Manfred Kloiber: Gestern ging in San Francisco die Worldwide Developers Conference zu Ende. Der Name ist ein Tarnname. Die Veranstaltung wird nämlich seit vielen Jahren von einer einzigen Firma, nämlich Apple Computer getragen und durchgeführt. Es handelt sich dabei um eine Konferenz mit teilweise sehr anspruchsvollen Themen. Eine Veranstaltung für Entwickler von Software und Hardware, nicht für die Käufer. Maximilian Schönherr, Sie haben die Konferenz von Deutschland aus beobachtet. Wollte Apple da wirklich nichts verkaufen?
Maximilian Schönherr: Oh doch! Die Tagung ist sowieso Apple-Eigenwerbung pur. Wenn da zum Beispiel gestern Mittag Dennis Wingo von der NASA zeigte, wie er aus Datenmaterial von Mondumkreisungen der späten 1960er Jahre, also noch vor der Mondlandung, tolle Bilder der Mondoberfläche heraus zaubert, kann er das mit jeder Linux- oder Windowsmaschine tun - aber er zeigt's hier halt auf einem Apple Computer. Eröffnet hat die Konferenz ein Vortrag, bei dem Apple konkret neue Produkte vorstellte, vor allem ein neues Betriebssystem und ein neues iPhone.
Kloiber: Das sind an sich Aktionen, die sich der Chef, Steven Jobs, nicht nehmen lässt und immer Anfang Januar bei der MacWorld Expo erledigt!
Schönherr: Ja, aber Apple hat sich von der MacWorld, die übrigens im gleichen Messezentrum stattfindet wie die aktuelle Entwicklerkonferenz, zurückgezogen. Und Steven Jobs, von dem quasi der Aktienkurs der Firma abhängt, hat sich auch hier nicht als gesund zurück gemeldet, sondern sich vertreten lassen.
Kloiber: Was haben seine Vertreter denn Aktienkursfreundliches vorgestellt? Fangen wir mit dem iPhone oder dem Betriebssystem an?
Schönherr: Das Schönste am Schluss. Das neue Betriebssystem wird das bisherige, Leopard, im September ablösen und Schneeleopard heißen - Snow Leopard.
Kloiber: Lebt in den Bergen von Zentralasien und steht unter Naturschutz.
Schönherr: Und kann nicht brüllen. Sieht aber toll und edel und stark aus, passt damit zum Image von Apple.
Kloiber: Es wurde Zeit, dass das neue Betriebssystem 64-Bit-fähig wird.
Schönherr: Und verwundert es, dass es nur noch den halben Festplattenplatz einnimmt, statt zwölf zum Beispiel nur noch sechs Gigabyte.
Kloiber: Also nicht größer, schneller, toller, sonder nur schneller und toller?
Schönherr: Bei einigen Kernanwendungen wie dem Finder oder dem Abholen und Darstellen von Mails ist von deutlichen Geschwindigkeitszuwächsen auch für herkömmliche 32 Bit Rechner die Rede. Die Time Machine, einer der besten Ideen von Apple aus den letzten Jahren, läuft schneller. Time Machine dient dazu, Daten zu sichern und rasch wieder zu finden.
Kloiber: Soweit schneller. Und toller?
Schönherr: Na, ja, dass man mit Quicktime X jetzt Videos aufnehmen, schneiden und zu YouTube hochladen kann, ist nett. Dass der schon jetzt verfügbare neue Safari-Browser Java Skripts um den Faktor 4 schneller ausfüllt, also das Surferlebnis steigert, freut, aber haut nicht um.
Sehbehinderte werden allerdings sehr zu schätzen wissen, dass das Eingabegerät von Apple, das Multitouch-Trackpad, jetzt interaktiv mit einem Bildschirmvorleser namens "VoiceOver" verbunden ist. Man surft sozusagen mit dem Finger, und je nachdem, wo der auf dem Tastfeld ist, liest der Mac dann vor, was auf der entsprechenden Stelle der Webseite steht.
Kloiber: Sollen wir die neuen Notebook-Computer, die MacBooks Pro erwähnen?
Schönherr: Nein.
