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Nachwuchsförderung der Max-Planck-Institute
"Eine ganz wichtige strategische Entscheidung"

Das Nebeneinander von Stipendien und Verträgen für Doktoranden der Max-Planck-Institute wird abgeschafft. In Zukunft soll es einheitliche Förderverträge geben, sodass alle 3.400 Doktoranden sozialversicherungspflichtige Verträge bekommen, die an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst angelehnt sind. Viele begrüßen diese Neuerung.

Von Ludger Fittkau | 05.05.2015

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projektes Neurobiologie des Übergewichtes am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Dr. Annette Horstmann, vergleicht Ergebnisse von im MRT erstellten Hirnstrukturen und Funktionen, die zum Beispiel auf Essensreize dargestellt werden, aufgenommen am 02.11.2011.
Das Stipendiensystem der Max-Planck-Institute wird umgestellt. (picture alliance / ZB / Waltraud Grubitzsch)
Manuel Berning ist die Erleichterung gut anzumerken. Der Doktorand am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main hält die neuen sogenannten Förderverträge der Max-Planck-Gesellschaft nämlich klar für besser als das alte Stipendiensystem:
"Der Vorteil am Vertrag ist natürlich, dass man die Sozialabgaben hat. Inzwischen sind es nicht nur drei, sondern eher vier oder viereinhalb Jahre. Und in dieser Zeit ist man dann rentenversichert und vor allem auch arbeitslosenversichert. Das ist einfach sehr viel wert."
Jahrelang über Stipendien beschäftig zu sein – ohne Sozialversicherung, das soll es für die Nachwuchswissenschaftler in den Instituten und Laboren der Max-Planck-Gesellschaft nicht mehr geben. Künftig wird es für die 3.400 Doktoranden einen drei Jahr lang laufenden sogenannten Fördervertrag geben, der an den Tarifvertrag im öffentlichen Dienst angelehnt ist. Auch für Wissenschaftler nach der Promotion, für die sogenannten Postdocs, werden ab dem 1. Juli grundsätzlich einen solchen Vertrag bekommen. Moritz Helmstaedter, Direktor des Frankfurter Max-Planck-Instituts für Hirnforschung begrüßt das sehr:
"Tatsächlich ist dieses Programm mit erheblichen Mitteln unterlegt. Der Max-Planck-Präsident hat – man kann die Zahl nennen – ungefähr 50 Millionen Euro für jedes Jahr vorgesehen. Das ist also nicht nur eine Umbenennung. Das ist eine ganz wichtige strategische Entscheidung. Da werden erhebliche Mittel für genutzt, die wir sonst anders hätten nutzen können. Aber ich bin da voll überzeugt von, dass das genau die richtige Entscheidung ist, weil wir investieren nicht nur in Ausbildung und Forschung, sondern in die Zukunft unseres Landes."
Die nun grundsätzlich geltenden sozialversicherten Verträge haben in der Regel den Umfang einer halben Stelle, so Helmstaedter:
"Es ist also weiterhin nicht der volle Charakter eines Arbeitsvertrages. Es ist ein Fördervertrag, der die wissenschaftliche Tätigkeit in der ersten Phase mit dem notwendigen Lebensunterhalt versehen soll, damit es wirklich Spaß machen kann."
Manuel Berning macht seine Arbeit unter diesen Bedingungen Spaß. Erdenkt nicht mehr darüber nach, in die USA zu gehen, weil dort meist bessere Vertragsbedingungen herrschen:
"Da muss man natürlich sagen, dass es grundsätzlich der Fall ist, dass PhDs oder Postdocs in Amerika bessere Gehälter kriegen im Verhältnis. Aber da muss man auch dazu sagen, dass sie natürlich nicht auf dieses riesige darunterliegende Angebot zurückgreifen können, das wir hier haben. Wo wir freie Bildung haben und mehr auf die Sozialsysteme achten."
Etwas andere Bedingungen für Gäste

Insbesondere für Geisteswissenschaftler aus dem Ausland, die nur einige Monate an einem deutschen Max-Planck-Institut arbeiten wollen, werden aber auch künftig Stipendien angeboten. Das sei auch gut so, sagt Thomas Duve. Er ist geschäftsführender Direktor des MPI für Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main:

"Wir haben in der Regel Gäste für kürzere Zeit. Der Schnitt unserer Stipendiaten bleibt drei bis vier Monate nur. Wir selbst haben aber schon lange Zeit die Dinge so praktiziert, wo es gute Gründe gab, erstens das ausschließlich an der eigenen Arbeit gearbeitet wurde und wo kein Interesse an sozialversicherungspflichtigen Verträgen bestand. Und es eben ganz kurzfristige Sachen waren."

Sein Kollege Moritz Helmstädter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung glaubt, dass das neue Vertragssystem der Max-Planck-Gesellschaft nur der Beginn einer besseren Karriere-Planung für Nachwuchswissenschaftler sein kann:

"Wir haben jetzt eine wichtige Entscheidung getroffen bei der Max-Plack-Gesellschaft, die Vertragsbedingungen besser auszugestalten. Aber da gehört noch viel mehr zu . Da gehört auch zu ein transparenter und guter Karriereweg für junge Wissenschaftler. Eine Vorstellung davon, wie es weiter geht, wie die nächsten Schritte sind. Auch eine Möglichkeit, das planbar zu machen."

Nicht alles sei planbar in der Wissenschaft. Aber mit den jetzigen Förderverträgen bei der Max Planck-Gesellschaft sei zumindest die soziale Absicherung bei Zeitverträgen für Nachwuchswissenschaftler klar verbessert worden. Das betonen die Frankfurter Forscher einhellig.