 30 Jahren gründete der Schweizer Roger Liggenstorfer den Nachtschatten-Verlag. Seine Ansicht: Schon immer habe der Mensch Drogen gesucht und konsumiert. Aber der richtige Umgang damit erfordere Forschung und Wissen. Auf einem Symposium wurde jetzt darüber diskutiert.

Von Florian Fricke | 08.09.2014

    Das war das Lied des Symposiums. Kein Psychedelic Rock, kein Goa-Trance, nein, das Kinderlied "Ein Männlein steht im Walde", in dem es vordergründig um den Fliegenpilz geht. Der Psychotherapeut Wolfgang Bauer hat das Publikum am Ende seines Vortrags zum Gesang angestiftet. Er ist Fliegenpilz-Experte aus Leidenschaft und veröffentlicht demnächst im Nachtschatten-Verlag ein Buch über das vielleicht älteste bewusstseinserweiternde Mittel der Menschheit.
    "Das ist eher jetzt so ein Ausflug in die Ethnobotanik der Sibirier oder der Nordamerikaner – dort ist der Fliegenpilz noch in Gebrauch für kultische Zwecke. Und es ist ein Ausflug in die Welt der Märchen, wo es von Fliegenpilz nur so wimmelt: Rotkäppchen oder bei Schneewittchen steht ein Zwerg neben dem Fliegenpilz. Oder bei Brüderchen und Schwesterchen trinkt das Brüderlein nicht aus einer Quelle, sondern der Fliegenpilz wird verflüssigt und dann getrunken. Und dann fühlt es sich vielleicht wie ein Tier, weil in fast allen psychoaktiven Substanzen, wenn sie aus der Natur kommen, gibt es auch Tierverwandlungen."
    Das schamanische Wissen zurückholen
    Wenn der Nachtschatten-Verlag zum 30-jährigen Jubiläum bittet, dann darf die Folklore nicht fehlen. Der vorindustrielle und voraufgeklärte Mensch stand in einer engen Verbindung mit der Natur. Mithilfe von psychoaktiven Pflanzen und Pilzen konnte er sich in andere Sphären seines Bewusstseins begeben. Noch heute sind solche Riten ein wichtiger Teil des Stammesbewusstseins vieler indigener Völker. Der Nachtschatten-Verlag will dieses schamanische Wissen zurückholen in unsere überaufgeklärte und durchrationalisierte Welt. Markus Berger ist einer der Autoren und seit vielen Jahren überzeugter Psychonaut.
    "Also der Astronaut ist der, der zu den Sternen reist. Und der Psychonaut reist zu den inneren Welten, um dort sich selbst zu finden. Und das ist, wo es im Leben drauf ankommt: die innere Selbstschau. Und daraus die Verbesserung der eigenen Lebenssituation, aber auch eine Verbesserung des gesamten Weltbildes. Es wäre schön, wenn also ein Welt funktionieren könnte, wo die Menschen sich nicht gegenseitig ausbooten und fertigmachen um des schnöden Mammons Willen, sondern wenn wir eine Gemeinschaft bilden."
    Der mündige Drogenkonsument, der Drogen nicht wild drauf los konsumiert, sondern sich mit ihnen auf eine höhere Stufe bringen will. Fast alle Autoren des Nachtschatten-Verlags hielten dazu Vorträge, auch lebende Legenden wie die LSD-Forscher der ersten Stunde Stanislav Grof oder Ralf Metzner, damals Wegbegleiter von LSD-Papst Timothy Leary. Es gab Einblicke in psychiatrische Therapieformen wie das holotrope Atmen, das von Grof entwickelt worden ist und ohne Drogen auskommt. Letztendlich geht es aber um dasselbe Prinzip, wie Nachtschatten-Autor Markus Berger bestätigt.
    "Was man eigentlich non-pharmakologische Techniken nennt wie Yoga und Meditation und so weiter, ist ja in Wahrheit gar nicht non-pharmakologisch, sondern es aktiviert ja im Inneren unsere endogenen Substanzen, die wir in uns tragen. Wenn ich meditiere, induziere ich letztendlich auch einen Drogenrausch, wenn ich so will. Und für mich als Psychonaut ist wichtig, dass auch diese negative Konnotation des Wortes Droge endlich mal verschwindet, weil die Leute hören das Wort Droge und denken, ah, das ist was Verbotenes, davon werde ich krank, davon werde ich abhängig. Es ist ja nicht wahr. Jeder Mensch nimmt ja Drogen, ob dass der Kaffee ist morgens, Zigarette oder ob es Bier ist, ganz egal. Wir nehmen ja alle Substanzen."