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StartseiteForschung aktuellNanotech für die Darmkrebsvorsorge14.09.2011

Nanotech für die Darmkrebsvorsorge

Experten aus Stanford entwickeln neue Diagnosemethode

Bei einer Darmspiegelung zur Vorsorge gegen Darmkrebs lassen sich Tumoren in sehr frühen Stadien kaum erkennen. Forscher der kalifornischen Stanford-Universität arbeiten deshalb daran, mithilfe von Nanoteilchen, die an Tumoren andocken, Krebszellen früher ausfindig zu machen.

Von Frank Grotelüschen

Die US-Forscher wollen Geschwüre schon in einem frühen Stadium aufspüren. (Universität Münster)
Die US-Forscher wollen Geschwüre schon in einem frühen Stadium aufspüren. (Universität Münster)

"Ein Kern aus Gold, nur ein paar Nanometern groß. Drum herum eine dünne Farbstoffhülle. Darüber eine Schutzschicht aus Glas. Und zum Schluss ein Antikörper, der nur an Krebszellen andockt, nicht aber an gesunde Zellen."

Es sind winzige Wunderwerke, die Robert Sinclair in seinem Labor kreiert. Dank der Antikörper können die Nanoteilchen bestimmte Stellen an der Oberfläche von Krebszellen erkennen und sich dort anheften. Anschließend sorgt der Farbstoff dafür, dass man die Nanopartikel zum Leuchten bringen kann, sagt der Materialwissenschaftler der kalifornischen Stanford-Universität.

"Wenn wir die Nanoteilchen mit Laserlicht beleuchten, antworten sie mit einem sehr starken Signal. Dadurch können wir bereits extrem kleine Tumoren erkennen - viel früher, als man sie mit den heutigen Methoden sehen kann."

Nanoteilchen, die an Tumoren andocken und sie bereits verraten, wenn die Geschwüre noch in einem extrem frühen Stadium stecken. An dieser Vision arbeiten viele Forscherteam in aller Welt. Die meisten wollen die winzigen Spione direkt in die Blutbahn spritzen, von wo sie sich ihren Weg zu potenziellen Tumoren bahnen sollen. Nur: Funktioniert das auch wie geplant? Robert Sinclair ist skeptisch.

"In einer aktuellen Studie haben wir Nanoteilchen in die Blutbahn von Mäusen injiziert, um zu sehen, wie sie sich dort verhalten. Die meisten der Teilchen landeten in der Leber und reicherten sich dort an. Das Problem: Keiner weiß bislang, was diese Nanoteilchen dort tun und wie giftig sie sind. Injiziert man die Teilchen dagegen in den Darm, bleiben sie dort und kommen nicht in den Blutkreislauf. Im Darm ist es sicher, mit Nanoteilchen nach Geschwüren zu suchen."

Darmkrebs zählt zu den häufigsten Tumorarten, deshalb raten Mediziner ab einem gewissen Alter zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Denn je früher man ein Geschwür entdeckt, umso größer sind die Heilungschancen. Mit seiner Methode, hofft Robert Sinclair, könnte die Früherkennungsrate deutlich steigen.

"Wir haben das Verfahren schon an Mäusen getestet und gezeigt, dass die Nanoteilchen tatsächlich an Tumorzellen andocken. Und in spätestens vier Jahren wollen wir das Verfahren in klinischen Tests am Menschen erproben."

Heute schaut sich der Arzt die Darmwände mit einem Endoskop an, also letztlich mit einer Art Lupe. Auf ein Endoskop setzen auch die Kalifornier - allerdings auf eine neuartige Hightech-Variante.

"Unsere Projektpartner aus der Medizin entwickeln ein Endoskop, das die Nanoteilchen in den Darm sprüht, sie anschließend mit Laserlicht beleuchtet und dann ihre Leuchtsignale auffängt. Sollte sich das Leuchten dann an einer Stelle im Kamerabild häufen, ist das ein Indiz für einen Tumor in einem sehr frühen Stadium."

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