Dienstag, 16. April 2024

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Neue Coronabeschränkungen
Museen kritisieren Schließungen als Symbolpolitik

In einem offenen Brief kritisieren zahlreiche Museumsdirektoren die erneute Schließung ihrer Einrichtungen. Museen seien sichere Orte der kulturellen Bildung mit funktionierenden Hygienekonzepten. „Ich verstehe nicht ganz, was da passiert", sagte Mitverfasser Stefan Berg, Direktor des Kunstmuseum Bonn, im Dlf.

Stephan Berg im Gespräch mit Jörg Biesler | 30.10.2020
Ein Schild mit der Aufschrift "Kein Durchgang - no passage" steht in der geschlossenen Alten Nationalgalerie.
Wer hier steht, ist schon zu weit gegangen - Durchgangsverbot in der Alten Nationalgalerie in Berlin (picture alliance/Jens Kalaene)
Viele Kultureinrichtungen haben sich während der Coronapandemie Hygienekonzepte überlegt, die das Infektionsgeschehen eindämmen sollten. Dennoch treffen auch sie die geplanten neuen Maßnahmen der Bundesregierung stark: Ab dem 2. November sollen Theater, Opern, Kinos oder Konzerthäuser schließen.
Ein Schild in München, auf dem auf die Maskenpflicht im öffentlichen Raum hingewiesen wird.
Corona-Beschränkungen ab dem 2. November
Mit drastischen Einschränkungen will die Bundesregierung die massiv steigenden Corona-Infektionszahlen wieder eindämmen. Was sich ab dem 2. November ändert - ein Überblick.
Einige Museen kritisieren die neuen Beschränkungen nun und haben einen Brief an die Landesregierungen geschrieben. Mehr als vierzig Direktorinnen und Direktoren deutscher Kunstmuseen haben ihn unterschrieben, darunter Alexander Klar, Direktor der Kunsthalle Hamburg, Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart und Stefan Berg, Direktor des Kunstmuseums Bonn.
Sie fordern, die Entscheidung zur Schließung der Häuser zu überdenken: "Bei allem Verständnis für die Herausforderungen, die Corona uns allen auferlegt, halten wir das für eine falsche Entscheidung.", heißt es im Brief. "Wenn die Museen nun erneut geschlossen werden, so erscheint dies als eine symbolische Geste."
20.02.2020, Berlin: 70. Berlinale, Eröffnungsgala: Monika Grütters (CDU), Staatsministerin für Kultur und Medien, spricht bei der feierlichen Eröffnung der Internationalen Filmfestspiele.
Grütters: "Kultur darf nicht zum Opfer der Krise werden"
Sie mache sich Sorgen, dass in der Krise die Künstler und Kreativen verloren gehen könnten, sagt Kulturstaatsministerin Monika Grütters im Dlf. Sie seien das kritische Korrektiv der Gesellschaft.
"Ästhetischer Genuss und gesundheitliche Sicherheit"
Doch ist es bei der aktuellen Pandemie-Entwicklung vertretbar, dass sich die Menschen in Ausstellungen treffen? Stefan Berg verteidigte im Deutschlandfunk als einer der Initiatoren des Briefes seine Haltung, die Museen geöffnet zu halten. Gerade in Zeiten der Pandemie sei es wichtig neben einem "Erleben einer Dauerkrise", auch "positive Anreize und ästhetische Stimulanz" zu bekommen.
Museen seien zudem auch Orte, an denen sich die entsprechenden Corona-Regeln und die Sicherheits- und Hygienanforderungen, hervorragend umsetzen lassen würden, so Berg im Dlf: "Wir haben klimatisierte Räume, große und hohe Räume und Konzepte, wo tatsächlich eben dieser ästhetische Genuss hergestellt werden kann wie auch die gesundheitliche Sicherheit."
Coronavirus
Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)