Dienstag, 07. Dezember 2021

Newsblog zum Coronavirus+++ Die Entwicklungen vom 8. bis 10. Dezember +++

Der Ratsvorsitzende der EKD, Bedford-Strohm, ist offen für strengere Kontaktregelungen auch während der Weihnachtsfeiertage. Wegen der Corona-Pandemie dürfen die Franzosen den Jahreswechsel nicht im Freien feiern. Der Sozialverband Deutschland hat vor zunehmender Einsamkeit und sozialer Isolation in der Corona-Krise gewarnt.Weitere Entwicklungen im Newsblog.

08.12.2020

Röhrchen mit den Abstrichen von Personen, die sich in einem Corona-Testzentrum einem PCR-Test unterzogen haben
Röhrchen mit den Abstrichen von Personen, die sich in einem Corona-Testzentrum einem PCR-Test unterzogen haben (imago/Sven Simon)
Donnerstag, 10. Dezember
+++ Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bedford-Strohm, ist offen für strengere Kontaktregelungen auch während der Weihnachtsfeiertage. "Wenn der harte Lockdown notwendig ist, um Menschenleben zu schützen und die Ausbreitung des Virus' zu begrenzen, dann glaube ich, kommen wir an dem harten Lockdown nicht vorbei", sagte er dem ARD-Magazin Kontraste. Man müsse die Empfehlungen der Wissenschafts-Akademie Leopoldina nach härteren Regeln ernst nehmen.
+++ Wegen der Corona-Pandemie dürfen die Franzosen den Jahreswechsel nicht im Freien feiern: Die Regierung verhängte für Silvester eine nächtliche Ausgangssperre, wie Premierminister Jean Castex mitteilte. Als Grund nannte er die zu hohen Neuinfektionszahlen. Die Ausgangssperre zwischen 20 Uhr und sechs Uhr früh beginnt demnach bereits am 15. Dezember. In der Erklärung heißt es dazu ausdrücklich: Keine Abweichung für die Silvesternacht. Am 24. Dezember ist das anders: Dort wird die Ausgangssperre aufgehoben.
+++ Der Sozialverband Deutschland hat vor zunehmender Einsamkeit und sozialer Isolation in der Corona-Krise gewarnt. Jeder fünfte Deutsche fühlt sich nicht mehr zugehörig, wie aus einem Gutachten des Verbandes hervorgeht. Die Pandemie habe wie ein Brennglas grundlegende Systemfehler und langjährige Fehlentwicklungen in den Sozialsystemen aufgezeigt, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Verbandes, Engelen-Kefer. Zugleich hätten sich bestehende Probleme verschärft.
+++ Die Europäische Zentralbank weitet ihre Hilfen für die Corona-geschwächte Wirtschaft im Euro-Raum aus. Wie die EZB in Frankfurt am Main mitteilte, erhöht sie die Mittel zum Ankauf von Staatsanleihen und Wertpapieren von Unternehmen um 500 Milliarden Euro - auf 1,85 Billionen Euro. Das wegen der Pandemie aufgelegte Kaufprogramm PEPP wird außerdem um neun Monate bis März 2022 verlängert. Ziel der Anleihekäufe ist es, die Zinsen für Staaten und Unternehmen niedrig zu halten.
Wie viele Menschen sterben, weil das Coronavirus in Umlauf ist? Statistiken zur sogenannten Übersterblichkeit können helfen, diese Frage zu beantworten. Doch auch dabei gibt es Schwierigkeiten, die von Kritikern benannt werden.
+++ Corona-Pandemie in den Vereinigten Staaten: "USA Today" berichtet, wie die Bürgerinnen und Bürger ihre Feiertage und die damit verbundenen Reisen planen - und welche Kosten-Nutzen-Rechnung sie dabei für sich vornehmen.
+++ Nach Großbritannien, Kanada und Bahrain hat auch Saudi-Arabien den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer zugelassen. Die Arzneimittelbehörde habe den Einsatz des Vakzins genehmigt, hieß es in Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur SPA. Damit wird der Weg frei für die Einfuhr und Nutzung des Impfstoffs. In dem Wüstenstaat mit rund 34 Millionen Einwohnern wurden bisher etwa 359.000 Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet.
