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StartseiteCorsoGroße Kinder, große Sorgen23.01.2019

Neue FilmeGroße Kinder, große Sorgen

Ein Vater will seinem drogensüchtigen Sohn helfen, eine Mutter versucht ihre zum Islam konvertierte Tochter zu verstehen und ein Trainer bereitet seinen Ziehsohn auf den entscheidenden Boxkampf vor. In den neuen Filmen dieser Kinowoche macht der Nachwuchs Probleme.

Von Jörg Albrecht

US-Schauspieler Sylvester Stallone bei der Europa-Premiere seines Films "Creed". (picture alliance / dpa )
Einen Golden Globe hat Sylvester Stallone schon für seine Rolle im ersten Teil des Boxfilms "Creed" bekommen. Wird er mit "Creed II Rocky's Legacy" weitere Preise gewinnen? (picture alliance / dpa )
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"Weißt du, was wir machen? Wir gehen mal wieder surfen."
"Ach, weißt du, ich stehe jetzt auf andere Sachen."
"Bücher von Misanthropen und Depressiven zu lesen?"
"Ach, komm schon, Dad! Die sind schon irgendwie cool, oder?"
"Ich verstehe schon. Das geht aber vorbei. Bei jedem."

Wann es genau passiert ist, kann David gar nicht sagen. Aber dass er den Draht zu seinem 18-jährigen Sohn Nic verloren hat, daran gibt es nichts zu deuteln. Doch schuld ist nicht nur der Ausnahmezustand, der Pubertät genannt wird. Aus seinem wunderschönen Jungen ist in den vergangenen Jahren ein Drogenabhängiger geworden.

Dramatische Vater-Sohn-Geschichte

"Beautiful Boy" hat David Sheff auch sein Buch genannt, auf dem der gleichnamige Film und die erste US-amerikanische Produktion des Belgiers Felix van Groeningen basiert. Allerdings nur zu 50 Prozent. Denn die andere Hälfte hat die Autobiographie von Nic Sheff beigesteuert. Die beiden Sichtweisen von Vater und Sohn zu einer Geschichte zu verschmelzen, ist ein reizvolles filmisches Konzept. Es geht hier nur nie so richtig auf. Auf der einen Seite ein selbstzerstörerischer Nic, auf der anderen ein überforderter David.

"Ich habe da was recherchiert."
"Du hast was recherchiert? Willst du mich verarschen, Dad?"
"Du denkst, dass du die Sache unter Kontrolle hast. Und ich weiß genau, was für eine Angst du hast."
"Ich weiß, wieso ich das tue. Das ändert bloß überhaupt nichts. Dir ist das peinlich, weil du etwas Besonderes aus mir machen wolltest. Dein besonderes Werk. Wer ich jetzt bin, gefällt dir nicht."

Viel zu "clean" inszeniert

"Beautiful Boy" lässt solch emotionale Intensität weitgehend vermissen. Die ständigen Zeitsprünge, die das Auf und Ab im Leben eines Süchtigen schildern sollen, erweisen sich als hinderlich. Noch problematischer aber ist: Der Film ist viel zu "clean" inszeniert, zeigt die schmerzhaften Abgründe einer Drogenkarriere nur in Ansätzen. Das bremst letztlich auch das gute Darstellerduo Timothée Chalamet und Steve Carell aus.

"Beautiful Boy" - enttäuschend

"Ich bin zum Islam übergetreten."
"Aha!"
"Was heißt denn da ´aha!´? Unsere 16-jährige Tochter eröffnet uns gerade, dass sie zum Islam übergetreten ist, zieht sich an wie eine Fledermaus und das Einzige, was dir dazu einfällt, ist: ´aha´?"

Wanda, Mutter zweier Mädchen, fällt aus allen Wolken: Tochter Nina ist jetzt eine Muslima, nennt sich Fatima und trägt ein Kopftuch. Anfangs glaubt Wanda noch, dass es nur die Laune einer Pubertierenden ist oder ein schlechter Scherz.  

"Ist doch vollkommen verrückt! Ich habe dich mein Leben lang feministisch erzogen."

Culture-Clash trifft auf Generationen-Komödie

Von Beginn an lässt Eva Spreitzhofers Film "Womit haben wir das verdient?" keinen Zweifel daran: Hier wird der Übertritt zu einer anderen Glaubensgemeinschaft nicht als Familiendrama präsentiert, sondern als Culture-Clash- und Generationen-Komödie, in der auch Erziehungsfragen verhandelt und auf die Schippe genommen werden.

"Du sagst doch immer, dass wir die Generation Porno sind und dass alles so übersexualisiert ist. Die wollen uns ausziehen und wir wollen uns anziehen. Dafür hast du doch demonstriert, dass Frauen ein Recht über ihren eigenen Körper haben."
"Aber nicht, dass sie ein Recht darauf haben ihn zu verhüllen, damit Männer nicht geil werden."

Fehlende satirische Schärfe

Die oft pointierten Dialoge und die wunderbare Komödiantin Caroline Peters in der Rolle der liberalen Mutter können es aber auch nicht verbergen: Statt sich in der Komfortzone einer Boulevardkomödie einzurichten, hätte diese Geschichte eine Portion satirische Schärfe vertragen können.

"Womit haben wir das verdient?" - akzeptabel

"Es wird Zeit, Kleiner!"

Trainer, Mentor und väterlicher Freund: Diese Dreifach-Rolle bleibt dem alten Recken, der einst für Ruhm und Vaterland in den Ring gestiegen ist. "Creed: Rocky´s Legacy" hieß vor drei Jahren der Film, in dem Sylvester Stallone seinen Boxhandschuh an die nächste Generation – verkörpert von Michael B. Jordan – weitergereicht hat. Die Neuauflage, die nicht nur als Sportlerdrama gefiel, sondern auch als Charakterstudie, macht jetzt denselben Fehler wie die "Rocky"-Saga vor 40 Jahren. Sie geht in Runde zwei.

"Ich nehme den Kampf an. Ob du dabei bist oder nicht."

Im Sog der Wiederholung

Alles wiederholt sich. Nur, dass sich die Gegner von einst jetzt als Trainer gegenüberstehen. "Creed II" holt den Russen Ivan Drago aus "Rocky V" zurück. Gegen dessen Sohn soll Rockys Schützling jetzt kämpfen.

"Du denkst, ich kann ihn nicht besiegen. Willst du mir das damit sagen?"
"Nein, das will ich nicht damit sagen. Ich will damit sagen, ich werde nicht ewig hier sein."
"Was soll denn das jetzt bedeuten?"
"Das bedeutet, dass du dir das gut überlegen sollst."
"Du willst mir was von klugen Entscheidungen erzählen? Du wohnst allein in dem Haus. Und wer kümmerst sich um dich? Ich. Ich bin für dich da. Wen hast du denn sonst?"

Zwischen Sentimentalität und Emanzipation

Die Zutaten des Vorgängerfilms, der durch seine gelungene Mischung aus Sentimentalitäten des alten Kämpfers und der Emanzipation des jungen begeistern konnte, werden einfach wiedergekäut und mit längst vergessen geglaubten Ost-West-Klischees hochgewürgt.

"Creed II: Rocky´s Legacy" - zwiespältig

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