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Neue Lebensformen ausprobieren

Derzeit ist es das Thema in den Feuilletons der Tageszeitungen: Second Life, die virtuelle Parallelwelt im Internet. Ab dem Sommersemester 2007 bietet die Universität der Künste in Berlin ein Studienmodul an, in dem die Studenten fiktive Geschäftsideen in Second Life entwickeln sollen. Das ist näher an der Realität als es klingt, denn viele Firmen haben sich bereits Repräsentanzen in der virtuellen Online-Welt aufgebaut.

Von Sandra Schulz |
    Ein Strand unter Sternenhimmel, brennende Fackeln, futuristische Gebäude im Hintergrund - das ist das virtuelle Setting im Second Life, in dem sich der Studiengang Leadership in Digitaler Kommunikation heute präsentiert. Karin Schlüter, eine der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen, hat ihren Stellvertreterin in der virtuellen Parallelwelt, ihren Avatar mit Namen Lizz Fapp schon vor geraumer Zeit ausgewählt. Wenn Sie wollte, könnte sie sich optisch aber jederzeit verändern.

    "Sie können den Avatar in bestimmten Formen anziehen und gestalten ... lange oder kurze Nase."

    Rund zwei Millionen Nutzer hat die virtuelle Parallelwelt Second Life bereits. Erste Hochschulen in Amerika arbeiten schon an Second-Life-Studiengängen, die die klassischen Studienangebote - Vorlesungen, Seminare, Übungen - in eine dreidimensionale Online-Welt verlegen. Für Thomas Schildhauer, den Direktor des Direktor des Institute of Electronic Business der Universität der Künste ist das System dafür aber noch nicht ausgereift genug:

    "Wir wählen einen etwas anderen Ansatz. Unser Ansatz ist weniger einen Campus aufzubauen, als viel mehr mit unseren Studenten in Second live unterwegs zu sein. Also kein virtueller Ort, an dem man jetzt eine Vorlesung hielte, sondern viel mehr Anschauungsmaterial in Second Life zu suchen."

    Die Teilnehmer des neuen Studienmoduls, das zum Sommersemester an der Universität der Künste anläuft, sollen selbst Second-Live Repräsentanzen für fiktive Firmen entwerfen. Ziel der Ausbildung ist es, die Regeln des neuen Mediums zu erlernen und die Fähigkeit, sich darin gestalterisch zu bewegen. Eine Fertigkeit, so die Prognose Schildhauers, die für Marketing, Mediengestalter und Kreative an Bedeutung zunehmen wird.

    "Second Life ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was alles schon möglich ist. In der zweiten Welt sich darstellen über so genannte Avatare. Zum anderen gibt es aber den konkreten Bezug zur Geschäftswelt. Es gibt eine Reihe von Unternehmen, die in Second Live ihre Repräsentanzen aufgebaut haben."

    Den Studiengang Leadership in Digitaler Kommunikation bietet die Universtität der Künste seit Oktober 2005 an, in Kooperation mit der Universität St. Gallen. Mit 1.500 Euro Gebühr pro Studienmodul und 12 erforderlichen Modulen auf dem Weg zum Master richtet sich der Studiengang an Absolventen, deren Geldbeutel gut gefüllt sind:

    "Einerseits an Mittelständische und größere Unternehmen, die im Marketingbereich angesiedelt sind, die solche Fragestellungen jetzt auf den Tisch bekommen. Wir haben aber auch Existenzgründer dabei, die sich in diesem Bereich selbständig machen. Wir haben aber auch Unternehmensberater dabei, also, es ist ein buntes Spektrum aus traditionellen Unternehmen, aber eben auch kleinen und Mittelständlern."

    Rund 15 Teilnehmer nimmt das Institute of Electronic Business pro Semester auf. Die Bewerbungsfrist für das Sommersemester 2007 läuft noch bis zum 15. Februar.