+++ In Spanien hat es deutlich mehr Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gegeben als bislang bekannt. Für die Monate März bis Mai korrigierte die Nationale Statistikbehörde die Zahl um 18.000 nach oben. Insgesamt erlagen demnach in den drei Monaten über 45.000 Menschen dem Virus. Laut der Behörde wurde bei mehr als 32.000 von ihnen eine Corona-Infektion eindeutig als Todesursache festgestellt.
Die Zahl der Corona-Infektionen steigt weiter an – mehr Menschen müssen in Krankenhäusern behandelt werden, manche von ihnen auf der Intensivstation. In einigen Regionen kommt es bereits zu Engpässen. Mediziner zeigen sich besorgt.
+++ Niedersachsen hebt zur Eindämmung der Corona-Pandemie ab Montag die Schulpflicht auf. Wie Kultusminister Tonne mitteilte, können Eltern ihre Kinder bis zum ordentlichen Beginn der Weihnachtsferien vom Präsenzunterricht befreien. Der SPD-Politiker sprach von "freiwilligem Homeschooling". Für Schülerinnen und Schüler, die davon keinen Gebrauch machten, blieben die Schulen offen.
+++ Berlins Regierender Bürgermeister Müller will im Kampf gegen die Corona-Pandemie die Geschäfte schließen. Lediglich der Lebensmitteleinzelhandel bleibe ausgespart, erklärte der SPD-Politiker. Die Maßnahme gelte bis zum 10. Januar. Bis zu diesem Zeitpunkt würden zudem die Schulferien verlängert. Ab wann die neuen Beschränkungen in der Hauptstadt in Kraft gesetzt werden, steht noch nicht fest. Aufgrund der Infektionslage verschärfen damit immer mehr Bundesländer íhre Bestimmungen.
+++ Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Wieler, hält den zuletzt wieder registrierten Anstieg bei den Corona-Neuinfektionen für besorgniserregend.
Die Lage sei nach wie vor sehr ernst, sie habe sich seit der vergangenen Woche verschlechtert, sagte Wieler in Berlin. Es könne schnell wieder zu einem exponentiellen Wachstum der Neuinfektionen kommen.
Berlin: Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), nimmt an einem Pressebriefing zur aktuellen Covid-19-Lage in Deutschland teil.
RKI Pressebriefing (Michael Kappeler/dpa-pool/dpa)
+++ In den Bundesländern wird weiter über schärfere Anti-Corona-Maßnahmen diskutiert. Die Gesundheitsministerin von Thüringen, Werner, sagte im Deutschlandfunk, sollte es den Wunsch nach einem bundesweiten harten Lockdown geben, würde sich ihr Land nicht verschließen.
Die Linken-Politikerin betonte, dass es dann aber auch Unterstützung etwa für den Einzelhandel geben müsse. Das Kabinett in Erfurt berate ständig über die Situation. Noch handele man aber auf regionaler Ebene etwa durch Alkoholverbote und Schulschließungen.
+++ Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Günther sagte in Kiel, es sei notwendig, spätestens ab Weihnachten in einen harten Lockdown zu gehen. Man müsse die Zeit über den Jahreswechsel nutzen, um die gefährliche Entwicklung in Deutschland zu stoppen.
+++ Für Verschärfungen sprach sich auch die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Schwesig, aus. Zuvor hatte bereits die sächsische Landesregierung angekündigt, dass ab Montag Schulen, Kindergärten, Horte und große Teile des Handels geschlossen werden.
+++ Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut innerhalb eines Tages 23.679 neue Coronavirus-Infektionen gemeldet. Die Zahl der registrierten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus stieg binnen 24 Stunden um 440. Damit überschritt die Gesamtzahl über die Marke von 20.000 Fällen. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei 149,7 pro 100.000 Einwohner. Bund und Länder streben an, den Wert wieder unter die Schwelle von 50 zu drücken.
+++ Bundesinnenminister Seehofer begibt sich nach einem möglichen Kontakt mit einer positiv getesteten Mitarbeiterin in Quarantäne.
