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StartseiteCorsoHarmonisch-schräge Popmusik 03.09.2016

Neues Album von The Divine ComedyHarmonisch-schräge Popmusik

Neil Hannon hat den Schalk im Nacken. Hatte er schon immer. Er verbindet auf seinen Alben die große musikalische Geste mit kleinen, augenzwinkernden Texten. Auf "Foreverland", dem neuen Album seiner Band "The Divine Comedy" nach sechs Jahren Pause, erzählt er unter anderem vom Leben auf einer Tierfarm, vom Esel Wayne - und seiner großen Liebe.

Von Kerstin Poppendieck

Leadsänger Neil Hannon von der Popgruppe The Divine Comedy (Raphaël Neal)
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Neil Hannon grinst verschmitzt über den Kaffeetassenrand. Auch mit Mitte 40 hat er etwas Jungenhaftes: frech, aber sympathisch frech. Und ständig lacht er und macht sich über sich selbst lustig.

"Das ist einfach meine Unfähigkeit, Dinge ernst zu nehmen. Das ist wirklich ein Problem von mir. Ich muss einfach über alles lachen. Selbst über ernste Sachen. Brexit, ha ha ha ..."

Wie anstrengend es sein muss, mit Hannon zum Beispiel ein ernsthaftes Beziehungsgespräch führen zu müssen. Aber in den Songs für seine Band The Divine Comedy funktioniert sein Humor großartig - auch auf dem elften Album "Foreverland": Egoprobleme von kleinen Männern mit Napoleon-Komplex oder die Fremdenlegion als Zufluchtsort um zu vergessen. Was vergessen werden sollte, bleibt im Text unklar, aber es geht auch weniger ums Warum als um das Wie. Songs mit witzigen, schrägen Geschichten voller Wortwitz und Melodien voller Musikwitz.

"Ich finde, allein durch den Einsatz und das Arrangement der Instrumente bringe ich Humor in die Musik. Das Lied "Catherine the Great" wäre auch witzig ohne den Text, einfach weil in der Musik so viel passiert und die einfach skurril ist. Normalerweise ist es witziger, wenn der Text lustig ist und die Musik total ernst. Dadurch wird der Text noch lustiger."

So romantisch kitschig wie schön

"Catherine the Great". In dem Song geht es zum einen um die russische Kaiserin Katharina die Große. Catherine the great ist für ihn aber auch seine Lebensgefährtin, die irische Musikerin Catherine Davey. Während er vordergründig also über die russische Kaiserin singt, versteckt er im Text Komplimente an seine Freundin. So romantisch kitschig wie schön. Die beiden leben zusammen in Irland, besingen sich gegenseitig auf ihren Alben und inspirieren sich. Für sie zog Hannon sogar auf eine Tierfarm. 

"Hunde, Pferde, Esel, Hühner, Schweine, Mäuse. Die Mäuse haben wir nicht eingeladen, aber sie sind trotzdem da. Ansonsten sind das alles Tiere, die wir gerettet haben. Catherine hat schon viele Tiere in Not gerettet und ist dafür im ganzen Land bekannt. Ich stehe da voll hinter ihr. Aber eigentlich kann ich gerade mal die Hunde füttern. Vor den Hühnern habe ich Angst. Aber ich liebe die Esel. So sehr, dass es einer sogar auf dieses Album geschafft hat. Da gibt es ein Liebeslied für Wayne, den Esel."

Fast eine Spur zu perfekt

Neil Hannon sagt selbst, dass er ein Problem hat. Er schafft es einfach nicht, keine Ohrwürmer zu schreiben. Melodien, mit denen man abends einschläft und mit denen man morgens wieder wach wird. Barocker Pop mit Streicher- und Bläser-Einsätzen, perfekt arrangiert. Für viele war das Vorgängeralbum "Bang goes the Knighthood" aus dem Jahr 2010 das beste Album von The Divine Comedy. War es auch. Bis jetzt. "Foreverland" ist in den Texten noch pointierter, die Musik berührender und die flirtenden Duette mit seiner Freundin machen Spaß. Und da ist dann auch der einzige Kritikpunkt. Manchmal ist das alles eine Spur zu perfekt, zu harmonisch, zu süß. Aber nur kurz. Dann ist man wieder gefangen in diesen großen Popmelodien und den romantischen Liebesliedern, in denen Neil Hannon über seine Freundin singt.

"In dem Lied 'My happy place' geht es darum, ein Problem in seiner Beziehung zu haben und zu seinem Happy Place flüchten zu wollen - so nennen Amerikaner einen imaginären Ort, zu dem man in Gedanken reist, wenn es einem nicht so gut geht. Wenn aber dieser Happy Place der Partner selbst ist, dann ist das natürlich schwierig. Mein Wohlfühlort ist Catherine. (lacht) Oh Gott, ich glaub, ich muss mich gleich übergeben."

Er schafft es einfach nicht. Selbst die romantischste Liebeserklärung kann er nicht stehenlassen ohne einen ironischen Kommentar. Gut so.

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