Newsblog zum Coronavirus+++ Die Entwicklungen vom 16. bis 17. Februar +++

Die Behörden in Spanien und Italien haben kriminelle Geschäfte mit mehr als 800 Millionen Corona-Schutzmasken aufgedeckt. In Nordrhein-Westfalen sind hunderte geplante Impftermine mit dem Produkt von Astrazeneca nicht wahrgenommen worden. In Brandenburg sollen perspektivisch auch Ärzte in ihren Praxen oder bei Hausbesuchen Corona-Impfungen anbieten dürfen. Weitere Meldungen im Newsblog.

17.02.2021

Coronavirus-Modell, Symbolfoto Virus-Mutation *** Coronavirus model, symbol photo virus mutation
Coronavirus-Modell, Symbolfoto Virus-Mutation *** Coronavirus model, symbol photo virus mutation (www.imago-images.de)
Die aktuellen Entwicklungen finden Sie hier in unserem Newsblog.
Mittwoch, 17. Februar
+++ Die Behörden in Spanien und Italien haben kriminelle Geschäfte mit mehr als 800 Millionen Corona-Schutzmasken aufgedeckt. Es gehe um einen Regierungsauftrag an drei chinesische Firmen im Umfang von 1,25 Milliarden Euro, teilte die italienische Polizei in Rom mit. Man ermittele wegen Bestechlichkeit gegen mehrere Italiener. Sie sollen das Geschäft vermittelt haben. Von den Verdächtigen wurden Vermögenswerte im Umfang von insgesamt 70 Millionen Euro beschlagnahmt, darunter Immobilien, Luxuswagen, Schmuck und eine Yacht. In Madrid stieß die Polizei bei der Auflösung einer illegalen Party in einem Hotel auf rund vier Millionen gefälschte FFP2- und KN95-Masken. Die angeblich zertifizierten Mund-Nase-Bedeckungen sollten demnächst auf den Markt gebracht werden, hieß es.
+++ In Nordrhein-Westfalen sind hunderte geplante Impftermine mit dem Produkt von Astrazeneca nicht wahrgenommen worden. Allein im Landesteil Nordrhein sind laut Landesgesundheitsministerium vom Impfstart am 10. Februar bis zum 15. Februar rund 600 Termine nicht angenommen beziehungsweise versäumt worden. Das entspreche einem Anteil von etwa 3,4 Prozent. Derzeit werden in NRW Menschen der ersten Prioritäntsgruppe mit Astrazeneca geimpft, die jünger als 65 Jahre sind und etwa in Pflegeheimen oder Notaufnahmen arbeiten. Thüringen bietet die Impfung mit Astrazeneca ab kommender Woche auch Menschen der Prioritätsgruppe 2 unter 65 Jahren an. Dazu gehören zum Beispiel enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen oder Schwangeren, Polizisten, Mitarbeiter im Gesundheitsdienst und Bewohner von Flüchtlings- oder Obdachlosenheimen.
+++ In Brandenburg sollen perspektivisch auch Ärzte in ihren Praxen oder bei Hausbesuchen Corona-Impfungen anbieten dürfen. Die Landesregierung will dazu Modellvorhaben mit Hausärzten starten.
+++ Nach mehreren Corona-Fällen in einer Physiopraxis in Wedel (Schleswig-Holstein) sind mehr als 400 Menschen als Kontaktpersonen in Quarantäne. Der Weg der Infektionen sei noch unklar, teilte der Kreis am Mittwochabend mit. Bislang seien fünf Mitarbeiter und sechs Patienten positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Praxis bleibe zunächst für zwei Wochen geschlossen.
+++ Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) rechnet damit, dass es den Impfzeitplan der Bundesregierung um mehrere Wochen zurückwerfen könnte, wenn weiterhin nur ein Bruchteil des Astrazeneca-Mittels verimpft würde. "Ohne den Impfstoff von Astrazeneca könnte es bis zu zwei Monate länger dauern, bis dieses Ziel erreicht ist", sagt ZI-Chef Dominik von Stillfried dem "Handelsblatt". Das Institut hatte in einem Bericht für das Bundesgesundheitsministerium errechnet, dass bis Mitte September allen Bürgern ein Impfangebot gemacht werden könnte – unter der Voraussetzung, dass auch die bislang nicht zugelassenen Impfstoffe von Johnson & Johnson und Curevac zum Einsatz kommen.
Hintergrundinformationen: Wer wird zuerst geimpft, wer später?
