Corso 31.10.2019

Neue Indie-GamesReptilien, Tod und MetalVon Tim Baumann

Beitrag hören Screenshot aus "Later Alligator": Der Detektiv hält einen Notizblock in der Hand und befragt einen Trickbetrüger-Alligator (Pillow Fight Games)Über hundert Alligatoren tummeln sich in "Later Alligator" (Pillow Fight Games)

Ein Blick auf drei neue Indiegames: In „Later Alligator“ trifft das Noir-Genre auf niedliche Reptilien, „Valfaris“ setzt dem Metal der 80- und 90er-Jahre ein Denkmal und in „Felix The Reaper“ tanzen die Spieler den Tod herbei.

Ein Hotelrestaurant in schwarz-weiß – Jazzmusik untermalt die Szene. An einem Tisch windet sich der verzweifelte Auftraggeber eines Privatschüfflers. Der Job? Herauszufinden, ob die "Familie" ihn noch an diesem Abend mit Betonschuhen zu den Fischen schicken wird. Alles weist auf einen Hardboiled-Noire-Schinken hin. Außer der Tatsache, dass es sich bei allen Charakteren um ziemlich niedlich gezeichnete Alligatoren handelt und die "Familie" tatsächlich aus einer Vielzahl von Tanten, Onkels, Cousins und Großeltern besteht.

Anarchischer Charme

Mehr als hundert der krude gezeichneten und charmant-zitterig animierten Alligatoren können die Spieler in "Later Alligator" begegnen, während sie versuchen, das Rätsel um das Schicksal ihres Auftraggebers zu lösen. Hierfür müssen sie die Stadt nach Familienmitgliedern abklappern, die ihre Informationen aber nicht einfach so preisgeben: In knapp 30 Minispielen muss die bunte Mischpoke geschlagen werden, bis das Ziel erreicht ist. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei bewusst gering gehalten, denn das Zwei-Mann-Entwicklerstudio Pillar Fight Games setzt darauf, seine Spiele möglichst inklusiv und zugänglich zu gestalten.

Dass sich "Later Alligator" trotzdem nicht anfühlt wie eine zu leicht geratene Minispiel-Sammlung, liegt an der stimmigen Rahmenhandlung und dem Humor des Spiels. Der speist sich vor allem aus der Neigung der Alligatoren, vom Hölzchen aufs Stöckchen zu kommen und dem Spieler ungefragt die absurdesten Geschichten zu erzählen. Mit seinem anarchischen Charme sorgt das Spiel also trotz der geringen Herausforderung für eine Menge Spaß vor dem Monitor.

"Later Alligator" ist bislang nur auf Englisch und für den PC verfügbar.

Weit weniger familienfreundlich geht es in "Valfaris" zu. Hier hüpfen und rennen die Spieler in der Rolle von Theron durch eine pixelige 2D-Welt und metzeln sich durch Horden von Monstern, um Therons übermächtigen Vater vom Thron zu stoßen.

Eine Mischung aus Conan und Rambo

Dass der Name "Theron" dem Debütalbum der Schweizer Avantgarde-Metalband Celtic Frost entlehnt wurde, ist kein Zufall, denn das Entwicklerduo Steel Mantis hat mit "Valfaris" dem Metal der 80er- und 90er-Jahre ein Denkmal gesetzt. So lässt sich der langhaarige Theron, der an eine Mischung aus Conan und Rambo erinnert, am Ende eines Abschnitts auch schon mal zum Headbangen hinreißen. Passend dazu stammt die treibende Musik von "Valfaris" aus der Feder des Ex-Celtic-Frost-Gitarristen Curt Victor Bryant.

Die pixelige Gewaltorgie könnte in ihrer grafischen Gestaltung zwar abwechslungsreicher sein, - denn eigentlich besteht hier alles aus Stahl, Blut, Schädeln oder Igitt -, spielerisch macht der Titel aber alles richtig: Der Schwierigkeitsgrad ist zwar mitunter knackig, durch das großzügige Verteilen von Speicherpunkten müssen nach dem Ableben aber keine allzu langen Level-Abschnitte wiederholt werden. Insgesamt ist das Spiel aufgrund seines starken Szenebezugs wohl eher ein Nischenprodukt, Freunden metalgewordener Pixelart ist "Valfaris" aber unbedingt zu empfehlen.

"Valfaris" ist für Nintendo Switch, Playstation 4, Xbox One und den PC verfügbar.

Dem fröhlichen Töten hat sich auch das dänische Entwicklerkollektiv Kong Orange mit seinem Spiel "Felix The Reaper" verschrieben. Hier übernehmen die Spieler die Kontrolle eines Angestellten im Todesministerium. Da die gute alte Sensenmethode offenbar aus der Mode gekommen ist, muss Felix dafür sorgen, dass seine Opfer einer Reihe witzig-absurder Unfälle erliegen.

Damit das nicht zu leicht wird, kann Felixsich nur im Schatten bewegen. Praktischerweise hat er aber ein Werkzeug zur Hand, mit dem er den Sonnenstand verändern kann. Durch das geschickte Platzieren von Objekten schafft er sich zusätzlichen Schatten – und damit Wege, um sein Ziel zu erreichen.

Spielerischer Totentanz

Das Projekt ist durchaus ambitioniert: Der Erzähler, der durch die Missionen leitet, wird – brilliant! - von Sir Patrick Stewart, bekannt als Captain Picard aus Star Trek, gesprochen. Und auch kulturhistorisch erweisen sich die Macher des Puzzlespiels als umtriebig: So tanzt Felix zur Musik aus seinem Walkman durch die Levels, statt einfach zu gehen - eine Anlehnung an mittelalterliche Vorstellungen vom Totentanz. Die Tanzschritte wurden sogar mit echten Tänzern über ein Motion Capturing-Verfahren animiert.

Das große Manko des Spiels ist aber, dass die Rätsel sich kaum im Schwierigkeitsgrad entwickeln, sondern einfach nur umfangreicher werden, wodurch spätere Levels zu einer Mischung aus Tortur und Fleißarbeit verkommen. Das macht "Felix The Reaper" zu einem leider nur bedingt empfehlenswerten Titel.  

Felix The Reaper ist für Nintendo Switch, Playstation 4, Xbox One, PC und Mac verfügbar.

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