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StartseiteThemaWie man sich auf Corona testen lassen kann16.02.2021

Neuer Selbsttest als Ergänzung Wie man sich auf Corona testen lassen kann

Es gibt viele Gründe, sich freiwillig und ohne Symptome oder Verdacht auf eine Corona-Erkrankung testen zu lassen. Welche Tests sind auf dem Markt, was kosten sie und wo kann man sich testen lassen? Was hat es mit den geplanten neuen Selbsttests für zu Hause auf sich? Ein Überblick.

Eine Frau lässt sich testen (picture alliance/Geisler-Fotopress/Christoph Hardt)
In Deutschland gibt es laut RKI im Moment mehr als eine Million Coronatests pro Woche (picture alliance/Geisler-Fotopress/Christoph Hardt)
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Die aktuelle nationale Teststrategie der Bundesregierung sieht vor, dass vor allem Personen getestet werden, die selbst Covid-19-Symptome haben oder engen Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten. Anlassloses Testen führe zu einem falschen Sicherheitsgefühl und belaste die Testkapazitäten, argumentiert die Bundesregierung. 

Nun stehen offenbar eine Reihe von Corona-Schnelltests für den Hausgebrauch vor der Zulassung, die das bisherige Testangebot von Praxen und Testzentren ergänzen sollen. Die neuen Selbsttests könnten Lockerungen von Corona-Maßnahmen ermöglichen, so die Hoffnung. Nach einer möglichen Zulassung stehen laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Bund-Länder-Gespräche über die weitere Strategie an. 

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Welche Coronatests gibt es und wie laufen sie ab?

Es gibt weltweit mehr als 350 verschiedene Tests, die sich grob in drei Kategorien gliedern lassen: PCR-, Antigen- und Antikörpertest.

1. PCR-Test

Der PCR-Test gilt als "Goldstandard" unter den Tests. Geschultes medizinisches Personal entnimmt Sekret aus dem Rachenraum der getesteten Person, indem es spezielle Wattestäbchen weit in den Mund und beide Nasenlöcher einführt. Die Proben werden in speziellen Laboren ausgewertet und weisen das Erbgut des Erregers SARS-CoV-2 direkt nach. PCR-Tests gelten als sehr empfindlich, aufwendig, teuer, aber auch als langsam. Mittlerweile gibt es zwar auch PCR-Schnelltests, die in mobilen Geräten vor Ort in weniger als einer Stunde ausgewertet werden können. Sie sind aber noch nicht massentauglich.  

2. Professionell angewendete Antigentests

Ein Antigentest funktioniert wie ein Schwangerschaftstest: Er forscht nach bestimmten Eiweiß-Molekülen, die charakteristisch für die Viren sind, und zeigt das Ergebnis auf einem Teststreifen an. Das geht schneller als bei einem klassischen PCR-Test. Antigentests werden deshalb auch Schnelltests genannt und als solche angeboten. Die Probenentnahme erfolgt wie beim PCR-Test als Abstrich mit einem langen Stäbchen, das tief in Nase oder Rachen eingeführt wird, und sollte ebenfalls nur von geschultem Personal gemacht werden. Solche Antigentests kommen hauptsächlich in Kliniken und Pflegeheimen zum Einsatz. Sie sind mittlerweile auch in der Apotheke erhältlich, allerdings nicht für Privatpersonen.

Ein Mitglied des medizinischen Personals steckt ein Wattestäbchen nach einem PCR-Abstrich zum Test auf COVID-19 in ein Röhrchen. (picture alliance/dpa/Michael Kappeler) (picture alliance/dpa/Michael Kappeler)Corona-Teststrategie - Was können die Antigen-Schnelltests? 
Antigentests können innerhalb einer Viertelstunde anzeigen, ob jemand stark infektiös ist oder nicht. Doch die Tests sind auch weniger präzise. Aufwendige PCR-Tests werden sie nur teilweise ersetzen können.

