Mittwoch, 21.11.2018
 
Seit 22:05 Uhr Spielweisen
StartseiteHintergrundNeuer Anlauf in Richtung Wiedervereinigung02.09.2008

Neuer Anlauf in Richtung Wiedervereinigung

Vor dem Beginn der Verhandlungen über die Zukunft Zyperns

Der Zyperntürke Mehmet Ali Talat und der Zyperngrieche Dimitris Christofias wollen die Vereinigung Zyperns möglich machen. Nationalisten in beiden Teilen der Insel kritisieren die Bemühungen von Christofias und Talat als unpatriotisch. Doch Zyperns Außenminister Markos Kyprianou glaubt, die Chancen für eine Wiedervereinigung seien besser als je zuvor.

Eine Sendung von Doris Simon

Einziger Durchlass der UNO-Pufferzone ist der Checkpoint Ledra-Palast in der geteilten Hauptstadt Zyperns, Nikosia. (AP)
Einziger Durchlass der UNO-Pufferzone ist der Checkpoint Ledra-Palast in der geteilten Hauptstadt Zyperns, Nikosia. (AP)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast

"Wir haben gemeinsame traditionelle Lieder, die Musik ist die gleiche, nur singen die türkischen Zyprer auf türkisch und die griechischen Zyprer auf griechisch. Wir haben viele solche Lieder, und die traditionellen Tänze sind auch dieselben."

Der Text des Liedes, das Yusuf und Costas singen, ist dramatisch, aber fern aller Politik, es geht um ein schönes Mädchen mit blutroten Lippen. Das an sich ist schon bemerkenswert, denn in Zypern bleibt selten etwas unpolitisch. Das gemeinsame Singen von Yusuf und Costas jedenfalls ist hochpolitisch: Denn Yusuf stammt aus dem türkischsprachigen Norden der Insel und Costas aus dem griechischsprachigen Süden. Seit 1975 trennt eine scharf bewachte Grenze die beiden Inselteile.

Das war nicht immer so, schließlich haben griechische und türkische Zyprer jahrhundertelang gemeinsam auf der Insel gelebt.

Es waren radikale Nationalisten, die in den sechziger Jahren auf beiden Seiten das Klima in der jungen Republik Zypern vergifteten. Im griechischen Süden glaubten manche, man könne die türkischen Zyprer durch Terror vertreiben, blutige Anschläge waren damals an der Tagesordnung. 1974 kam es zu einem griechischen Militärputsch auf der Insel, die darauf folgende Invasion der türkischen Armee besiegelte den Exodus von über 100.000 Inselgriechen aus der Nordhälfte in den mehrheitlich griechischen Süden, wo zugleich zehntausende türkischer Zyprer ihre Häuser verließen um im Norden Schutz zu suchen. Die Kontakte und Verbindungen zwischen beiden Volksgruppen rissen danach fast völlig ab, ehemals gute Nachbarn sahen sich nie wieder.

Auf der Insel brach eine politische Eiszeit an. Erst viele Jahre später entwickelten sich - oft auf Initiative der Vereinten Nationen - einzelne kleine Projekte auf unterster Ebene. So hatte 1997 jemand in der UNO-Vertretung in Nikosia die Idee, gemeinsames Singen könne helfen, die Zyprer zusammenzubringen und alte Ängste zu überwinden. Der erste und einzige bikommunale Inselchor war geboren. Aber gemeinsame Proben waren eine logistische Herausforderung, erinnert sich Costas an den Anfang:

"Die Proben konnten nur im UN-Gebäude Ledra Palast mitten auf der Demarkationslinie stattfinden. Der einzige andere Ort, wo man sich noch treffen konnte auf der Insel, war das Dorf Pyla - da ging es, weil Pyla in der Pufferzone liegt da konnten Menschen aus beiden Gemeinschaften hin."

Doch mit den Chorproben an der scharf bewachten Demarkationslinie war schon ein Jahr später, 1998, wieder Schluss. Der damalige türkisch-zyprische Führer Rauf Denktasch verbot alle Kontakte mit griechischen Zyprern, erinnern sich Yusuf und Costa :
"Ya Taksim ya Olum - Teilung oder Tod. Der war ganz energisch gegen jedes Treffen von Menschen aus beiden Volksgruppen."