+++ In Thüringen können sich ab nächster Woche auch Impfwillige der zweiten Prioritätsgruppe gegen Corona impfen lassen. Das gelte für Menschen, die jünger als 65 Jahre sind, berichtete der MDR. Hintergrund ist, dass das Präparat von Astrazeneca nicht an Ältere verimpft werden soll. Darum wurde dieser Impfstoff vor allem jüngeren Menschen der ersten Prioritätsgruppe verabreicht, die etwa in medizinischen Berufen tätig sind. Hier ist der Bedarf aber laut dem thüringischen Gesundheitsministerium zunehmend ausgeschöpft. Die Impfstoffe von Biontech und Moderna werden vorerst weiterhin vorrangig an über 80-Jährige vergeben. Der Übergang zur gesamten zweiten Prioritätsgruppe wird laut Ministerium fließend sein, weil Berechtigte mit der höchsten Priorität weiterhin geimpft würden. Auch in anderen Bundesländern können sich Menschen, die in die zweite Gruppe fallen, bereits für Impfungen registrieren. Allerdings wird es nach Angaben der jeweiligen Gesundheitsämter meist noch dauern, bis auch Termine vergeben werden. Zur zweiten Prioritätsgruppe gehören zum Beispiel enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen oder Schwangeren, Polizisten, Mitarbeiter im Gesundheitsdienst und Bewohner sowie Mitarbeiter von Gemeinschaftsunterkünften wie Flüchtlings- oder Obdachlosenheime.
+++ Wegen hoher Corona-Infektionszahlen und der Ausbreitung der britischen Virusvariante gilt in Flensburg ab Samstag eine Ausgangssperre. Diese betreffe die Zeit zwischen 21.00 und 05.00 Uhr, sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Außerdem dürften Angehörige eines Hausstandes dann keine anderen Menschen mehr treffen, weder draußen noch drinnen. Während der nächtlichen Ausgangssperre dürfen Haus oder Wohnung laut der Landesregierung nur noch "aus triftigen Gründen" verlassen werden, etwa für den Weg zur Arbeit. Bei Nichtbeachten der neuen Vorschrift würden Bußgelder fällig.
In der Mitte steht ein Fachwerkhaus, mit dem Namen "Fahnen Fischer" in schwarzen Buchstaben auf gelbem Banner über der Tür.  Umgeben von anderen Häusern in Flensburg.
Ausgangsperre ab Samstag. (Deutschlandradio / Johannes Kulms)
+++ In Dänemark ist die zuerst in England aufgetauchte Virus-Mutante zuletzt in fast jeder zweiten analysierten Corona-Probe gefunden worden. Wie aus einer Auflistung des Gesundheitsinstituts SSI hervorging, wurde die Variante B.1.1.7 in den ersten drei Tagen der vergangenen Woche in zunächst 47,5 Prozent der sequenzierten positiven Proben identifiziert. Damit geht der rapide Anstieg des B.1.1.7-Anteils unter den dänischen Corona-Fällen unvermindert weiter: Als die ersten Fälle der Variante in Dänemark auftauchten, wurde sie nur in 0,3 Prozent der analysierten Proben gefunden. Zum Jahreswechsel waren es um die 2 Prozent, seitdem ging es steil bergauf: In der letzten Januar-Woche waren es bereits 19,6, in der ersten Februar-Woche dann 30,7 Prozent. Auch in Deutschland breiten sich die ansteckenderen Corona-Varianten aus: Nach neuen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) stieg der Anteil der britischen Variante binnen zwei Wochen von knapp 6 auf mehr als 22 Prozent.
+++ Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet dringt angesichts sinkender Inzidenzwerte auf eine Öffnungsstrategie. Die Bürger "erwarten eine Perspektive, wie es danach weitergeht", sagt der CDU-Chef bei einem virtuellen Auftritt bei der CDU Rheinland-Pfalz. Wenn die Infektionszahlen weiter abnähmen, müsse man den Bürgern sagen, wie man "wirtschaftliches, kulturelles, soziales Leben möglich machen" könne. Zuvor hatte der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, Christian Baldauf, von der SPD-geführten Landesregierung in Mainz einen Öffnungsplan für den Einzelhandel gefordert. Rheinland-Pfalz weist laut RKI eine Sieben-Tage-Inzidenz von nur noch 45,3 auf.
+++ Einer Studie eines israelischen Gesundheitsversorgers zufolge ist der Impfstoff von Pfizer/Biontech zu 95 Prozent wirksam. Die Daten von Maccabi beruhen auf einen Vergleich von 602.000 geimpften und 528.000 nicht-geimpften Israelis. In Israel haben inzwischen fast 44 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfung mit dem Impfstoff erhalten.