Kloiber: Also zum Mobiltelefon. Bringt das neue iPhone 3G S es so viel, dass Besitzer eines iPhones in Massen umsteigen werden?
Schönherr: Davon gehe ich nicht aus. Das iPhone 3G S ist vor allem schneller als sein Vorgänger, und den Besitzern von iPhones ist ihr Gerät in der Regel nicht zu langsam. Da herrscht kein Druck. Apple sagt nichts über die Hardware in dem Gerät. Es ist inoffiziell die Rede von einem mit 600 MHz getakteten Prozessor mit 128 MB Arbeitsspeicher, deutlich mehr als beim aktuellen iPhone. Die Hardware ähnelt dem Konkurrenzprodukt von Palm, dem Palm Pre. Vielleicht will man deswegen nichts dazu sagen.
Attraktiv ist die bessere Kamera mit drei Megapixel und Videofunktion, bleibt aber hinter der Technik in anderen Telefonen zurück. Mehr als ein Gimmick und durchaus behindertengerecht ist die Eingabe von Befehlen per Stimme und die akustische Rückmeldung. Das Gerät erzählt einem per Computerstimme zum Beispiel, welcher Musiktitel gerade gespielt wird.
Für iPhone-Besitzer wird der nächste Freitag aus einem anderen Grund interessant sein.
Kloiber: Weil es da ein neues Betriebssystem für alle iPhones gibt? iPhone OS 3.
Schönherr: ... und damit endlich Dinge möglich werden, die man bei anderen Klugtelefonen wie dem Blackberry seit vielen Jahren gewohnt ist: Kopieren und Einsetzen von Text und Bildern, und die Suche nach Dateien oder Texteinträgen.
Kloiber: Gibt es denn keine Innovation, die typisch Apple ist, also in Sachen Bedienbarkeit und Pfiff richtig herausragt?
Schönherr: Doch, einige, vor allem aber das Scharfstellen der Kamera im neuen iPhone. Dazu drückt man mit dem Finger auf die Stelle im Bild, die man scharf haben will. Der Autofokus macht dann die Blume vorn scharf und den Berg dahinter unscharf. Das ist eine kleine Idee mit Größe. Da muss man sagen: Erbärmlich, dass ...
Kloiber: ... da kein Hersteller digitaler Kameras bisher drauf gekommen ist?
Schönherr: Die sichern Apple die Rente, weil sie wie andere auch brav Lizenzen zahlen werden.
Maximilian Schönherr: Oh doch! Die Tagung ist sowieso Apple-Eigenwerbung pur. Wenn da zum Beispiel gestern Mittag Dennis Wingo von der NASA zeigte, wie er aus Datenmaterial von Mondumkreisungen der späten 1960er Jahre, also noch vor der Mondlandung, tolle Bilder der Mondoberfläche heraus zaubert, kann er das mit jeder Linux- oder Windowsmaschine tun - aber er zeigt's hier halt auf einem Apple Computer. Eröffnet hat die Konferenz ein Vortrag, bei dem Apple konkret neue Produkte vorstellte, vor allem ein neues Betriebssystem und ein neues iPhone.
Kloiber: Das sind an sich Aktionen, die sich der Chef, Steven Jobs, nicht nehmen lässt und immer Anfang Januar bei der MacWorld Expo erledigt!
Schönherr: Ja, aber Apple hat sich von der MacWorld, die übrigens im gleichen Messezentrum stattfindet wie die aktuelle Entwicklerkonferenz, zurückgezogen. Und Steven Jobs, von dem quasi der Aktienkurs der Firma abhängt, hat sich auch hier nicht als gesund zurück gemeldet, sondern sich vertreten lassen.
Kloiber: Was haben seine Vertreter denn Aktienkursfreundliches vorgestellt? Fangen wir mit dem iPhone oder dem Betriebssystem an?
Schönherr: Das Schönste am Schluss. Das neue Betriebssystem wird das bisherige, Leopard, im September ablösen und Schneeleopard heißen - Snow Leopard.
Kloiber: Lebt in den Bergen von Zentralasien und steht unter Naturschutz.
Schönherr: Und kann nicht brüllen. Sieht aber toll und edel und stark aus, passt damit zum Image von Apple.
