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StartseiteCorsoNeue Kunst aus altem Holz24.04.2012

Neue Kunst aus altem Holz

Der Niederländer Diederick Kraaijeveld schafft Porträts aus Holz-Abfällen

So schön kann Recycling sein: Der niederländische Künstler Diederick Kraaijeveld schafft aus Holzabfällen großformatige Bilder. Seine Pop-Art-Werke – zum Beispiel die bunten Allstars-Basketballschuhe - hängen inzwischen weltweit in Galerien. Jetzt werden zwei seiner Arbeiten – Porträts der holländischen Königin Beatrix und ihrer Schwiegertochter – in Deutschland ausgestellt.

Von Bettina Ritter

Diederick Kraaijeveld mit einem Selbstporträt. (Albertine Dijkema)
Diederick Kraaijeveld mit einem Selbstporträt. (Albertine Dijkema)

Das Atelier von Diederick Kraaijeveld, ein mehr als 100 Quadratmeter großer Raum in einer Kleinstadt südlich von Amsterdam. Der Künstler – in Jeans und blauem Kapuzenpulli – schneidet mit einer elektrischen Säge kleine Stücke aus einer braunen Holzplanke. Auf dem Boden ausgebreitet liegen Kraaijevelds Werke, an denen er gerade arbeitet: Eine rote Coca-Cola-Dose, 1,30 Meter breit, ein halb fertiges Männer-Porträt in Brauntönen, ein dunkelgrüner Porsche. Jedes Bild ist wie ein Puzzle aus vielen kleinen Holzstückchen in verschiedenen Farbschattierungen zusammengesetzt.

"Für mich beginnt ein Kunstwerk mit einem Foto, das ist die Basis. Und das baue ich dann nach. Wie ein Maler seine Palette mit Farben zusammenstellt, so stelle ich meine Palette mit den verschiedenen Holz-Farben zusammen. Dann säge ich drauf los, und setze das Bild wie ein Mosaik Stückchen für Stückchen zusammen. Am Ende habe ich dann fast eine fotorealistische Wiedergabe des Bildes vom Anfang."

Barack Obama, John F. Kennedy, Steve McQueen, aber auch den Starbucks-Becher oder die Converse-Allstars-Basketballschuhe – Ikonen der Popkultur nennt Diederick Kraaijeveld seine Motive.

"Ich habe mich schon immer sehr für populäre Kultur interessiert. Vor allem die 60er- und 70er-Jahre und ihre Bilder haben mich fasziniert. Ich habe Neuere Geschichte studiert, auch in den USA. Außerdem habe ich 20 Jahre lang als Journalist beim niederländischen Fernsehen gearbeitet, wo Bilder das Wichtigste sind. Das hat natürlich auch meine Kunst beeinflusst. Eigentlich wähle und baue ich immer die Motive, die ich selbst cool finde."

Mit Erfolg: Vor fünf Jahren hängte der heute 48-Jährige seinen Beruf als Redakteur an den Nagel und wurde Vollzeitkünstler. Inzwischen ist seine Arbeit in Galerien in Hamburg, London, Istanbul, Dubai und New York vertreten. Seine Werke kosten durchschnittlich 10.000 Euro. Der Materialwert hingegen: Null Euro, denn sein altes Holz findet Kraaijeveld im Abfall. Recycling bedeutet für den Künstler, etwas Schönes, Begehrenswertes aus dem zu schaffen, was andere Menschen wegwerfen, betont er.

"Das hier ist eine ehemalige Fahrrad-Garage, hier lager ich jetzt mein Holz, nach Farben sortiert. Hier vorne stehen die Planken, die ich von meinen Reisen mitgebracht habe: Detroit, Kenia, Türkei und Shanghai. Und hier habe ich das holländische Holz in Fächern: Rot, Gelb, Grün, Weiß, Schwarz, Blau und Orange. Und natürlich in allen Tönen der jeweiligen Farbe."

Was wichtig ist, denn Kraaijeveld verarbeitet das Holz genau so, wie er es gefunden hat. Nachcoloriert wird nicht. Jedes Stück hat seine ganz eigene Geschichte. Und die ist oft für das gesamte Bild von Bedeutung.

"Wenn ich ein Portät mache, versuche ich immer, etwas vom Hintergrund des Porträtierten einzuarbeiten. Zum Beispiel bei unserer Prinzessin Maxima. Maxima kommt aus Argentinien. Also habe ich ein Stückchen Holz aus Buenos Aires eingearbeitet, und - weil sie ja jetzt zu uns Holländern gehört – ein Stück Holz aus einer niederländischen Käsefabrik."

Maxima und Königin Beatrix – das waren Auftragsarbeiten. Wie viele der Porträts. Seit einigen Jahren kommen immer mehr Privatleute, die ihre Familie, ihre Kinder, aber auch ihr Auto oder eine Espressotasse für ihre Küche haben möchten - dargestellt durch Kraaijevelds ungewöhnliche und originelle Mosaik-Kunst. Manchmal allerdings wundert sich auch der Künstler über die Motivwahl.

"Ich hab neulich einen Auftrag aus Deutschland bekommen. Da wollte jemand ein Bild von seinem Haus. Das fand ich doch sehr speziell. Du sitzt also in deinem Haus, und in deinem Haus hängt dein Haus an der Wand, aus altem Holz. Das war ein ziemlich interessanter Auftrag."

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