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Netzausbau
Internet aus der Wasserleitung

Schnelles Internet gibt es vor allem in der Stadt. Damit auch Menschen auf dem Land mit Hochgeschwindigkeit Daten aus dem Netz laden können, tüfteln Experten an neuen Übertragungswegen. Ein Beispiel: Glasfaserkabel in der Wasserleitung.

Von Katha Jansen | 01.08.2014
    Ein Tropfen Wasser kommt am 21.03.2013 aus einem Wasserhahn in Frankfurt (Oder)
    Die Wasserleitung könnte künftig nicht mehr nur das kühle Nass transportieren, sondern auch ein Glasfaserkabel für schnelles Internet beherbergen. (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)
    Es ist ein unauffälliges, dünnes Kabel, dass in einem leeren Röhrchen durch den Wasser-Hausanschluss von der Straße bis in den Keller geschoben wird. Dieses Kabel liefert schnelles Internet. Ein Gut, das es hier im Großraum Adenau nicht so ohne Weiteres gibt. Für die Telefon- und Internetanbieter lohnt sich ein Glasfaserausbau in diesem Gebiet nicht. Zu hohe Baukosten, zu wenige Abnehmer. Theo Waerder ist Ingenieur für Versorgungstechnik bei den Bonner Stadtwerken und hat vor knapp fünf Jahren ein Versuchsprojekt rund um Adenau gestartet:
    "Wir haben ja einen Modellversuch gemacht, nicht an einem neuen System, was wahrscheinlich immer funktioniert, sondern an einem über 40 Jahre alten System, was schon sehr lange in Gebrauch war und verschiedene Wasserqualitäten erfahren hat – also ein anstrengendes Leben in der Wasserversorgung hinter sich hatte."
    Immer wenn im Testgebiet Arbeiten an der Wasserversorgung anstanden, wurden probeweise Leerrohre durch einige der Hausanschlüsse gelegt. Durch die könnte dann zukünftig mal das schnelle Internet ins Haus kommen, allerdings: vorab muss geprüft werden, ob das Verfahren für die Trinkwasserleitungen ein Risiko darstellt.
    "Wir haben also keine Veränderungen feststellen können. Wasserproben ziehen wir vor dem System und danach, sodass wir genau wissen, ob das System zu Veränderungen führt. Es war natürlich in der Diskussion: Was passiert mikrobiologisch? Entstehen Ablagerungen an den Systemen? Das trifft alles nicht zu."
    Mit dem Verfahren könnten die Kosten für einen Highspeed-Internet-Anschluss auf kapp 20 Prozent reduziert werden. Damit bekämen, so Waerder, auch kleinere Verbandsgemeinden und strukturschwache Gebiete die Chance auf schnelles Netz.
    "Gerade so Flächenländer wie Rheinland-Pfalz oder Baden Württemberg, die enorme Weiten zu überbrücken haben, bietet das eine Chance. Stellen Sie sich vor, Sie haben in der Eifel zwei Orte, die sechs Kilometer auseinander liegen, wo ein enormer Kostenaufwand erforderlich wäre, um dort tiefbautechnisch ein Leerrohr, eine Glasfaser-Trasse zu legen. Wenn man dort partiell die Wasserleitungen nutzen könnte, dann bringt das auch erhebliche Kostenvorteile."
    Bisher nur Modellversuche
    Auch wenn der Modellversuch bislang einwandfrei läuft, bis das System die Marktreife erlangt, wird es noch dauern. Aber warum ist man eigentlich nicht schon viel früher auf so eine Idee gekommen?
    "Wir haben natürlich ein Minimierungsgebot in der Trinkwasserversorgung. Da legt man ungern was rein, was nicht da rein gehört, das muss man gut überlegen. Und oft sind diese Bereiche auch getrennt. Da gibt's dann einen der macht Wasser, einen der macht Telekommunikation, einen der macht Strom."
    Davon, im Feuer der Euphorie gesetzlich festzulegen, dass Infrastrukturen, wie ein Trinkwassernetz für derartige Projekte auch Dritten zugänglich gemacht werden, hält Waerder aber wenig:
    "Also ich möchte nicht, dass in unserer Wasserleitung Irgendjemand Leerrohre legen kann. Wir wissen nicht, welche Unternehmen das dann sind, wie lange die im Markt sind, wie die Systeme gepflegt sind. Wir möchten das nur als Wasserversorger selber machen. Wir sind auch Eigentümer dieser Systeme und haben auch das Fachwissen solche Systeme zu beherrschen."
    Grundsätzlich gilt: Sowohl private, als auch kommunale Wasserversorger sind sowieso schon an bestimmte Regeln gebunden, die die Verlegung von Glasfaserkabeln im Wassernetz sicherer machen.
    "Es gibt sogar schon eine DIN-Norm, die regelt, welche Materialien in die Trinkwasserleitungen rein verlegt werden dürfen. Da muss sicherlich noch einiges nachgebessert werden. Wir planen auch noch weitere Modellversuche in der Zukunft aufzulegen, vielleicht auch in anderen Gebieten."
    Sie laufen, die Modellversuche zum Internet aus der Wasserleitung. Wann und ob die Idee flächendeckend eingesetzt werden kann, ist aber noch offen.