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Neue Strategie bei Bilfinger
Raus aus der Verlustzone

Was nicht Kerngeschäftsfeld des Baukonzerns Bilfinger sei, werde überprüft. Nach Angaben des amtierenden Vorstandschefs Per Utnegaard sind das Bereiche, die ein Leistungsvolumen von weniger als einer Milliarde Euro haben. Mit Fokussierung auf die Kerngeschäfte Industrie, Bau und Gebäudedienstleistungen will der Norweger den angeschlagenen Konzern aus der Krise führen.

Von Brigitte Scholtes | 15.10.2015

    Vor einem Geschäftshaus im Bankenviertel steht am 05.08.2014 in Frankfurt am Main (Hessen) ein Fahrzeug des Dienstleistungs- und Baukonzerns Bilfinger.
    Bilfinger-Chef Utnegaard rechnet für das laufende Jahr mit einer Leistung von 6,25 Milliarden Euro und einem bereinigten Ergebnis vor Steuern und Zinsen zwischen 150 und 170 Millionen Euro. (dpa / picture-alliance / Fredrik von Erichsen)
    Fokus-Fokus-Fokus – so ist die neue Strategie des angeschlagenen Mannheimer Baukonzerns Bilfinger überschrieben. Mit einer Fokussierung auf die beiden Kerngeschäftsfelder Industrie einerseits und Bau und Gebäudedienstleistungen andererseits will der seit Sommer amtierende Vorstandschef, der Norweger Per Utnegaard, den Konzern aus der Krise führen.
    "Diese neue Strategie ist eine umfangreiche Änderung für uns. Wir haben gesagt, wir gehen von drei Segmenten zu zwei Segmenten, Punkt Nummer Eins. Geografie: Wir alle sind ganz klar, was wir machen: Wir sind tätig in über 70 Ländern weltweit, und wir gehen zurück zu Europa. Und warum? Weil wir Marktführer sind, und ich kann viel stärker in unserem "homemarket" machen. Das ist eine riesige Änderung.
    Alles, was nicht "Core", also Kerngeschäftsfeld ist, werde überprüft, dazu gehören alle Bereiche, die ein Leistungsvolumen von weniger als einer Milliarde Euro haben, sagte Utnegaard:
    "Für non-Core, wir lassen alle strategischen Optionen offen."
    Rekordverlust von einer halben Milliarde Euro im ersten Halbjahr
    Verkauft werden soll die Kraftwerkssparte, das ehemals dritte Segment des Konzerns: Denn das leidet unter der Energiewende und dem Ölpreisrückgang. Dieser Verkauf soll im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Allein im ersten Halbjahr bescherte diese Sparte dem Konzern einen Rekordverlust von fast einer halben Milliarde Euro. Damit werde die Talsohle erreicht sein, sagte Finanzchef Axel Salzmann heute, dieses Ergebnis werde sich im kommenden Jahr, dass der Bilfinger-Vorstand als Übergangsjahr sieht, nicht wiederholen. Bilfinger-Chef Utnegaard rechnet für das laufende Jahr mit einer Leistung von 6,25 Milliarden Euro und einem bereinigten Ergebnis vor Steuern und Zinsen zwischen 150 und 170 Millionen Euro. Der Norweger pocht auf strikte Kostendisziplin:
    "Kosten sind ein sehr, sehr wichtiges Thema. Wir müssen konkurrenzfähig oder wettbewerbsfähig sein. In der Vergangenheit haben wir bei Bilfinger Geld verdient, und wir haben nicht so ganz genau also auf die Kostenstruktur geschaut. Wenn ich gucke auf andere Wettbewerber, haben sie eine viel bessere Struktur als wir haben. Jede erfolgreiche Firma in verschiedenen Branchen sind immer führend bei den Kosten, und wir werden auch dieses Ziel erreichen."
    Kosteneinsparungen dringend notwendig
    Diese Kosteneinsparungen seien aber auch notwendig, meinen Analysten, denn die Reorganisation werde sicher Geld kosten. Da aber blieb der Konzern heute Zahlen schuldig, die will er im Frühjahr nachliefern.
    Fokussieren will sich der Konzern nicht nur regional und auf nun nur noch zwei Segmente, sondern auch auf bestimmte Kunden, sagte Utnegaard. Denn vier Fünftel seiner Leistung erbringe der Konzern mit 100 Kunden. Die haben ihren Sitz in Europa, und die Beziehungen mit ihnen will man intensivieren. So könne man im Heimatmarkt auch den Anteil von heute etwa fünf Prozent steigern, hofft Bilfinger.