+++ Die USA wollen bis Ende des Monats mehr als 200 Millionen Dollar an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zahlen. Das kündigt US-Außenminister Antony Blinken vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an. Der frühere US-Präsident Donald Trump hatte die Beziehungen der USA zur WHO mitten in der Corona-Pandemie im Mai 2020 aufgekündigt und die Zahlungen eingestellt.
+++ Als Folge des Corona-Massenausbruchs in einer Eiscremefabrik in Niedersachsen ist für rund 1000 Menschen Quarantäne angeordnet worden. Das betreffe Mitarbeiter der Fabrik in Osnabrück als auch deren Familienangehörige, sagte ein Stadtsprecher. Heute wurden nochmals die zuvor negativ getesteten Mitarbeiter des Unternehmens auf Corona getestet. Diejenigen, die diesen Aufruf nicht mitbekommen hätten, seien nun aufgefordert, sich zu melden. Insgesamt sollen von 462 zunächst negativ getesteten Personen neue Abstriche genommen werden. Bislang sei in insgesamt drei Fällen die britische Mutation B.1.1.7 festgestellt worden. In der Eisfabrik wurde bei bislang 210 Mitarbeitern eine Coronainfektion festgestellt. Der Betrieb wurde am vergangenen Wochenende eingestellt, die Produktion ruht mindestens bis zum 26. Februar.
+++ Spanien setzt zur Wiederbelebung der Wirtschaft nach der Coronakrise auch auf finanzielle Hilfen aus der Golf-Region. Ihr Land sei diesbezüglich in Gesprächen mit verschiedenen Staatsfonds, sagte Außenministerin Arancha Gonzalez Laya. Mit den Mitteln könnten Projekte, die mit Hilfe des europäischen Wiederaufbausfonds finanziert werden sollen, zusätzlich gestützt werden. Die Golf-Staatsfonds hätten insbesondere an Digitalisierung, Kohlendioxidreduzierung und der Modernisierung von Produktion Interesse.
+++ Drei Oberbürgermeister aus Baden-Württemberg wenden sich in einem dringenden Appell an Bundeskanzlerin Merkel, möglichst bald Öffnungen mit guten Hygienekonzepten zuzulassen. In dem Schreiben schlagen sie vor, dass Städte mit einer Inzidenz unter 35 ihre Innenstadtbezirke sofort und komplett öffnen dürfen. Dafür könnten etwa Schnelltest-Stationen eingerichtet werden. Einlass in Geschäfte, Restaurants und Kultureinrichtungen erhielte dann nur, wer personalisierte Nachweise für ein negatives Ergebnis sichtbar mit sich führe. Zur Begründung schreiben die Oberbürgermeister, das "Sterben der Innenstädte" sei bereits in vollem Gange. Sie erreichten ständig verzweifelte Berichte von Gewerbetreibenden und Kulturschaffenden, von denen sich einige bereits an die Gerichte gewandt hätten. Der verschärfte Lockdown für Gastronomie, Kultur und Handel treibe immer mehr Betriebe in die Insolvenz.
+++ Wegen der angespannten Infektionslage hat die Slowakei die Europäische Union um Hilfe in der Coronapandemie gebeten. Wie die staatliche Nachrichtenagentur TASR berichtete, beschloss die Regierung in Bratislava ein offizielles Hilfegesuch. Konkret geht es um die Entsendung von zehn Ärzten und 25 Krankenschwestern aus anderen EU-Mitgliedsländern. Sollte sich die Lage weiter verschlimmern, wäre auch eine Aufstockung des Kontingents vorstellbar, heißt es. Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in der Slowakei binnen 14 Tagen bei über 496.
+++ Die Schweiz plant ab dem 1. März erste Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie. Läden, Museen und Lesesäle von Bibliotheken sollen wieder öffnen können ebenso die Außenbereiche von Zoos, botanischen Gärten sowie Sport- und Freizeitanlagen, teilte die Regierung mit. Im Freien sollen private Veranstaltungen mit bis zu 15 Personen wieder erlaubt sein. Die Regierung werde in einer Woche definitiv über den ersten Öffnungsschritt entscheiden. Bei günstiger Entwicklung und höherer Durchimpfungsrate würden im Abstand von jeweils einem Monat weitere Aktivitäten zugelassen.