3. Antigentests als Selbsttests für zu Hause

Noch ist in Deutschland kein Schnelltest für den Hausgebrauch zugelassen. Medienberichten könnte es aber im März soweit sein: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte prüft demnach Anträge für rund 30 verschiedene Produkte. Antigentests als Selbsttests sind leichter zu handhaben als die bisherigen Antigen-Schnelltests und können deshalb auch von Privatpersonen zu Hause angewendet werden - etwa weil der Abstrich in der Nase viel weiter vorne gemacht wird. Ein solcher Selbsttest wurde beispielsweise in den USA im November zugelassen. Ein batteriebetriebenes Testgerät zeigt hier nach 30 Minuten das Endergebnis per Lämpchen an. Einer Studie der Berliner Charité hat ergeben, dass auch Laien auf diese Art zuverlässig testen. Eine andere Testvariante sind Spuck- oder Gurgeltests, bei denen mit einer Lösung gegurgelt und anschließend das ausgespuckte Gurgelwasser untersucht wird. Diese Methode gibt es bereits in Österreich.

Jemand führt einen PCR-Selbsttest mittels Gurgelmethode durch (picture alliance - dpa / APA / picturedesk.com / Georg Hochmuth) (picture alliance - dpa / APA / picturedesk.com / Georg Hochmuth)Bas (SPD): Selbsttests schon jetzt in Teststrategie aufnehmen 
Die SPD-Politikerin Bärbel Bas forderte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Dlf dazu auf, eine Teststrategie vorzulegen, die die bislang noch nicht zugelassenen Heimtests einbindet.

4. Antikörpertest (serologische Tests, ELISA)

Ein Antikörpertest sucht Antikörper im Blut, die spezifisch gegen ein Virusprotein gerichtet sind. Dadurch lässt sich feststellen, ob der Körper eine Infektion durchgemacht hat. Die Blutprobe wird im Labor ausgewertet, kann als Schnelltest aber auch auf eine Testkassette gegeben werden, die sich bei positivem Befund verfärbt.  

Eine Frau trinkt einen Schluck Wasser (gestellte Szene) (picture alliance/ Christin Klose) (picture alliance/ Christin Klose)Coronatest: Gurgeln statt Rachenabstrich
Angenehm ist der Coronatest nicht, bei dem einem mit einem Wattestäbchen ein Abstrich aus Nase und Rachen genommen wird. Bequemer wäre es zu gurgeln - und das Gurgelwasser auf SARS-CoV-2 testen zu lassen. 

Wie zuverlässig sind die Coronatests jeweils?

Die Tests, allen voran der PCR-Test, gelten laut RKI als sehr zuverlässig. Die Hersteller geben eine Genauigkeit von über 99 Prozent an - ganz fehlerfrei sind sie damit nicht. 

Der PCR-Test ist so empfindlich, dass er selbst geringste Bruchstücke von SARS-CoV-2 nachweisen kann - selbst wenn die Infektion bereits abklingt  und der Patient nicht mehr ansteckend ist. Der unempfindlichere Antigentest liefert dagegen vor allem die Antwort auf die Frage, ob der Patient zum Testzeitpunkt ansteckend ist oder nicht, also viele Viren im Rachen hat. Sich gerade erst anbahnende Infektionen könnte er aber übersehen. Ein Antikörpertest könnte auch bei Antikörpern Alarm schlagen, die der Körper gegen ein anderes Coronavirus gebildet hat. Auch der Zeitpunkt ist entscheidend: Der Körper weist erst nach einiger Zeit Antikörper auf. 

Auf dem Markt tummeln sich zudem viele Schnelltests, die mit dem europäischen CE-Zeichen versehen sind, obwohl es kaum klinische Studien gibt, die ihren medizinischen Nutzen belegen. Zudem können bei der Probeentnahme, der Lagerung oder dem Transport (menschliche) Fehler passieren. 

Wo kann man sich testen lassen?