Kloiber: Es wurde Zeit, dass das neue Betriebssystem 64-Bit-fähig wird.
Schönherr: Und verwundert es, dass es nur noch den halben Festplattenplatz einnimmt, statt zwölf zum Beispiel nur noch sechs Gigabyte.
Kloiber: Also nicht größer, schneller, toller, sonder nur schneller und toller?
Schönherr: Bei einigen Kernanwendungen wie dem Finder oder dem Abholen und Darstellen von Mails ist von deutlichen Geschwindigkeitszuwächsen auch für herkömmliche 32 Bit Rechner die Rede. Die Time Machine, einer der besten Ideen von Apple aus den letzten Jahren, läuft schneller. Time Machine dient dazu, Daten zu sichern und rasch wieder zu finden.
Kloiber: Soweit schneller. Und toller?
Schönherr: Na, ja, dass man mit Quicktime X jetzt Videos aufnehmen, schneiden und zu YouTube hochladen kann, ist nett. Dass der schon jetzt verfügbare neue Safari-Browser Java Skripts um den Faktor 4 schneller ausfüllt, also das Surferlebnis steigert, freut, aber haut nicht um.
Sehbehinderte werden allerdings sehr zu schätzen wissen, dass das Eingabegerät von Apple, das Multitouch-Trackpad, jetzt interaktiv mit einem Bildschirmvorleser namens "VoiceOver" verbunden ist. Man surft sozusagen mit dem Finger, und je nachdem, wo der auf dem Tastfeld ist, liest der Mac dann vor, was auf der entsprechenden Stelle der Webseite steht.
Kloiber: Sollen wir die neuen Notebook-Computer, die MacBooks Pro erwähnen?
Schönherr: Nein.
Kloiber: Also zum Mobiltelefon. Bringt das neue iPhone 3G S es so viel, dass Besitzer eines iPhones in Massen umsteigen werden?
Schönherr: Davon gehe ich nicht aus. Das iPhone 3G S ist vor allem schneller als sein Vorgänger, und den Besitzern von iPhones ist ihr Gerät in der Regel nicht zu langsam. Da herrscht kein Druck. Apple sagt nichts über die Hardware in dem Gerät. Es ist inoffiziell die Rede von einem mit 600 MHz getakteten Prozessor mit 128 MB Arbeitsspeicher, deutlich mehr als beim aktuellen iPhone. Die Hardware ähnelt dem Konkurrenzprodukt von Palm, dem Palm Pre. Vielleicht will man deswegen nichts dazu sagen.
Attraktiv ist die bessere Kamera mit drei Megapixel und Videofunktion, bleibt aber hinter der Technik in anderen Telefonen zurück. Mehr als ein Gimmick und durchaus behindertengerecht ist die Eingabe von Befehlen per Stimme und die akustische Rückmeldung. Das Gerät erzählt einem per Computerstimme zum Beispiel, welcher Musiktitel gerade gespielt wird.
Für iPhone-Besitzer wird der nächste Freitag aus einem anderen Grund interessant sein.
Kloiber: Weil es da ein neues Betriebssystem für alle iPhones gibt? iPhone OS 3.
Schönherr: ... und damit endlich Dinge möglich werden, die man bei anderen Klugtelefonen wie dem Blackberry seit vielen Jahren gewohnt ist: Kopieren und Einsetzen von Text und Bildern, und die Suche nach Dateien oder Texteinträgen.
Kloiber: Gibt es denn keine Innovation, die typisch Apple ist, also in Sachen Bedienbarkeit und Pfiff richtig herausragt?
Schönherr: Doch, einige, vor allem aber das Scharfstellen der Kamera im neuen iPhone. Dazu drückt man mit dem Finger auf die Stelle im Bild, die man scharf haben will. Der Autofokus macht dann die Blume vorn scharf und den Berg dahinter unscharf. Das ist eine kleine Idee mit Größe. Da muss man sagen: Erbärmlich, dass ...
Kloiber: ... da kein Hersteller digitaler Kameras bisher drauf gekommen ist?
Schönherr: Die sichern Apple die Rente, weil sie wie andere auch brav Lizenzen zahlen werden.