Aus Protest gegen die erneute erzwungene Trennung trafen sich die griechischsprachigen Chorsänger weiter zum Singen. Vorher schickten sie jedes Mal eine E-Mail an ihre verhinderten Mitsänger im Norden: in Gedanken seien sie bei ihnen. Ein Konzert in Pyla, dem Dorf in der Pufferzone, verhinderte die UNO, angeblich aus Sicherheitsgründen.

"Wir haben dann auf freiem Feld gesungen. Unter der Sonne, unter den Bäumen, der Wind hat unsere Stimmen verweht, die Mikrophone fielen um. Es war - na, wie soll ich sagen - ja, ein Feldkonzert."

Seither haben sich die Zeiten dramatisch geändert. Für Yusuf und Costas, die mit ihren Sängerfreunden längst regelmäßig auf der Insel auftreten, aber auch für ganz Zypern. Das sichtbarste äußere Zeichen ist die zunehmende Durchlässigkeit der Demarkationslinie in beide Richtungen, die Öffnung von Grenzübergängen: Türkische Zyprer fahren zur Arbeit und zum Einkauf in den Süden, viele griechische Zyprer suchen am Wochenende gerne die weniger überlaufenen Strände im türkischsprachigen Norden auf.

Doch für den entscheidenden Stimmungswandel auf Zypern ist vor allem ein Mann verantwortlich: Der neue Präsident Demetrias Christofias im Süden. Der Kommunist war angetreten mit dem Ziel, die Teilung der Insel zu beenden. Dass er als Kommunist zum Oberhaupt einer Republik gewählt wurde, deren Wirtschaft floriert und die keine Arbeitslosigkeit kennt, das sei durchaus kein Zufall, sagt der neue Präsident.

"Meine Partei ist eine besondere Partei. Sie hat schon immer versprochen, sich für die Menschen in beiden Gemeinschaften einzusetzen."

Christofias hielt Wort: Kaum im Amt, traf er im März Mehmet Ali Talat, den Führer der türkischen Zyprer, den er schon lange kennt, und vereinbarte mit ihm Verhandlungen mit dem Langzeitziel Wiedervereinigung. Talat steht im Norden Zyperns ebenso sehr wie Christofias im Süden für einen Neuanfang und den Aufbruch in eine gemeinsame Zukunft der Menschen auf der Insel. Nationalisten in beiden Teilen der Insel kritisieren die Bemühungen von Christofias und Talat als unpatriotisch. Doch Zyperns Außenminister Markos Kyprianou glaubt, die Chancen für eine Wiedervereinigung seien besser als je zuvor:

"Die Chemie zwischen den beiden ist wichtig. Wir wissen, wie komplex das Problem ist, da müssen wir mit Schwierigkeiten rechnen. Wenn wie hier die Chemie stimmt, eine persönliche Beziehung da ist, dann setzt man sich hin und findet am Ende auch eine Lösung."

Zwei Landesteile mit zwei gleichberechtigten Gemeinschaften unter dem Dach einer Republik Zypern, mit einer zyprischen Staatsbürgerschaft, das ist das Ziel. Morgen beginnen erstmals direkte Verhandlungen zwischen den Repräsentanten beider Volksgruppen auf Zypern, morgen, ebenfalls am Tisch, ist der UNO-Sonderbeauftragte Alexander Downer. Internationale Vermittlungsbemühungen waren über die Jahrzehnte ohne Erfolg geblieben. Zuletzt scheiterte vor vier Jahren der sogenannte Annan-Plan. Die türkischen Zyprer hatten dem UN-Modell begeistert zugestimmt, für sie war es die Aussicht auf das Ende der jahrzehntelangen Isolation. Sie wollten ebenso wie die griechischen Zyprer EU-Bürger mit allen Rechten werden. Doch die griechischen Zyprer lehnten den Annan-Plan in einem Referendum ab, sie folgten dem damaligen Präsident Papadopoulos, der in dem Modell der Vereinten Nationen eine deutliche Bevorzugung des Inselnordens sah.

Nun gehört Zypern seit 2004 zwar als Ganzes der Europäischen Union an, da die Teilung völkerrechtlich nicht existiert. Doch die Menschen im Norden profitieren kaum davon, auch wenn über EU-Sonderprogramme viele Millionen in den türkischen Teil Zyperns fließen, denn im Norden kann kein EU-Recht durchgesetzt werden. Die faktische Teilung der Insel ist für die EU ein ernstes Problem, daher drängt sie zu einer Einigung und verfolgt die direkten Gespräche mit großem Interesse.

Die Erfolge beschränken sich bislang vor allem auf die Bereiche Umwelt und Verkehr. In den Arbeitsgruppen, die die heißen politischen Eisen behandeln sollen, sind türkische und griechische Zyprer noch weit auseinander. Besonders umstritten ist die Eigentumsfrage, der Anspruch von zehntausenden von Zyprern auf ihre ehemaligen Häuser, Fabriken und Grundstücke, die heute von anderen bewohnt und genutzt werden. Der Architekt Meletis Apostolides ist aufgewachsen in einem Dorf, das heute im türkischen Teil der Insel liegt. Vor fünf Jahren fuhr der 58jährige erstmals nach 29 Jahren wieder zu seinem Elternhaus nach Lapithos. Von außen war es unverändert. Als Apostolides klingelte, öffneten ihm türkische Zyprer, die neuen Bewohner.

"Ich konnte es verstehen, dass da jemand in meinem Haus lebt, nach der abnormalen Situation all die Jahre. Außerdem gehören die Bewohner zu einer Familie, die schon lange in unserem Dorf lebt."

Die neuen Bewohner führten Apostolides durch sein Elternhaus, boten ihm Tee an. Dem 58jährigen stehen Tränen in den Augen, wenn er von diesem ersten Besuch in Lapithos nach fast 30 Jahren erzählt: So viele Erinnerungen sind für ihn mit diesem Haus verbunden. Deshalb würde er das Haus auch gerne zurückbekommen. Aber wie, das weiß Apostolides selber nicht:

"Eine schwierige Frage. Ich weiß, dass wir viele Kompromisse machen müssen, aber ich hoffe, nicht in meinem Fall. Sicher, 35 Jahre sind eine lange Zeit. Als ich da war, sah ich die Kinder der neuen Bewohner, die sind da geboren. Das ist ein ganz komisches Gefühl, die sehen das auch als ihr Haus. Auch wenn wir alle wissen, wie es dazu gekommen ist."

Der türkische Norden Zyperns ist völkerrechtlich nicht anerkannt, und so bleiben die geflohenen griechisch-zyprischen Besitzer weiterhin rechtmäßige Eigentümer ihrer Häuser und Grundstücke im Norden.

Auch türkische Zyprer klagen auf Entschädigung für Häuser und Grundstücke vor Gerichten im griechischen Süden.

Die Eigentumsfrage ist kein Randproblem, jeder auf Zypern kennt jemanden, der direkt betroffen ist. Özdan hat ein Geschäft für Fußballtrikots im Basar im türkischen Teil Nikosias. Seine Familie habe immer im Norden gelebt und sich nach 1974 nach der Teilung nicht bereichert, erzählt der 21jährige:

"Es gibt viele Leute hier, die griechischen Besitz übernommen und dann verkauft haben. Die bekommen eines Tages echte Probleme. Aber mein Vater hat türkischen Grund gekauft, und wenn die Vereinigung kommt, dann kann er die Urkunden vorweisen. Die anderen, mit den gefälschten Unterschriften, die haben dann ein Problem."

Erstattung, Rückgabe oder Ausgleichszahlung: Man werde die Eigentumsfrage ebenso wie das Rückkehrrecht lösen, hat Mehmet Ali Talat, der Führer der türkischen Zyprer, vor drei Monaten versprochen. Lelos Demetriades war fast dreißig Jahre lang Bürgermeister von Nikosia. Noch länger kämpft er für den Ausgleich mit dem türkischen Norden. Auf einer Insel, wo in beiden Teilen lange die Ideologen das Wort führten, ist der alte Demetriades ein Pragmatiker geblieben:

"Ich bin Anwalt. Aber ich glaube nicht, dass diese Probleme rein rechtlicher Natur sind. Natürlich geht's auch um rechtliche Aspekte. Aber all das löst man besser nicht mit den Mitteln des Rechts, sondern politisch."

Dasselbe gelte auch für die Frage der türkischen Siedler, legt Rechtsanwalt Demetriades nach. Die könne man nicht alle aus dem Land werfen, so wie das einige im griechischen Inselsüden fordern. Nach der türkischen Militärinvasion 1974 schickte die Türkei Siedler aus Anatolien in den Norden Zyperns: 120- bis 200.000 Türken sollen heute dort leben, genaue Zahlen gibt es nicht. Allein mit juristischen Argumenten komme man nicht weit, sagt der alte Anwalt: Schließlich lebten viele der Siedler bereits seit über 30 Jahren auf Zypern, ihre Kinder würden kein anderes Land kennen.
Viele griechischen Zyprer werden nicht müde, darauf hinzuweisen, wie sehr sich die Siedler von den Inseltürken unterschieden: Weltlich, gebildet und offen seien die türkischen Zyprer, dagegen seien die Siedler aus der Türkei einfach, rückständig und tiefreligiös. Tatsache ist, dass die Gemeinschaft im Norden der Insel durch die Zuwanderer vom türkischen Festland deutlich gewachsen ist. Bei einer Wiedervereinigung müssten die türkischen Siedler gehen, fordert Markos Kyprianou, der Außenminister der Republik Zypern:

"Die Siedler sind eine Folge des Krieges und der Verletzungen der Genfer Konvention. Aus prinzipiellen Erwägungen sollten sie daher die Insel verlassen. Aus humanitären Gründen werden einige ausnahmsweise bleiben dürfen. Der Präsident hat, glaube ich, von 50.000 gesprochen, die bleiben könnten."

Der Führer der türkischen Zyprer, Mehmet Ali Talat, widerspricht dem. Talat will die Bevölkerung im Norden nicht nach Alt- und Neubürgern sortieren lassen.

"Die im Süden sind 700.000 oder 600.000, die türkischen Zyprer sind 200.000. Wo ist das Gleichgewicht, von dem die Inselgriechen sprechen? Wir sollten Menschen nicht nach ihrer Herkunft unterscheiden und diskriminieren, das ist sehr wichtig, wirklich entscheidend!"

Das alles macht die direkten Verhandlungen, die morgen beginnen, nicht leichter. Hinzu kommt ein weiteres, besonders komplexes Problem: Die Zukunft des türkischen Militärs auf der Insel. 43.000 türkische Soldaten sind seit der Invasion 1974 im Norden der Insel stationiert. Die Türkei begründet die Truppenstationierung mit dem Schutz der türkischen Zyprer und findet dabei durchaus deren Unterstützung. Zu frisch sind die Erinnerungen an die sechziger und siebziger Jahre, als griechischsprachige Extremisten mit Anschlägen und Morden die türkischsprachige Minderheit auf der Insel verfolgten. Mehmet Ali Talat, der Führer der türkischen Zyprer:

"Wenn sie auf die Straße gehen, dann sagen Ihnen 95 Prozent der Leute, dass die türkische Armee bleiben soll. Warum? Aus Mangel an Vertrauen!"

Dass Mehmet Ali Talat die Präsenz der türkischen Armee auf Zypern rechtfertigt, ist keine Überraschung. Der türkische Norden ist von der Regierung in Ankara abhängig, die jährlich ein paar hundert Millionen Euro überweist. Ohne die Kontakte und ohne den Handel mit der Türkei wären die türkischen Zyprer völlig isoliert. Die selbsternannte Republik Nordzypern ist von keinem anderen Land der Welt außer der Türkei anerkannt. Doch auch in Ankara gibt es unterschiedliche Vorstellungen zur Zukunft der Insel. Vor allem die Armee steht den Wiedervereinigungsverhandlungen ablehnend gegenüber. Die türkische Regierung dagegen will die Annäherung an Europa nicht wegen Nordzypern gefährden. Ohne eine Lösung des jahrzehntealten Konfliktes bleibt ein EU-Beitritt in weiter Ferne.

Im Norden und Süden der Insel setzt man auf die Regierung Erdogan: Unter ihr habe sich mehr bewegt als alle Jahre zuvor. Mit Argusaugen verfolgen die Zyprer den derzeitigen Machtkampf zwischen Regierung und Armee in der Türkei; vom Ausgang hängt viel ab für ihre Insel. Man wolle endlich ohne Schutzmächte leben, sagt Präsident Christofias: Ohne türkische, griechische und auch ohne britische Truppen. Deren Militärbasen besetzen in der früheren Kolonie Zypern immer noch drei Prozent des Inselgrundes:

"Wir bedanken uns bei unseren Mutterländern für alles Gute und Schlechte, aber lasst uns endlich frei und in Ruhe! Zypern könnte ein Paradies werden."

Wie fast alle Inseltürken hat auch Özdan einen Personalausweis der Republik Zypern in der Tasche. Das nutzt nicht nur ihm: Die Regierung im Süden untermauert mit der Ausgabe ihren Alleinvertretungsanspruch für alle Zyprer, und die türkischen Zyprioten haben mit dem Personalausweis Anspruch auf kostenlose Behandlung im Süden beim Arzt und im Krankenhaus. Özdan hat sich auch einen Pass ausstellen lassen, damit er sich außerhalb Nordzyperns so frei bewegen kann wie jeder EU-Bürger.

Für den jungen Mann aus Nordnikosia ist die Wiedervereinigung eine Frage der Zeit. In seiner Freizeit lernt er griechisch, so wie viele im türkischsprachigen Norden. Im Süden registrieren die Sprachschulen immer mehr Zulauf für die Türkischkurse. Özdan ist stolz, ein türkischer Zyprer zu sein, aber es beeindruckt ihn, wie gut im Süden alles funktioniert, vor allem aber, dass er dort als türkischer Zyprer nicht anders als die Inselgriechen behandelt wird. Sein Vater habe dies am eigenen Leib gespürt, als er nach einem Herzinfarkt in den Süden gebracht und dort kuriert wurde, berichtet Özdan:

"Früher hat mein Vater anders über die Griechen gedacht, das war, nachdem Freunde und Verwandte in den Kämpfen umgebracht wurden. Und jetzt wo die Zeit vergeht, verändert sich selbst die Einstellung meines Vaters. Und das war die Generation, die gekämpft hat! Jetzt nach 35 Jahren sieht er den Unterschied. Er kommt besser klar mit den griechischen Zyprern und ihren Behörden als mit den Menschen und Behörden im Norden. "

Vieles auf Zypern hat lange gedauert. In diesem Sommer haben sich zum ersten Mal Angehörige von Vermissten und Toten aus den Kämpfen von 1974 getroffen. Jahrzehntelang hatte jede Seite nur das eigene Leid gesehen. Viele Menschen haben sich über die Jahrzehnte eingerichtet und arrangiert mit der Situation, einige wenige, vor allem im Süden, sind sogar überzeugt, dass es besser ohne den Norden weitergeht. Meletis Apostolides gehört nicht zu ihnen. Er hofft, dass die direkten Verhandlungen, die morgen beginnen, den Beginn markieren vom Ende der Teilung Zyperns.

"Wir sind mit diesem Problem geboren worden und wir möchten unser Leben nicht mit diesem Problem beenden. Wir brauchen eine Lösung, und die muss bald kommen. "

Costas und Yusuf, die Männer vom gemischten Inselchor, schauen sich die Aufnahme eines ihrer Konzerte an. Zum Abschluss singen die Männer und Frauen aus dem Norden und aus dem Süden Zyperns immer dasselbe Lied.

"Die Worte bedeuten: Jeder Mensch muss sein Land lieben, so sagt es mein Vater zu mir. Aber mein Land ist gespalten. Welchen Teil soll ich lieben? Wir singen das in beiden Sprachen. Am Ende des Konzertes heben wir unsere Hände und umarmen uns. Wenn Sie das sehen, 60 Erwachsene auf einer Bühne, die das tun, dann brauchen sie keine politische Analyse, wie die Lösung für Zypern aussehen muss. Wir erwarten von unseren Führern, einen Weg zu finden, um sich zu einigen."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk