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Naturverträgliche Schnitzeljagd

Geocaching heißt eine beliebte GPS-Schnitzeljagd, bei der jeder mit einem modernen Handy mitmachen kann. Jetzt haben sich Landesvertreter und Geocacher zusammen gesetzt, um gemeinsame, naturverträgliche Leitlinien zu erarbeiten.

Von Michael Engel | 16.08.2013
    Stefan mag den Wald. Besonders in der Nacht. Dann ist es schön gruselig. Mit dem GPS-Gerät in der Hand streift er dann durch die Finsternis. Immer auf der Suche nach dem nächsten Versteck.

    "Also was ich gerne mache, das sind so Caches mit einer höheren Schwierigkeit. Das sind solche Geschichten, wo man sich abseilen muss, entweder an Bäumen, da waren wir mal auf einem Cache in Thüringen. Da musste man auf einen 25 Meter hohen Baum hoch. Oder, wenn man lange Multicaches hat, die man auch noch nachts macht, wie im Deister beispielsweise, wo man durch den Wald ein paar Stunden braucht, und da gibt es dann auch sehr witzige Ideen, was sich die Leute ausdenken als Aufgaben."

    Jäger und Förster, aber auch die Naturschützer sind wenig erfreut über die zunehmende Zahl von Abenteurern, die den Wald fürs Geocaching entdeckt haben. Dirk Strauch kümmert sich bei den Niedersächsischen Landesforsten in Braunschweig um solche Fälle.

    "Wir finden das auch toll, dass sich mittlerweile Menschen auch mit modernen Geräten in der Natur aufhalten und sich überhaupt mit der Natur beschäftigen. Wir von den Landesforsten haben aber auch gemerkt, dass es sicherlich gut ist, wenn man auch mal Tipps und Hinweise geben könnte, wie man Geocaching sensibel mit der Natur und im Einklang mit der Natur betreibt und deshalb haben wir jetzt gerade auch in Zusammenarbeit mit Geocachern Hinweise und Tipps zum Geocaching im Wald herausgegeben."

    Nachzulesen sind die Empfehlungen für ein naturverträgliches Caching auf der Homepage der niedersächsischen Landesforsten. So sollten die Verstecke nicht in Baumhöhlen angelegt werden, da dort besonders geschützte Tierarten wie Fledermäuse leben können. Ebenso bitten die Forstleute darum, nicht während der Dunkelheit auf Schatzsuche zu gehen. Bei sogenannten "Baumcaches" bitte keine Nägel in die Stämme schlagen. Auch die Verwendung von Steigeisen oder Haken sollte unterbleiben, sagt Hans-Martin Roese von den niedersächsischen Landesforsten.

    "Diese ganzen Dinge können einen Privatwaldbesitzer ganz anders betreffen. Wenn jemand nur zehn Hektar hat und der hat eine Cache-Reihe da drin, dann kann er wesentlich beeinträchtigt sein durch die Cache. Und dort ist es ganz klar so, dass diese Duldung, die wir hier ausgesprochen haben, bei dem Privatwaldbesitzer u.U. gar nicht gilt."

    Wer einen Gegenstand im Forst verstecken will, sollte erst einmal in Erfahrung bringen, wem der Wald gehört. Im Privatwald – so die Empfehlung – muss der Eigentümer einbezogen werden. In Naturschutzgebieten gilt ein "Wegegebot". Das heißt, Verstecke dürfen hier nur im Bereich der ausgewiesenen Pfade angelegt werden. Zudem gelten in den Staatsforsten der Länder unterschiedliche Regeln. In Hessen andere als in Niedersachsen. Auch die Internetseiten der Geocacher wie Opencaching- oder Geocaching.de weisen auf die unterschiedlichen Regelungen hin. Markus Gründel, Geocacher der ersten Stunde und Buchautor, sieht die Probleme eher bei den vielen Neulingen der Szene.

    "Also es ist so, dass "Otto-Normal-Cacher" - ich sag‘ mal - ein Mensch wie Du und ich ist, der auch nicht tiefer in dem Umweltthema drin steckt. Ich denke, da wird nichts böswillig gemacht. Wenn er sich tiefer informiert hätte, dann hätte er gesagt, na klar, ist das logisch. Das klingt hier in meinem Büchlein auch an: Leute, gesunden Menschenverstand einschalten und danach handeln …"


    Links für Geocacher zum Naturschutz:

    Nützliches zum Naturschutz beim Ceocaching
    Opencaching
    Niedersächsische Landesforsten