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Nadelöhr Suezkanal

Die Schallmauer von 100 Dollar für US-Leichtöl ist bereits durchbrochen – wegen der Krise in Ägypten. Vor allem der von Ägypten kontrollierte Suez-Kanal ist ein wichtiger Knotenpunkt für einen schnellen Öl-Transport von Ost nach West.

Von Michael Braun | 04.07.2013

Gut bewacht: Die Erdölraffinerie in Suez
Gut bewacht: Die Erdölraffinerie in Suez (picture alliance / dpa / Horst Ossinger)
Die Rohstoffmärkte zeigen heute leichte Entspannung an. Gestern war der Preis für ein Fass Öl der Sorte West Texas Intermediate auf ein 14 Monats-Hoch geklettert. Heute fiel der Preis um 16 Cent auf 101,08 Dollar. Ähnlich die Tendenz beim Nordseeöl Brent. Es ist nicht die Rolle Ägyptens als Ölproduzent, die die Märkte interessiert:

"Ägypten ist mit 700.000 Barrel pro Tag ein mittelgroßer Ölproduzent, produziert aber für den Eigenbedarf, ist somit kein Ölexporteur. Das heißt, für das Ölangebot am Weltmarkt ist dieses Land eigentlich nicht von Bedeutung."

So Carsten Fritsch, der Rohstoffspezialist der Commerzbank. Bedeutend ist Ägypten wegen seiner für Ölgeschäft und Welthandel zentralen Lage. Uwe Angenendt, Chefvolkswirt der BHF Bank:

"Wichtig scheinen mir da die Transportwege zu sein bei Öl. Der Suezkanal ist einer der sieben wichtigsten Transportwege des Öls."

Über den Suezkanal werden etwa acht Prozent des Schifffahrtwelthandels abgewickelt. Nachdem die Fahrrinne auf 20 Meter ausgebaggert wurde, können Schiffe bis 240.000 Bruttoregistertonnen den Kanal passieren. Das sind 62 Prozent der vorhandenen Öltanker. Doch es nicht nur der Kanal, der für den Ölhandel wichtig ist, weiß Carsten Fritsch:

"Auf Grund des Suezkanals und einer parallel dazu laufenden Pipeline werden täglich gut zwei Millionen Barrel Rohöl vom Roten Meer zum Mittelmeer transportiert."

Worauf die Rohstoffmärkte auch noch achten, sind Ägyptens Nachbarn. In Libyen wurde kürzlich an einigen Quellen die Produktion unterbrochen. Dass die Lage nicht dramatisch wird, liegt am guten sonstigen Ölangebot, aus der Opec und auch aus den Schieferölvorkommen der Vereinigten Staaten.

Für die deutsche Wirtschaft insgesamt ist Ägypten nicht von zentraler Bedeutung. Der Außenhandelsumsatz mit Ägypten lag voriges Jahr bei rund vier Milliarden Euro. Das Land lag damit auf Rang 53 der deutschen Außenhandelspartner. Im Einzelfall kann die Bedeutung des Standorts aber größer sein, etwa für den Autozulieferer Leoni, der in seinem Werk in Kairo Kabelbäume fertigt. Nach dem Umbruch vor zwei Jahren in Ägypten, war die Produktion zeitweise ausgefallen, hatte sich aber wieder normalisiert – genau wie der Ägyptentourismus. Voriges Jahr waren wieder 11,5 Millionen Touristen ins Land gekommen, deutlich mehr als im ersten Revolutionsjahr 2011 mit 9,8 Millionen. Dieses Wachstum dürfte sich nicht fortsetzen. Das Auswärtige Amt rät aber, Stand heute, nicht von Reisen nach Ägypten ab:

"Reisen nach Ägypten sollten in der aktuellen Situation auf die Urlaubsgebiete am Roten Meer und die Touristenzentren in Oberägypten ( Luxor, Assuan, Nilkreuzfahrten) beschränkt werden."

So das Ministerium in den heute aktualisierten Sicherheitshinweisen. Ägypten will den Tourismus weiter ausbauen. Derzeit befinden sich 220.000 Zimmer in Bau oder Planung. Auch der Rohstoffsektor soll wachsen: Rechte, Gold, Tantalit, Phosphat und Kohle abzubauen, sollen auch ins Ausland vergeben werden – wenn die politische Lage wieder stabil ist.