+++ EU-Kommission einigt sich mit Moderna auf bis zu 300 Millionen weitere Impfstoffdosen. Man habe sich mit Moderna auf 150 Millionen zusätzliche Impfstoff-Dosen in diesem Jahr geeinigt, hieß es in Brüssel. Zudem gebe es die Option auf 150 Millionen weitere im kommenden Jahr.
Kommissionspräsidentin von der Leyen stellte zudem einen Drei-Punkte-Plan gegen die Pandemie vor.
+++ Der Anteil der zuerst in Großbritannien aufgetretenen Variante des Coronavirus hat in Deutschland nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Spahn deutlich zugenommen.
Bundesgesundheitsminister Spahn steht an einem Rednerpult.
Bundesgesundheitsminister Spahn bei seiner Pressekonferenz. (AFP/John MACDOUGALL / AFP)
Binnen zwei Wochen sei dieser bei den untersuchten positiven Probenvon knapp sechs Prozent auf mehr als 22 Prozent gestiegen, sagte Spahn in Berlin mit Verweis auf Daten des Robert Koch-Instituts. Trotz der schnellen Verbreitung gehe die Zahl der Neuinfektionen insgesamt aber zurück.
Lese-Tipp: Wie gefährlich sind die neuen Mutationen des Coronavirus?
Der Gesundheitsminister äußerte sich auch zur Debatte um gehäuft auftretende Nebenwirkungen nach Impfungen mit dem Präparat des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca. Diese bewegten sich im Rahmen dessen, was erwartet worden sei.
Hintergrund: Impfstoff von Astrazeneca: Berichte über Nebenwirkungen und Akzeptanzprobleme
+++ In Großbritannien sollen Freiwillige mit dem Coronavirus infiziert werden. Wie das Wirtschaftsministerium in London mitteilte, sollen bis zu 90 Probanden im Alter zwischen 18 und 30 Jahren in einer "sicheren und kontrollierten Umgebung" dem Erreger ausgesetzt werden. Gesucht würden gesunde Menschen, die dann von Ärzten und Wissenschaftlern rund um die Uhr überwacht würden.
+++ Ryanair hat zwei Klagen gegen die Corona-Hilfen Schwedens und Frankreichs für Fluggesellschaften verloren. Das Gericht der Europäischen Union in Luxemburg entschied, die Beschlüsse der EU-Kommission, die jeweiligen Hilfen zu genehmigen, seien rechtmäßig. Ryanair hatte beanstandet, dass diese Beihilfen nur den in der EU ansässigen Fluggesellschaften vorbehalten gewesen seien. Die Bedeutung von Billigfluggesellschaften für den europäischen Markt sei dabei außer Acht gelassen worden.
+++ Der Virologe Christian Drosten hält grundsätzliche Bedenken gegen den Astrazeneca-Impfstoff für unbegründet und ist für einen breiten Einsatz des Präparats.
Er sehe keine Veranlassung, das Mittel in Deutschland nicht zu spritzen, sagte er im Podcast "Das Coronavirus-Update" vom NDR-Hörfunk. Wenn er sich die öffentliche Diskussion um diesen Impfstoff anschaue, habe er den Eindruck, dass vieles falsch verstanden worden sei, so Drosten. Wörtlich sagte der Leiter des Instituts für Virologie an der Berliner Charité: "Es gibt immer irgendwo ein Haar in der Suppe, und manche schauen da mit dem Vergrößerungsglas drauf."
Astrazeneca hat eine geringere Wirksamkeit als die beiden anderen in Deutschland zugelassenen Mittel von Biontech/Pfizer und Moderna. Zudem gab es in den vergangenen Tagen Meldungen über Nebenwirkungen. Zahlreiche Menschen haben laut Medienberichten ihre Impftermine nicht wahrgenommen, weil sie keine Spritze mit Astrazeneca erhalten wollten.
Weiterführende Lektüre: So steht es um die Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus
+++ Die Unternehmen Pfizer und Biontech haben die Einigung mit der Europäischen Union auf die Lieferung weiterer 200 Millionen Dosen ihres Impfstoffs gegen das Coronavirus offiziell bekanntgegeben. Insgesamt wollen Biontech und Pfizer bis Ende des Jahres 500 Millionen Impfstoffdosen an die EU-Staaten liefern. Eine Erhöhung auf 600 Millionen Dosen sei möglich. Die EU-Kommission hatte die Bestellung zuvor bereits bekannt gemacht.
+++ Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut binnen eines Tages 7.556 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden 560 weitere Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche hatte das RKI 8.072 Neuinfektionen und 813 neue Todesfälle registriert. In diesen Zahlen waren etwa 600 Nachmeldungen von Neuinfektionen aus Nordrhein-Westfalen enthalten, die am Vortag gefehlt hatten. Somit stagniert die Zahl der Neuinfektionen im Vergleich zur Vorwoche derzeit. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt laut RKI derzeit bundesweit bei 57. Die Bundesregierung strebt einen Wert unter 35 an.
Daten und Zahlen sind wichtig, um zu erfassen, wie sich die Pandemie entwickelt. Aber welche Kennzahlen beschreiben die Ausbreitung des Coronavirus am besten? In einer politisch aufgeheizten Debatte über Lockdown und Lockerungen ging da zuletzt einiges durcheinander. Ein Zwischenruf aus der Nachrichtenredaktion.
+++ Die Zahl der weltweit gemeldeten Corona-Neuinfektionen ist in der vergangenen Woche um 16 Prozent auf 2,7 Millionen zurückgegangen. Das teilte die Weltgesundheitsorganisation in Genf mit. Auch die Zahl der gemeldeten Todesfälle habe sich binnen einer Woche verringert, und zwar um zehn Prozent auf 81.000. Die zuerst in Großbritannien entdeckte Virusvariante wurde laut WHO bislang in 94 Ländern entdeckt. Die zunächst in Südafrika beobachtete Mutante wurde in 46 Staaten nachgewiesen und die sogenannte brasilianische Variante in 21 Ländern.
+++ Die für März geplanten Regionalwahlen in Frankreich sind wegen der Pandemie um drei Monate auf Mitte Juni verschoben worden. Das Parlament in Paris stimmte einem entsprechenden Gesetzesvorschlag zu. Hintergrund sind vor allem Bedenken, dass sich das Corona-Virus durch Menschenansammlungen in und vor Wahllokalen rasant verbreiten könnte. Bei der Abstimmung werden unter anderem die Regionalräte neu besetzt.
+++ Krisengewinner Saunabauer: Weil öffentliche Saunen coronabedingt geschlossen sind, haben sich viele Menschen zum Kauf einer Sauna für daheim entschieden. Die Nachfrage von Privatleuten sei seit Ausbruch der Pandemie nach oben geschnellt, sagte Rolf Pieper vom Deutschen Sauna-Bund. Zugleich sei das Geschäft mit Geschäftskunden - Fitnessstudios, Bäder und Hotels - eingebrochen, weil solche Firmen unter den Folgen der Pandemie besonders litten. Insgesamt sei der Umsatz der deutschen Saunabauer 2020 um etwa 10 Prozent gestiegen, sagte das Präsidiumsmitglied des Sauna-Bundes mit Verweis auf eine Branchenumfrage. "Der Branche geht es gut."
Aufguss in einer Sauna
Aufguss in einer Sauna (imago / Eibner)
+++ Der Vorsitzende der CDU und nordrhein-westfälische Ministerpräsident Laschet forderte erneut einen für die Bürger nachvollziehbaren und berechenbaren Kurs in der Corona-Pandemie. Laschet warnte davor, dass die Politik Glaubwürdigkeit verspiele, wenn es nicht absehbar für weite Teile des gesellschaftlichen Lebens Lockerungen gebe. Er sagte der "Aachener Zeitung", dies solle ab einem Inzidenzwert von 35 geschehen. Von diesem Grenzwert solle nicht abgewichen werden, betonte Laschet im Interview mit dem ZDF. Man müsse auch einmal dabei bleiben, was man beschlossen habe, sagte Laschet mit Blick auf die Beschlüsse von Bund und Ländern. Zuvor hatte sich der CDU-Vorsitzende sich bei einer Rede im Wirtschaftsrat der Partei von diesen Beschlüssen distanziert und die Inzidenzwerte als Messlatte für Lockerungen infrage gestellt. Laschet war dafür von mehreren Seiten dafür kritisiert worden.
+++ Die EU-Kommission will heute Vorschläge zur besseren Bekämpfung von Pandemien vorstellen. Nach Angaben der Präsidentin der Brüsseler Behörde, von der Leyen, gehört dazu auch ein Programm zur Erforschung von Mutationen des Coronavirus. Ziel ist es demnach, Labore, Gesundheitsbehörden und Wissenschaftler zusammenzubringen, um Impfstoffe zu entwickeln, die auch gegen solche Varianten helfen.
