Mittwoch, 02.12.2020
 
Seit 17:35 Uhr Kultur heute
StartseiteStreitkulturAllein zu Hause – Homeoffice für immer?16.05.2020

Nele Groeger vs. Hilmar SchneiderAllein zu Hause – Homeoffice für immer?

Seit Beginn der Coronakrise arbeiten viel mehr Beschäftigte zu Hause als zuvor. Für die meisten war es eine ungewohnte Erfahrung, aber auch die Gelegenheit zu testen, was geht und was nicht. Hat Corona dem Homeoffice zum Durchbruch verholfen?

Moderation: Käthe Jowanowitsch

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Eine Frau arbeitet im Homeoffice an ihrem Schreibtisch (dpa / picture alliance / Sebastian Gollnow)
Manche erleben das Homeoffice als Bereicherung, andere sehen es als Last (dpa / picture alliance / Sebastian Gollnow)
Mehr zum Thema

Recht auf Homeoffice Auf die Rahmenbedingungen kommt es an

Arbeiten in Corona-Zeiten Homeoffice bei der Steuer absetzen

Grenzen der Globalisierung Wie die Coronakrise die Weltwirtschaft verändert

Homeoffice – der Begriff hat das Potenzial, zum Wort des Jahres 2020 zu werden, vielleicht aber auch zum Unwort. In den vergangenen Wochen hat etwa ein Drittel aller Beschäftigten zu Hause gearbeitet. Vor Corona waren es gerade mal zwölf Prozent, die zumindest gelegentlich im Homeoffice waren. Für die einen war es ein Sprung ins kalte Wasser: ohne Vorbereitung und mit der Verpflichtung, neben der Arbeit auch noch die Kinder zu betreuen. Für die anderen hat sich ein Traum erfüllt: endlich flexibel die Zeit einteilen, selbstständig arbeiten und kein langer Weg ins Büro.

Noch ist es zu früh, um Bilanz zu ziehen. Aber schon jetzt stellt sich die Frage: Hat die Coronakrise dem Homeoffice zum Durchbruch verholfen? Oder ist der Lack ab? Darüber diskutieren Nele Groeger und Hilmar Schneider.

Pro: Nele Groeger ist Kommunikationswissenschaftlerin und Mitgründerin der Shitshow-Agentur für psychische Gesundheit. Sie berät Unternehmen und Bildungseinrichtungen auch zum Thema Homeoffice.

"Für uns ist Homeoffice neben anderen flexiblen Arbeitsmodellen erst mal nur ein Gestaltungselement für menschenzentrierte Arbeit. Homeoffice erlaubt es vielen Menschen, selbstbestimmter und souveräner zu entscheiden, wie sie arbeiten wollen, und verbessert nebenbei noch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Zufriedenheit. Und dazu kommt, dass die Arbeit im Homeoffice ohnehin längst da ist, aber meist nur zum Vorteil der Arbeitgebenden ausgelegt wird. Es gibt ja so spannende Studien: drei von vier Beschäftigten in Deutschland beantworten nach Feierabend oder am Wochenende noch Mails oder Anrufe. Da müssen wir eben als Gesellschaft auch Sorge dafür tragen, dass diese Flexibilität keine Einbahnstraße bleibt. Natürlich müssen wir uns vieles anschauen und vieles verändern, um auch gesunde Arbeit im Homeoffice zu ermöglichen. Aber wir kommen da nicht mehr umhin, und eine Arbeit ohne Homeoffice geht vorbei an unserer heutigen Alltagsrealität und den Wünschen einer Mehrzahl der Beschäftigen in Deutschland."

Contra: Prof. Hilmar Schneider ist Leiter des Bonner Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit und untersucht seit Jahren unterschiedliche Formen des Arbeitens.

"Das Homeoffice gibt es längst. Das ist für manche Arbeitnehmer inzwischen ganz normal. Die Frage ist nur, ob es ein substanzielles ungenutztes Potenzial gibt und ob wir vielleicht mehr Homeoffice brauchen oder ob das Homeoffice eine Quelle von Möglichkeiten darstellt, die bislang nicht so erschlossen ist. Da habe ich meine Zweifel. Ich glaube, dass das Homeoffice ganz gut funktionieren kann, da wo es auf gegenseitigem Einvernehmen beruht. Aber die jetzige Krise hat auch sehr schnell gezeigt, dass es Grenzen gibt, insbesondere dann, wenn Arbeitnehmer überhaupt nicht darauf vorbereitet waren. Und insofern ist das jetzt eine ganz schöne Erfahrung, die vielen Menschen auch vor Augen führt, dass das, was sie sich vielleicht vom Homeoffice mal erträumt haben, auch nicht ganz so schön glänzt, wie man sich das vorher vorgestellt hat."

33D-Modell des Coronavirus SARS-CoV2 (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk