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Neuer Schauraum "Comic+Cartoon" "Der Comic war das erste Massen-Bildtext-Medium"

Comics boomen in Deutschland. Lange Zeit wurde das Medium bei uns jedoch als minderwertig angesehen. Das ändere sich allmählich, sagte die Projektleiterin des neuen Schauraums "Comic+Cartoon" in Dortmund, Nassrin Sadeghi, im Dlf. Zumal der Comic gut zum digitalen Zeitalter passen würde.

Nassrin Sadeghi im Corsogespräch mit Juliane Reil | 08.04.2019

Der Schauraum"Comic + Cartoon" von außen mit großflächigen Plakaten von Comicfiguren wie Popeye oder Donald Duck.
Der Schauraum"Comic + Cartoon" in Dortmund eröffnet mit einer Ausstellung zu Disney Zeichner Carl Barks. ( Bild: Roland Gorecki, Dortmund Agentur )
Deutschland ist nicht das Land des Comics. Viele Jahrzehnte wurden hierzulande Comic-Strips als minderwertig - als Trivialliteratur - empfunden. Damit tat man dem Medium "Comic" allerdings Unrecht. Das erkannten auch die großen deutschen Belletristik-Verlagshäuser. Heute boomt das Comic-Geschäft.
Trotzdem hinkt Deutschland hinterher, den Comic als Kunstform anzuerkennen. Es gibt zum Beispiel nur wenige Museen und Ausstellungen, die sich Comics widmen. In Dortmund jedoch hat gestern der neue Schauraum "Comic + Cartoon" eröffnet. Die erste Ausstellung dort heißt "Ente Süß Sauer. Carl Barks und die Folgen ". Sie zeigt Arbeiten des Disney-Zeichers Carl Barks rund um Donald Duck & Co. Nassrin Sadeghi ist als Projektleiterin für "Comic + Cartoon" verantwortlich.
Proberaum mit Laborcharakter
Im Dlf sagte sie: "Der Schauraum ist ein Proberaum, und er hat Laborcharakter." In den ersten drei Jahren sollen verschiedene Formate mit unterschiedlichen Partnern ausprobiert werden, so Sadeghi weiter. Die Idee sei es, Comics kennenzulernen, Comics selber zu machen und überhaupt "Sehen" zu lernen. "Man kann schon lernen, einen schlechten von einem guten Comic zu unterscheiden", erklärte Sadeghi, indem Zeichnungen desselben Motivs zum Beispiel von zwei unterschiedlichen Zeichnern gegenübergestellt werden.
Comic als Spiegelbild der menschlichen Natur
In Dortmund eröffnet der neue Ausstellungsraum mit Arbeiten von Carl Barks, der als Zeichner bei Walt Disney die Figur "Donald Duck" mitentwickelt hat und später Entenhausen erfunden hat. Donald Duck hat es in den vergangenen acht Jahrzehnten zur populärsten Figur im Disney-Imperium gebracht. Nicht wegen seiner Stärken, sondern wegen seiner Schwächen. Er ist faul, nicht gerade vom Glück verfolgt und manchmal bekommt er einen kleinen Wutanfall. Die Figur sei facettenreich und von Barks nicht als Stereotyp angelegt, meinte Sadeghi, das sei das Geheimnis des Erfolgs dieser Figur. "Mit all seinen Ausprägungen und seiner Unberechenbarkeit ist Donald Duck der Natur des Menschen sehr nah."
Comic passt zum digitalen Zeitalter
Der Comic boome und finde mitterweile auch in Deutschland mehr Anerkennung. In der digitalen Gesellschaft hätten wir ganz stark mit dem Zusammenhang von Bild und Text zu tun, meint die Projektleiterin des neuen Schauraums, das sei ein möglicher Grund für den Boom: "Der Comic war nun einmal das erste Massen-Bildtext-Medium." Darum könnten wir auch heute noch viel von ihm lernen, meinte Sadeghi.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.