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StartseiteSonntagsspaziergangNeue Heimat Djerba18.09.2011

Neue Heimat Djerba

Eine Berlinerin auf der Mittelmeerinsel

Djerba fasziniert mit weißen Sandstränden und türkisglänzendem Meer. Die Berlinerin Martina Kies kam vor 20 Jahren das erste Mal nach Djerba. Sie verliebte sich in die Insel, fand ihren Traummann und eine neue Heimat.

Von Bita Schafineya

Blick durch eine Gasse auf Djerba. (Bita Schafineya)
Blick durch eine Gasse auf Djerba. (Bita Schafineya)

"Ich habe also relativ kurz nachdem wir uns kennengelernt haben durch Zufall einen Job in der Verwaltung hier auf Djerba gefunden und dann haben wir uns gesagt, probieren wir es einfach mal und seitdem bin ich hier."

Und das nun schon seit 16 Jahren - Zusammen mit ihrem tunesischen Ehemann und ihrer neunjährigen Tochter Layla. Ganz besonders liebt Martina Knis das Wetter, denn es scheint mehr als 300 Tage im Jahr die Sonne:

"Einfach morgens aufzuwachen, blauen Himmel zu haben, auch wenn es mal ein bisschen kühler ist. Aber es ist einfach nicht grau in grau und man muss nicht schon morgens das Licht anmachen. Die Freundlichkeit, Gastfreundschaft, Kinderfreundlichkeit der Tunesier, die Offenherzlichkeit und ich sag mal ganz salopp, das einfache Leben."

La Douce – die Sanfte, wird die südlichste Insel im Mittelmeer genannt. Von Deutschland aus ist sie in weniger als drei Flugstunden erreichbar. Der internationale Flughafen ist nicht weit von der Inselhauptstadt Houmt-Souk entfernt. Einmal im Jahr zu Weihnachten fliegt Martina Knis nach Deutschland zu ihrer Familie. Am meisten vermisst sie das deutsche Essen, obwohl Sie auch in Tunesien regelmäßig kocht:

"Da gibt’s mal Pizza italienisch oder es gibt mal irgendwas französisches oder wir essen mal ganz typisch Hühnerfrikassee deutsch oder Frikadellen mit Kartoffelsalat. Also, das kann ich ja hier auch alles genauso kochen. Aber es gibt sicherlich so Sachen sowie Gans und Rotkohl und Klöße bei Mama Weihnachten ist schon speziell, also das genieße ich dann auch sehr zu hause."

Lebensmittel zum Kochen kauft die 43-Jährige auf dem Markt ein. Jeder kleinere Ort hat seinen eigenen Wochenmarkt mit Obst und Gemüseständen. Schon vom Weiten weht einem der Duft von Orangen, Knoblauch oder Safran um die Nase:

"Da kommen die mit ihrem Eselkarren oder mit dem Mofa oder mit dem Fahrrad oder mit dem Auto oder kommen auch einfach zu Fuß, weil es wirklich nebenan und in ihrem kleinen Örtchen ist und dann gehen sie mit ihren Taschen auf dem Kopf oder wo auch immer wieder nach Hause, ganz typisch."

In der Altstadt von Houmt-Souk befindet sich der große, typische Basar. Allerdings ist er nicht für den täglichen Lebensbedarf ausgerichtet, sondern zielt rein auf die Touristen. In den verwinkelten, zum Teil überdachten Gassen herrscht reges Treiben. In den fensterlosen, zur Gasse hin geöffneten kleinen Geschäften werden unter anderem Teppiche, Kleider, Schuhe, Messing, Silber- und Lederwaren angeboten. Hier findet Martina Kies auch Dinge, die sie sonst vermissen würde:

"Also ich kann mich noch erinnern, das ich vor 16 Jahren noch die Gewürzgurken mitgebracht habe und den Tomatenketchup und das Glas Nutella und die Kosmetika was mittlerweile alles existiert. Mittlerweile gibt es eigentlich fast alles."


Allerdings, auf vieles wie Kino, Theater oder große Konzerte muss Martina Knis verzichten, denn das gibt es nur auf dem Festland. Dennoch lebt sie gerne auf der Insel. In ihrer Freizeit trifft sie sich mit Einheimischen aber auch mit Deutschen Freunden, die sie im Laufe der Jahre kennengelernt hat. Immerhin leben auf Djerba rund 180 Deutsche. Auch Dorothe Konrad lebt seit fünf Jahren auf Djerba. Sie arbeitet im Gästeservice eines großen Hotels. Bevor sie auf die Insel kam, hatte sie ganz andere Vorstellungen:

"Ich kam nach Djerba und ich habe gedacht: Ah Tunesien, Orient. Alle Bildern von Tausend und einer Nacht und Aladin liefen in meinem Kopf Und ich kam nach Djerba und dachte, ach Gott, wo ist das denn alles hin? Es ist sehr europäisch auf der einen Seite, es ist sehr orientalisch auf der anderen Seite. Unglaublich viele Einflüsse und von allen Einflüssen ist was geblieben. Man hat sich von Einflüssen was behalten und vieles auch wieder abgegeben. Das ist Djerba, irgendwie alles, nur nicht das, was man erwartet hat."

Auf der Insel stehen die für Djerba typischen schneeweißen Häuser mit ihren blauen Fensterläden und Türen aus Holz geschnitzt. Die Insel kann auf vielfache Weise entdeckt werden: zu Fuß, mit einer Kutsche, zu Pferd oder mit dem Fahrrad:

"Vielleicht sollte man Djerba nicht auf den klassischen Tourismusweg erkunden, sondern es gibt unglaublich kleine hübsche Örtchen auf dieser Insel Ajim, es ist der Ort, wo die Fähre übersetzt zum Festland mit einer sehr hübschen Hafenpromenade. Es gibt El May, auch eine sehr schöne alte Hafenstadt. Der Weg nach El May ist wunderschön zu fahren."

Von El May führt ein Weg nach Midoun – vorbei an eine Landschaft mit Olivenhainen. Kurz vor Midoun liegt eine unterirdische Ölmühle. Eine von wenigen, die noch erhalten geblieben ist.

Von El May gelangt man nach Guellala. Das kleine Töpferdorf liegt auf einem Hügel. Hier werden die typischen porösen, unglasierten Krüge hergestellt. Sie werden als Vorratsbehälter für Wasser, Olivenöl und andere Nahrungsmittel benutzt, erzählt Töpfermeister Valid Benamore. Er hat das Familienunternehmen vor einigen Jahren von seinem Vater übernommen:

"Die Galgulette ist wie eine kleine Amphore mit zwei Henkeln, wo früher das Regenwasser gesammelt wurde und der Top auf natürliche Weise den gesamten Kalk rauszieht und das im Sommer die Temperatur niedrig bleibt. Das heißt, das Wasser wird frisch und trinkbar."

Mehr als 100 Moscheen gibt es auf der Insel. Die meisten von ihnen sind jedoch für Touristen nicht zugänglich. An der Straße von Houmt-Souk nach Midoun steht die Fadloun-Moschee: Ein eher schlichtes, weißes Gebäude mit einer Gebetshalle und Räume für rituelle Waschungen

Alle Sehenswürdigkeiten von Djerba sind schnell gesehen. Denn das flache Eiland ist 24 Kilometer lang, 28 Kilometer breit. Und mit dem 7 Kilometer langen sogenannten Römerdamm verbunden. Verbunden mit der Insel fühlt sich auch Martina Knis:

"Für mich ist es immer so gewesen und die Erfahrung habe ich auch gemacht in den letzten 16 Jahren, mit all meinen Bekannten, Verwandten, Freunden, man kommt hierher und man liebt es oder man liebt es nicht. Und derjenige, der es liebt, der wird auch immer wieder hierherkommen."

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