Dienstag, 16. Februar
+++ Die wegen der Corona-Pandemie verhängte nächtliche Ausgangssperre in den Niederlanden bleibt doch in Kraft. Nachdem ein Verwaltungsgericht in Den Haag die sofortige Aufhebung der Maßnahme angeordnet hatte, hob ein Berufungsgericht das Urteil am Abend wieder auf. Die Ausgangssperre von 21 Uhr bis 4 Uhr 30 gilt damit weiterhin bis zum Berufungsverfahren am Freitag.
+++ Das arbeitgebernahe Institut für deutsche Wirtschaft plädiert dafür, trotz Corona-Risiko schrittweise zur Normalität zurückzukehren. Dazu legten IW-Chef Michael Hüther und Geschäftsführer Hubertus Bardt ein Papier vor, aus dem die Welt zitiert. Hüther sagte dazu: "Die vollständige Eliminierung des Virus wird in unserer offenen Gesellschaft nicht gelingen." Deshalb müsse man ein "gewisses Gesundheitsrisiko" und auch eine "gewisse Sterblichkeit hinnehmen, um dauerhaft zur Normalität zurückkehren zu können.
+++ Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hat nach eigenen Angaben einen Antrag auf eine Zulassung eines Impfstoffes des US-Konzerns Johnson & Johnson erhalten. Der "Janssen" genannte Impfstoff solle beschleunigt geprüft werden. Eine Entscheidung könne bis Mitte März fallen. Der Impfstoff wird gegenwärtig auch in den USA geprüft. Anders als bei den bereits genehmigten Vakzinen reicht bei diesem Produkt nach bisherigem Forschungsstand eine Dosis für den vollen Impfschutz.
Der Impfstoff von AstraZeneca hingegen ist schon zugelassen, wird aber derzeit weniger verimpft als geplant. Grund dafür könnten Imageprobleme sein - und dass nach Impfungen bei etlichen Menschen deutliche Nebenwirkungen aufgetreten sind. Doch ist der Impfstoff von Astrazeneca minderwertig? Ein Überblick.
+++ Die Opposition im Bundestag hat die Ergebnisse des Wirtschaftsgipfels zur Corona-Krise kritisiert. Grünen-Fraktionsvorsitzende Göring-Eckardt sagte, das Treffen zwischen Bundeswirtschaftsminister Altmaier und Vertretern der Wirtschaft sei im Ergebnis enttäuschend gewesen. Das Chaos gehe in die Verlängerung. FDP-Fraktionsvize Theurer erklärte, Altmaier hätte längst ein Konzept für eine Öffnungsperspektive für die Wirtschaft vorlegen können, anstatt dies heute nur anzukündigen. Kritik kam auch von dem Linken-Politiker Ernst sowie von AfD-Fraktionschefin Weidel.
+++ In Sachsen-Anhalt sind Mitte Januar im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich mehr Menschen gestorben. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts starben in der zweiten Januarwoche insgesamt 1.008 Menschen. Das sind 50 Prozent mehr Todesfälle als im Vergleichszeitraum in den vier vorangegangenen Jahren. Deutschlandweit wurden in der zweiten Januarwoche 22 Prozent mehr Todesfälle verzeichnet.
+++ In den Niederlanden sorgt die zuerst in Großbritannien beschriebene ansteckendere Virus-Variante für einen Wiederanstieg der Fallzahlen. Die britische Variante macht in den Niederlanden inzwischen mehr als zwei Drittel der Fälle aus.
+++ Der Chef der Mittelstandsunion von CDU und CSU, Carsten Linnemann, mahnt Perspektiven in der Corona-Strategie an. Er sagt dem "Spiegel": "Mit einem Stufenplan, der festlegt, wann und unter welchen Bedingungen Lockerungen möglich sind, würde man eine solche Perspektive schaffen." Es reiche nicht aus, immer nur an Inzidenzzielen herumschrauben. Damit verspiele man Vertrauen.
+++ Mexiko will beim UN-Sicherheitsrat Beschwerde einlegen, weil die Länder weltweit einen ungleichen Zugang zu Corona-Impfstoffen hätten. Ein entsprechendes Schreiben seiner Regierung kündigt der mexikanische Außenminister Marcelo Ebrard für morgen an.
+++ Nordrhein-Westfalen will die Kindertagesstätten schrittweise wieder für mehr Kinder öffnen. Familienminister Stamp kündigte an, ab Montag seien alle Kinder wieder in die Kindertagesbetreuung eingeladen. An der strikten Gruppentrennung werde festgehalten, die Betreuungszeiten würden pro Woche um zehn Stunden gekürzt. Die Kita-Mitarbeiter sollen sich zweimal die Woche testen lassen können.
Wie Kitas und vor allem Schulen verantwortungsbewusst geöffnet werden können, dazu haben wir hier Erkenntnisse und Ideen gesammelt.
+++ Um die Gefahr einer erneuten Ausbreitung von Corona-Infektionen bei geplanten Öffnungsschritten zu begrenzen, will Bundesgesundheitsminister Spahn ab dem 1. März allen Bürgerinnen und Bürgern kostenlose Schnelltests anbieten.
Mittlerweile seien deutlich mehr Tests am Markt verfügbar, twitterte der CDU-Politiker. Alle Bürgerinnen und Bürger sollten kostenlos von geschultem Personal mit Antigen-Schnelltests getestet werden können. Demnach sollen Kommunen vor Ort Testzentren oder Apotheken mit solchen Angeboten beauftragen können. Die Kosten dafür soll der Bund übernehmen.
Auch Laien-Selbsttests sollten nach ihrer bald erwarteten Zulassung für alle zugänglich sein, ergänzte Spahn. Diese Testmöglichkeiten könnten zu einem sicheren Alltag beitragen, gerade auch in Schulen und Kitas.
Der Grünen-Gesundheitsexperte Dahmen sagte im Deutschlandfunk, Fortschritte bei Testungen seien wünschenswert. Aber er habe große Zweifel, ob Spahns Ankündigung so kurzfristig umzusetzen sei.
+++ Bundeswirtschaftsminister Altmaier und Vertreter der Wirtschaft wollen bis zu den nächsten Beratungen von Bund und Ländern Anfang März Empfehlungen für eine Öffnungsstrategie erarbeiten. Das kündigte der CDU-Politiker nach der Videokonferenz mit mehr als 40 Verbänden an. Die Verbände hätten nachvollziehbar beklagt, dass die Ungewissheit in der Corona-Krise mit das Schwierigste für die Unternehmen sei.
+++ Der Bundesverband der Deutschen Industrie legte ein 20-Punkte-Papier vor, das Wege für eine dauerhafte Eindämmung der Corona-Pandemie und einen Stufenplan für Öffnungen aufzeigen soll. Es enthält Anregungen zu den Themen Wirtschaftsstandort, Planbarkeit sowie Test- und Impfstoffstrategie.
+++ Nach den Unternehmen können jetzt auch Solo-Selbstständige die neuen Corona-Hilfen beantragen. Erhältlich ist ein einmaliger Zuschuss von bis zu 7.500 Euro für das erste Halbjahr 2021, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Das Geld wird demnach als Vorschuss ausgezahlt. Ab Juli werde auf Basis der tatsächlich erzielten Umsätze geschaut, ob auch ein Anspruch bestanden habe. Laut Ministerium dürfen Solo-Selbstständige den Zuschuss in voller Höhe behalten, wenn sie Umsatzeinbußen von über 60 Prozent zu verzeichnen haben.
+++ Die Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut 3.856 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das sind fast 480 mehr als vergangenen Dienstag, wobei am 9.2. rund 600 Infektionsfälle aus Nordrhein-Westfalen fehlten, die erst am Tag darauf in die Statistik einflossen.
Das RKI-Logo in blauer Schrift auf weißem Papier.
Das RKI-Logo (dpa/Marijan Murat)
Die Zahl der Menschen, die an oder mit dem Coronavirus gestorben sind, stieg um 528. Insgesamt verzeichnen die Behörden nun 65.604 Todesfälle in Zusammenhang mit der Pandemie. Die Sieben-Tage-Inzidenz wird wie gestern mit 59 angegeben.
+++ Die Bundesregierung drückt sich einer wissenschaftlichen Untersuchung zufolge in ihren Pressemitteilungen zur Corona-Pandemie oft unverständlich aus. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Hohenheim in Stuttgart. Die Forscher kritisieren insbesondere Schachtelsätze, Wortungetüme und nicht erklärte Fremdwörter.
+++ Schon vor der Zulassung des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca hatte es aus verschiedenen Gründen Vorbehalte gegeben. Nun berichten Geimpfte von teils deutlichen Nebenwirkungen. In einigen Regionen in Schweden sind Impfungen mit dem Wirkstoff des schwedisch-britischen Konzern deshalb vorerst gestoppt worden. Zum Teil hatte jeder vierte Geimpfte Probleme gemeldet.
Eine Ampulle des AstraZeneca-Impfstoffes am 26. Januar in einem Krankenhaus in Sunderland, England.
Eine Ampulle des AstraZeneca-Impfstoffes am 26. Januar in einem Krankenhaus in Sunderland, England. (picture alliance/dpa/empics/Owen Humphreys)
Auch in mehreren nordrhein-westfälischen Städten klagen Menschen über Impfreaktionen. Aus Niedersachsen werden zahlreiche Krankmeldungen nach Impfungen mit den Astrazeneca-Wirkstoff gemeldet. Mehr dazu in unserer ausführlichen Meldung.
Weiterführende Lektüre: So steht es um die Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus
+++ Im nordrhein-westfälischen Hamm hat der Nachweis der britischen Mutation des Coronavirus zu einem Großeinsatz der Polizei geführt.
Nach Angaben der Stadt ist eine Hundertschaft der Polizei seit gestern abend im Einsatz. Ein Bauarbeiter auf Montage sei positiv auf die ansteckendere Variante B.1.1.7 getestet worden. Daraufhin seien vier Wohnhäuser unter Quarantäne gestellt worden. Die Bewohner würden nun getestet, hieß es.
+++ Der Präsident des Deutschen Städtetags, Jung, warnt auf Grund der Schulschließungen vor Rückschlägen bei der Integration. Es gehe nicht alles mit Homeschooling und digitalen Lernformen, sagte der SPD-Politiker den Sendern RTL/ntv. Integration funktioniere nur über Sprache und die brauche ein lebendiges Miteinander. Das sei wirklich ein wunder Punkt, betonte Jung. Er forderte so schnell wie möglich wieder Präsenzunterricht für Integrations- und Sprachkurse anbieten zu können.
+++ Die Tiroler Verkehrslandesrätin Felipe hat die deutsche Bundesregierung für die verschärften Kontrollen an den Grenzübergängen zum österreichischen Bundesland kritisiert.
Sie verstehe zwar die Sorge vor der Ausbreitung der Coronavirus-Mutanten, jedoch seien Grenzschließungen nicht die richtige Lösung, um den Erreger zu bekämpfen, sagte Felipe im Deutschlandfunk. Zudem sei die Entscheidung in Berlin ziemlich kurzfristig getroffen worden, ohne die Nachbarländer entsprechend vorzubereiten.
+++ Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in den USA steigt binnen 24 Stunden um mindestens 53.789 auf 27,77 Millionen. Das geht aus einer Reuters-Erhebung auf Basis offizieller Daten hervor. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit dem Virus erhöhte sich um mindestens 1019 auf 486.717.
+++ Der CDU-Vorsitzende Laschet hat vor einer zu starken Fokussierung auf den Inzidenzwert im Kampf gegen die Corona-Pandemie gewarnt.
Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender, nimmt am Online-Parteitag der CDU Baden-Württemberg teil.
Online-Parteitag CDU Baden-Württemberg (picture alliance / dpa / Marijan Murat)
Man könne nicht immer neue Grenzwerte erfinden, um zu verhindern, dass Leben wieder stattfinde, sagte er am Abend beim digitalen Neujahrsempfang des baden-württembergischen Landesverbands des CDU-Wirtschaftsrats. Man müsse all die anderen Schäden etwa für die Gesellschaft und die Wirtschaft genauso im Blick haben wie die Inzidenzzahlen.
Der FDP-Vorsitzende Lindner sieht in den Äußerungen des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten eine große Annäherung an die Position der Liberalen. Man fühle sich bestärkt. Den richtigen Worten müssten nun aber umgehend Taten folgen. Von Vertretern der Grünen und der SPD kam indes Kritik. Der Grenzwert sei nicht erfunden, sondern vom höheren R-Wert der britischen Virus-Mutationen abgeleitet worden, hieß es.
+++Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Mertens, sieht keinen Grund, Lehrkräfte bevorzugt gegen Corona zu impfen. Die Stiko habe ihre Empfehlung auf die Auswertung internationaler Daten sowie die Meldedaten aus Deutschland gegründet, sagte Mertens der Düsseldorfer "Rheinischen Post".
+++ Der US-Immunologe Anthony Fauci ist mit dem israelischen Dan-David-Preis ausgezeichnet worden. Das Preisgeld beträgt umgerechnet 825.000 Euro. Die Stiftung hat Fauci für seinen Einsatz gegen das Aids-Virus ausgezeichnet, vor allem aber für seine Rolle in der Corona-Pandemie.
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