Donnerstag, 09. Dezember 2021

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Neue Zölle auf chinesische ImporteDeutsche Industrie alarmiert

Waffenstillstand im Handelsstreit zwischen den USA und China war einmal: US-Präsident Donald Trump neue Zölle auf Importe aus China angekündigt, und nicht nur auf Industriegüter. Deutsche Firmen fürchten, die Nachfrage nach ihren weltweit verkauften Investitionsgütern könnte sinken.

Von Brigitte Scholtes | 02.08.2019

Chinesische Arbeiter bauen eine Smart-Watch zusammen.
In China gefertigte Uhren könnten bald für amerikanische Verbraucher teurer werden (AFP)
Die Ankündigung neuer Sonderzölle auf chinesische Produkte verunsichert Wirtschaft und Finanzmärkte. Der amerikanische Präsident Donald Trump will von September an solche Zölle von zunächst zehn Prozent auf bisher davon verschonte chinesische Waren im Volumen von 300 Milliarden Dollar verhängen.
Es gehe um die Zukunft des Welthandelssystems, erklärt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank: "Der Konflikt verleitet die Unternehmen jetzt schon, weniger zu investieren in all diese Aktivitäten, die eben global sind. Das merken die Volkswirtschaften dann auch im Inneren. Dieser Effekt ist der hervorstechendste, das haben wir in den letzten Monaten erlebt. Und der wird durch die fortdauernde Ankündigung weiterer Maßnahmen verlängert und sogar vertieft."
Industrieverband: "Neue Zölle besorgniserregend"
Diese neuen Zölle seien "besorgniserregend", meldete sich auch der Bundesverband der deutschen Industrie zu Wort. Denn die deutschen Unternehmen fürchten, dass dann die Nachfrage nach ihren weltweit verkauften Investitionsgütern sinkt.
Nun steigt auch die Sorge, dass Trump bald seine Zolldrohungen gegenüber der EU verschärfen könnte, hier hat er ja vor allem Autos im Visier. China wolle zwar keinen Handelskrieg, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking, aber sollte es dazu kommen, habe man keine Scheu, ihn auszufechten. Denn China werde sich niemals erpressen lassen.
ING-Experte: "Jetzt zahlen die US-Verbraucher die Zeche"
Das Land könne jedoch relativ gelassen bleiben, glaubt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland. Ein Grund: Die Zeit spiele den Chinesen in die Hände. Schließlich nahen die Präsidentschaftswahlen in den USA, und da braucht Trump Erfolge. Der andere Grund: Die neuen Zölle werden erhoben auf Handys, Laptops, Spielzeug oder Schuhe, und das dürfte sich auch in den USA auswirken:
"Das sind Zölle, die vor allem Konsumgüter treffen werden. Wir hatten bisher Zölle auf Stahl, auf Aluminium, das wurde von den Produzenten weggeschluckt, das tat den Chinesen mehr weh. Jetzt wird die Zeche der amerikanische Verbraucher, der Konsument, bezahlen. Und damit werden halt seine Zölle nicht nur den Chinesen weh tun, vielleicht gar nicht weh tun, sondern vor allem wirklich negativ sein für die amerikanische Konjunktur."
Damit dürften Trumps Forderungen an die unabhängige Notenbank Fed, die Zinsen weiter zu senken, noch lauter werden und wahrscheinlich Erfolg haben, fürchtet Dekabank-Chefvolkswirt Kater: "Die Notenbank hat aufgrund ihres Auftrags, die Konjunktur stabil zu halten, dann keine Wahl, als auf die Handlungen dieses Präsidenten zu reagieren."
Auch Japan und Südkorea im Clinch
Doch nicht nur zwischen den USA und China eskaliert der Handelskonflikt. Auch zwischen Japan und Südkorea nehmen die Spannungen zu. Weil Südkorea von Japan Entschädigungen fordert für seine Zwangsarbeiter in der Kolonialzeit, hat Japan nun Südkoreas Handelsvergünstigungen gestrichen. All das zeige, dass das bisher etablierte Welthandelssystem in Gefahr ist, glaubt Kater:
"Wir werden uns wahrscheinlich von alten Organisationsformen verabschieden müssen in bestimmten Sektoren. Es wird dann eine Spaltung der Weltwirtschaft geben, was die Produktion und auch den Einsatz, das heißt den Verbrauch von Gütern angeht, und zwar umso stärker, je höher der Technologiegehalt von Gütern ist und natürlich desto stärker die Bedeutung für die nationale Sicherheit ist. Es wird eine Weltwirtschaft übrig bleiben, die global ist, die in einfacheren Gütern unterwegs ist. Auf diese Veränderungen müssen sich die Unternehmen einstellen."