Wer typische Symptome oder Kontakt zu Infizierten hatte, sollte sich telefonisch beim Hausarzt, unter der Nummer 116 117 (ärztlicher Bereitschaftsdienst) oder beim Gesundheitsamt melden. Nicht alle Arztpraxen führen Coronatests durch. Alternativ gibt es Corona-Testzentren und andere örtliche Test- und Abstrichzentren etwa an Flughäfen, Bahnhöfen, Universitätskliniken. Auch Gesundheitsämter und bestimmte Labore führen Tests durch. Diese bieten teilweise sogar "Drive-in-Testungen" an, bei denen man im Auto sitzen bleiben kann.

Im Internet kursieren bereits jetzt etliche Angebote für Produkte für den Hausgebrauch. Diese Test-Kits erhalten Tupfer für den Abstrich oder auch Blutlanzetten für die Blutprobe. Von solchen "Do-it-yourself-Tests" raten das Bundesgesundheitsministerium und die Verbraucherzentrale ab. Die Fehlerquote bei selbst entnommenen Tests ist hoch, das Ergebnis könnte durch unsachgemäßen Transport oder den falschen Zeitpunkt der Probeentnahme verfälscht werden.

Antigen-Schnelltests werden mittlerweile auch in Apotheken durchgeführt und sie sind auch in der Apotheke erhältlich. Sie sind aber nicht frei verkäuflich: Das Infektionsschutzgesetz besagt, das alle Infektionskrankheiten wie COVID-19 gemeldet werden müssen - und zwar durch medizinisches Personal. In Pflegeheimen und anderen Einrichtungen, wo dieses Personal vorhanden ist, werden Antigen-Schnelltests daher auch schon vor Ort eingesetzt. Inwiefern das künftig auch bei Konzerten, vor Fußballstadien oder an Flughäfen möglich sein wird, ist noch in der Diskussion.

Wer bezahlt den Coronatest?

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt laut der Testverordnung des Bundesgesundheitsministers die Kosten für bestimmte Personengruppen. Die genauen Personengruppen finden sich auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums.

Lässt man sich freiwillig testen, muss man die Kosten von um die 100 Euro selbst tragen. In der Praxis bieten Labore, die viele Tests gleichzeitig untersuchen können, günstigere Preise an. Es gibt allerdings auch deutlich teurere Angebote.  Für die Schnelltests für zu Hause kursieren Angaben von 10 bis 20 Euro.

Wie lange dauert es, bis man ein Ergebnis bekommt?

In den meisten Fällen erhält man innerhalb von 24 Stunden ein Ergebnis. Klassische PCR-Tests müssen in Laboren ausgewertet werden, das dauert drei bis vier Stunden. Ein Bluttest dauert ungefähr eine Stunde.

Die Labore übermitteln das Ergebnis dann an die jeweiligen Arztpraxen, Abnahmestellen oder Kliniken, diese wiederum informieren den Patienten. Das kann insgesamt je nach Probenaufkommen - vor allem bei negativen Ergebnissen - mitunter Tage dauern. Eine schnellere Kommunikation bietet das Internet: Testergebnisse sind mittlerweile oft online abrufbar, werden per SMS an das Handy geschickt oder sogar in Echtzeit per App übermittelt. 

Biologin mit Schutzkleidung bei einem COVID-19-Test im Labor (Eyepix / Cover Images) (Eyepix / Cover Images)Corona-Schnelltests: Kein Umweg mehr übers Labor
Antigen-Schnelltests sind weniger empfindlich als die diagnostischen PCR-Tests aus dem Labor. Nach Einschätzung des Kölner Medizinprofessors Bernhard Schermer könnten sie aber eine schnelle und kostengünstige Alternative sein.

Schneller geht es mit dem PCR-Schnelltest, hier kann das Ergebnis innerhalb einer Dreiviertelstunde vorliegen. Antigentests könnten bereits innerhalb einer Viertelstunde ein Ergebnis liefern und sind damit auch in Einrichtungen oder bei Veranstaltungen vor Ort und gut einsetzbar. Die neuartigen Antigentests für zu Hause sollen ein ähnnlich schnelles Ergebnis liefern.

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