+++ Ifo-Chef Fuest hat sich gegen einen harten Lockdown noch vor Weihnachten ausgesprochen. Alle Beteiligten müssten die Chance bekommen, sich auf den Lockdown einzustellen, sagte Fuest der "Rheinischen Post". Vor allem für die Schulen sei eine gewisse Flexibilität vor Weihnachten angemessen, damit wichtige Dinge wie Klassenarbeiten noch durchgeführt werden können. Der Ökonom ist Mitglied der Wissenschaftlergruppe der Nationalen Akademie Leopoldina, die härtere Maßnahmen nach Weihnachten bis zum 10. Januar fordert.
+++ Die Wirtschaftsminister von Deutschland und Frankreich warnen vor einer steigenden Zahl von Firmenpleiten infolge der Corona-Pandemie. Je länger die Krise andauere, desto mehr müsste man sich mit Insolvenzen auseinandersetzen, sagte Bundeswirtschaftsminister Altmaier im Interview mit den Zeitungen "Handelsblatt" und der französischen "Les Échos". Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Le Maire warnt im selben Interview, dass nun eine "gefährliche Phase" beginne, in der fragile Sektoren wie Hotels, Restaurants, den Kultur- und Sportsektor besonders unterstützen werden müssten.
Mittwoch, 9. Dezember
+++ Bei dem Cyberangriff auf die Europäische Arzneimittelagentur EMA ist "unrechtmäßig" auf Dokumente im Zusammenhang mit dem Zulassungsantrag für den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer zugegriffen worden. Es seien jedoch keine Systeme von Biontech oder Pfizer angegriffen worden, teilte Pfizer mit. Es sei auch nicht bekannt, dass auf persönliche Daten zugegriffen worden sei. Die EU-Behörde bestätigte den Cyberangriff, ohne nähere Angaben wie etwa zum Zeitpunkt der Attacke zu machen. Sie habe in enger Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden eine vollständige Untersuchung eingeleitet. Die Agentur steht derzeit wegen der Zulassung von Impfstoffen gegen das Coronavirus im Fokus der Aufmerksamkeit. Unter anderem wird der Wirkstoff des deutschen Pharma-Unternehmens Biontech geprüft. Trotz der Attacke werde es nicht zu Verzögerungen im Zulassungsverfahren kommen. Das habe die Agentur Biontech nach Angaben des Unternehmens versichert.
+++ Angesichts steigender Infektionszahlen will Schleswig-Holsteins Landesregierung ihren Kurs deutlich verschärfen. Es sei notwendig, dass man spätestens ab Weihnachten in einen harten Lockdown gehe, um die Zeit über den Jahreswechsel zu nutzen, diese gefährliche Entwicklung in Deutschland zu stoppen, sagte Ministerpräsident Günther (CDU) in Kiel. Zuvor hatte sich der Regierungschef im Landtag noch für einen harten Lockdown nach Weihnachten ausgesprochen. In Schleswig-Holstein wurden nach Angaben der Landesregierung zuletzt innerhalb eines Tages 314 neue Corona-Fälle gemeldet. Die höchste Zahl war am 4. Dezember mit 318 Neuinfektionen bekanntgegeben worden. Seit Sonntag gilt das Land als Risikogebiet, weil der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen auf über 50 gestiegen war. Die regionalen Unterschiede sind aber groß.
+++ Stand der Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer:
  • Kanda hat den Impfstoff in einem beschleunigten Verfahren zugelassen. Die Massenimpfungen sollen im April beginnen.
  • Großbritannien hatte bereits eine Notfallzulassung ausgesprochen und begann gestern mit den Massenimpfungen
  • Der arabische Golfstaat Bahrain hat den Corona-Impfstoff ebenfalls in einer Notfallgenehmigung am 4.12. zugelassen
  • Die Impfkommission der US-Arzneimittelbehörde FDA prüft morgen den Antrag für eine Notfallzulassung des Impfstoffs
  • Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA will Ende Dezember die Entscheidung für oder gegen die Zulassung treffen
Illustration eines Impfstoffs gegen Covid-19, der von Pfizer und dem Mainzer Unternehmen Biontech entwickelt wird.
Impfstoffs gegen Covid-19 (Pictura alliance: PIXSELL)
+++ Die Türkei meldet 217 neue Todesfälle, ein Rekord. Zudem seien 31.712 Neuinfektionen gemeldet worden, erklärt Gesundheitsminister Koca. Insgesamt seien damit mehr als 15.531 Todesfälle und mehr als 1,5 Millionen Infektionen verzeichnet worden. "Davon waren 550.000 sichtbar krank", sagte Koca. Er kündigt an, ab Donnerstag würden die Daten für alle bisherigen Fälle vorliegen. Die Türkei erfasste vier Monate lang nur Infektionen, bei denen Symptome vorlagen. Seit dem 25. November werden wieder alle Fälle gezählt.
+++ Als weltweit dritter Staat lässt Kanada das Corona-Vakzin von Biontech und Pfizer zu. Das teilten die Behörden des Landes mit. Auch in Kanada hatte es ein beschleunigtes Verfahren für die Zulassung gegeben. Als erstes Land hatte Großbritannien den Einsatz des Impfstoffes genehmigt. Dort begannen gestern die Massenimpfungen gegen das Coronavirus. Allerdings zeigten zwei Mitarbeiter des Nationalen Gesundheitsdienstes NHS nach ihrer Impfung eine allergische Reaktion. Die zuständige Aufsichtsbehörde rät deshalb Menschen mit schweren Allergien vorerst davon ab, sich mit dem Corona-Vakzin von Biontech und Pfizer impfen zu lassen. Die Warnung gelte für Menschen, die in der Vergangenheit sogenannte anaphylaktische Schocks auf Medikamente, Lebensmittel oder Impfstoffe gezeigt hätten. Gemeint sind zudem Menschen, die eine Adrenalin-Fertigspritze bei sich tragen müssen.
Wir haben in einem Beitrag den Stand der Forschung an Impfstoffen gegen das Coronavirus zusammengefasst.
+++ Menschen ab 60 erhalten noch vor Weihnachten kostenlose FFP2-Atemschutzmasken. Ab dem 15. Dezember könne sich jeder nach Vorlage des Personalausweises drei Masken kostenfrei in der Apotheke abholen, teilte Bundesgesundheitsminister Spahn mit. Berechtigt sind den Angaben zufolge auch Mitglieder andere Risikogruppen, wenn sie die Zugehörigkeit hinreichend belegen können. Für das kommende Jahr sollten die Berechtigten dann zusätzlich zwei Coupons für je sechs Masken erhalten, mit denen sie diese billiger bekommen.
FFP2-Masken wurden zunächst hauptsächlich von medizinischem Personal getragen und setzen sich langsam auch in der übrigen Bevölkerung durch. Sie sind aus einem festeren Material als Stoff- oder OP-Masken und damit sicherer. Bei Tests in den USA wurden die ausgestoßenen Aerosole durch FFP2-Masken auf weniger als 0,1 Prozent der Menge ohne Maske reduziert. Bundesgesundheitsminister Spahn warnte allerdings davor, dass auch die FFP2-Masken keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Corona-Infektion böten. Sie seien kein Freifahrtschein, um unachtsam zu sein.
Zum Thema Mundschutz und Atemschutzmasken kursieren viele Informationen. Welche Arten von Schutzmasken es gibt, wie sie wirken und wen sie schützen, beantworten wir in unserem Beitrag: Was man zu Schutzmasken wissen sollte.
+++ In Großbritannien wird Menschen mit bekannten erheblichen allergischen Reaktionen zunächst von einer Impfung mit dem von Biontech und Pfizer entwickelten Vakzin abgeraten. Das berichten mehrere britische Medien und verweisen dabei auf die Regulierungsbehörde für Arzneimittel- und Gesundheitsprodukte MHRA. Dabei handele es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, nachdem am Dienstag zwei Menschen nach ihrer Impfung eine allergische Reaktion gezeigt hätten. Die beiden seien Mitarbeiter des Nationalen Gesundheitsdienstes NHS gewesen, bei denen erhebliche allergische Reaktionen in der Vergangenheit bekannt gewesen seien. Beide erholten sich gut, hieß es. Großbritannien hatte als erster Staat der Welt den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer zugelassen und am Dienstag mit der Massenimpfung begonnen. Die schnelle Notfallzulassung sorgte international für Kritik.
+++ Bundeskanzlerin Merkel hat sich für weitreichende Schließungen nach Weihnachten ausgesprochen, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Sie sagte im Bundestag, sie stimme Empfehlungen zu, die Geschäfte nach den Feiertagen bis zum 10. Januar zu schließen und auch den Unterricht an den Schulen zu minimieren. Hotelöffnungen über Weihnachten halte sie nicht für sinnvoll ebenso wenig wie Glühweinstände. Die Zahl der Neuinfektionen sei viel zu hoch. Die Kontakte müssten weiter eingeschränkt werden. Die Kanzlerin betonte in einem eindringlichen Appell wörtlich: "Wenn wir jetzt vor Weihnachten zu viele Kontakte haben und es anschließend das letzte Weihnachten mit den Großeltern war, dann werden wir etwas versäumt haben."
Zum Auftakt der Generaldebatte im Rahmen der Haushaltsberatungen warf AfD-Fraktionschefin Weidel der Kanzlerin einen planlosen und grotesken Umgang mit der Corona-Pandemie vor. Die Bundesregierung sperre die Bürger ein und vernichte ganze Branchen.
Berlin: Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der AfD, setzt sich nach ihrer Rede während der Generaldebatte zum Bundeshaushalt im Bundestag die Mund-Nasen-Bedeckung auf.
Bundestag - Fortsetzung der Haushaltswoche (dpa/ Kay Nietfeld)
FDP-Chef Lindner warf der Bundesregierung Unberechenbarkeit in der Corona-Politik vor. Die Halbwertszeit der Erklärungen, Ankündigungen und Verhaltensregeln werde immer kürzer, sagte er im Bundestag. Lindner kritisierte außerdem die hohe Neuverschuldung im Etat 2021.
Linken-Fraktionschefin Amira Mohamed Ali warf der Bundesregierung eine falsche Prioritätensetzung bei den Staatsausgaben vor. "Ihre Politik, die treibt seit Jahren den Keil der sozialen Spaltung immer tiefer in unsere Gesellschaft, und so machen Sie auch in dieser Pandemie weiter", sagte sie. Sie erneuerte die Forderung der Linken für eine einmalige Vermögensabgabe für "Superreiche, Multimillionäre und Milliardäre" in der Corona-Krise. Zudem müsse es anständige Löhne und Arbeitsbedingungen in Kliniken, Pflegeeinrichtungen, für Paketzusteller, LKW-Fahrer und Beschäftigte im Einzelhandel geben.
Grünen-Chefin Baerbock forderte, die Corona-Krise und die notwendigen Hilfspakete für ein Umsteuern in der Politik zu nutzen. "Mit den Milliardenpaketen muss jetzt auch der Grundstein dafür gelegt werden, dass es in Zukunft besser wird", sagte Baerbock. Sie plädierte dafür, im Gesundheitssystem stärker auf Vorsorge zu setzen und Milliardenhilfen für die Wirtschaft zu nutzen, um sie auf den Weg zur Klimaneutralität zu bringen, also eine drastische Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen. Den Wandel zu blockieren, gehe in der globalisierten Welt zulasten des Industriestandorts.
+++ Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut innerhalb eines Tages 20.815 neue Coronavirus-Infektionen gemeldet. Das sind etwa 3.500 mehr als am Mittwoch vor einer Woche. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg den Angaben zufolge binnen 24 Stunden um 590. Das ist ein neuer Höchstwert seit Beginn der Pandemie. Insgesamt sind inzwischen 19.932 Menschen in Deutschland an oder mit dem Coronavirus gestorben. Der Sieben-Tage-R-Wert betrug laut RKI-Lagebericht zuletzt 1,02. Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch 102 weitere Menschen anstecken.
+++ Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat vor einer Überlastung der Kliniken durch immer mehr Corona-Patienten gewarnt. Die Zahl der Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung auf den Intensivstationen steige immer weiter und liege inzwischen 40 Prozent über dem Höchststand vom Frühjahr, sagte der Präsident der Gesellschaft, Gaß, im Deutschlandfunk. Wenn jetzt nichts passiere, werde diese Situation wahrscheinlich bis in den März hinein anhalten.
+++ Sachsens Einzelhandelsverband hat die geplante Schließung eines Großteils der Geschäfte im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen kritisiert. Hauptgeschäftsführer Glaser sagte dem MDR, das führe zu Frust und Verzweiflung. Das Weihnachtsgeschäft sei wichtig, um das Geld für die schwierigen Monate ab Januar zu verdienen. Er forderte, die bisherigen Hilfen für Gastronomie auf den Einzelhandel zu erweitern.
Der Landeselternrat in dem Bundesland verlangte einen Lohnersatz für diejenigen, die von der Kita- und Schulschließung betroffen sind. Die stellvertretende Vorsitzende Eichhorn führte aus, am Ende des Jahres hätten viele Menschen kaum noch Urlaub, um Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut zu bringen. In Sachsen werden von Montag an Schulen, Kitas sowie große Teile des Einzelhandels geschlossen.
+++ In den USA breitet sich das Coronavirus weiter rasant aus. Die Behörden meldeten binnen eines Tages fast 216.000 bestätigte Neuinfektionen, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität hervorgeht. Das sind 36.000 mehr als vor einer Woche. Die Zahl der neuen Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-Erkrankung wird mit 2.534 angegeben. Nach dem Feiertag Thanksgiving Ende November befürchten Experten eine deutliche landesweite Zunahme der Infektionen.
+++ Die Bundeswehr wird einen Teil der künftigen Impfstoffe gegen das Coronavirus in ihren Kasernen zwischenlagern. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer sagte der Funke-Mediengruppe, der Amtshilfeantrag des Gesundheitsministeriums liege bereits vor. Die Bundeswehr kann nach den Worten der CDU-Politikerin darüber hinaus im Auftrag der Länder mit bis zu 26 Impfzentren und ebensovielen mobilen Impfteams helfen. Die Bundeswehr hatte Ende November erstmals an der regelmäßigen Telefonkonferenz zwischen Robert Koch-Institut und den Gesundheitsministern von Bund und Ländern teilgenommen und dargelegt, wo eine Unterstützung bei den geplanten Massenimpfungen möglich ist.
Fertig eingerichtet und bereit für den Beginn der Corona-Impfungen ist das Innere des Rhein-Main-Congress-Centrums (RMCC) im Stadtzentrum der hessischen Landeshauptstadt.
Vorstellung Corona-Impfzentrum Wiesbaden (picture alliance/dpa | Boris Roessler)
+++ Der Virologe Drosten hält schärfere Corona-Auflagen und einen baldigen Lockdown in Deutschland für dringend geboten. Er sagte im NDR-Podcast "Coronavirus-Update", die Wahrscheinlichkeit sei sehr groß, dass die Zahl der Infektionen in den Weihnachtsferien steige. Wenn man jetzt nicht handle, drohe dann Ende Januar und im gesamten Februar ein Lockdown, der die Wirtschaft massiv schädige. Drosten ist einer der Experten, die an der jüngsten Stellungnahme der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina mitgewirkt haben. Sie plädieren dafür, die Feiertage und den Jahreswechsel für einen harten Lockdown zu nutzen.
+++ Nach der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina plädieren immer mehr Politiker dafür, im Kampf gegen die hohen Infektionszahlen nach Weihnachten einschneidende Einschränkungen zu erlassen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Laschet sagte der Deutschen-Presse-Agentur, man brauche einen echten Jahreswechsel-Lockdown, um eine Perspektive hin zu mehr Normalität zu erarbeiten. Von Weihnachten bis zum Ende der Ferien im neuen Jahr könne das Land am ehesten komplett heruntergefahren werden. Die Schäden für Bildungschancen von Kindern sowie für Wirtschaft und Arbeitsplätze seien so gering wie in keiner anderen Zeit des Jahres. Auch der Deutsche Städtetag hält die Zeit nach den Feiertagen für ideal.
Der Co-Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Hofreiter, betonte, spätestens nach Weihnachten müsse es fast überall einen sehr harten Lockdown geben. Aber auch schon vor Weihnachten brauche es zusätzliche Maßnahmen", zitiert RTL/ntv Hofreiter.
Dienstag, 8. Dezember
+++ Der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordert ein Verzicht auf Lockerungen der Schutzmaßnahmen zu Weihnachten und zu Silvester. Die Infektionszahlen seien viel zu hoch, sagt Hauptgeschäftsführer Landsberg dem "Handelsblatt" einem Vorabbericht zufolge. "Wenn es Erleichterungen über Weihnachten und Silvester gibt, wird das zu Reiseaktivitäten führen, damit steigt das Infektionsrisiko."
+++ Auf die Slowakei kommt ein neuerlicher Lockdown zu, weil die Zahl der Corona-Neuinfektionen zuletzt wieder rasch angestiegen ist. Das bestätigte Innenminister Mikulec nach einer sechsstündigen Beratung des Nationalen Krisenstabes in Bratislava. Weitere Details wolle die Regierung erst am Mittwoch bekannt geben. Schon bisher waren in der Slowakei die Schulen für alle über zehn Jahre alten Schüler geschlossen, Restaurants durften Speisen und Getränke nur zum Mitnehmen oder für den Konsum im Freien verkaufen. Experten empfahlen seit Tagen einen "echten Lockdown" mit Schließung aller Geschäfte mit Ausnahme jener für Lebensmittel und andere unentbehrliche Güter.
+++ Frankreich meldet einen deutlichen Anstieg der Neuinfektionen. Das Gesundheitsministerium zählte 13.713 neue Coronafälle im Vergleich zu 8.083 vergangene Woche. Es wurden 831 weitere Todesfälle gemeldet. Nach dem Wochenende lagen die Zahlen deutlich niedriger mit 3.411 neuen Fällen und 366 Todesfällen.
+++ Bundesgesundheitsminister Spahn spricht sich für verschärfte Restriktionen nach Weihnachten aus. "Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber meine ruhigste Zeit ist tatsächlich die um Weihnachten bis Anfang Januar", sagt er "Bild live". "Und mir fiele fast keine bessere Zeit im Jahr ein, in der Gesellschaft weiter runterzukommen, Kontakte zu reduzieren."
+++ Die Niederlande verlängern angesichts der weiterhin hohen Corona-Infektionszahlen die Restriktionen über die Feiertage. Seine Regierung habe mehr erhofft, sagt Ministerpräsident Rutte, "aber es läuft nicht gut" mit Blick auf Neuinfektionen und die Auslastung der Krankenhäuser. Zugleich werde eine höhere finanzielle Unterstützung für Restaurants und Bars erwogen. In der Woche bis Dienstag steckten sich nach Angaben der Gesundheitsämter 43.103 Menschen mit dem Coronavirus an, gut ein Viertel mehr als in der Vorwoche. In den Niederlanden gilt seit dem 13. Oktober ein teilweiser Lockdown.
+++ Die Schweizer Regierung will angesichts wieder steigender Ansteckungszahlen landesweit strengere Beschränkungen durchsetzen. Derzeit fallen Eindämmungs-Maßnahmen in die Kompetenz der Kantone und unterscheiden sich stark. Ab 12. Dezember sollen Gastronomiebetriebe, Einkaufsläden und Märkte sowie Freizeitbetriebe bereits um 19.00 Uhr schließen. Öffentliche Veranstaltungen mit Ausnahme von religiösen Feiern sollen verboten und jegliche Aktivität im Kulturbereich untersagt werden.
+++ Die Türkei meldet mit 211 neuen Todesfällen einen Höchststand. Zudem wurden nach den Daten des Gesundheitsministeriums 33.198 Neuinfektionen verzeichnet, ebenfalls die höchste bislang bekannte Zahl. Die Türkei hatte vier Monate lang nur Fälle verzeichnet, bei denen Symptome vorlagen. Seit dem 25. November werden wieder alle Fälle gezählt.
+++ Zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Deutschland hat sich der Virologe Drosten für eine rasche Verschärfung der Maßnahmen ausgesprochen. "Es ist schon so, dass wir jetzt unbedingt etwas tun müssen", sagte der Charité-Wissenschaftler im "Coronavirus-Update" bei NDR-Info. Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass die Weihnachtszeit zu einem Anstieg der Fallzahlen führe. Werde jetzt nicht nachreguliert, drohe "Ende Januar und über den gesamten Februar hinaus" ein Lockdown mit massiven Folgen für die Wirtschaft.
Aufnahme aus der weihnachtlich geschmückten Innenstadt in Essen während des Teil-Lockdowns in der Coronapandemie im Dezember 2020
weihnachtlich geschmückten Innenstadt in Essen während des Teil-Lockdowns in der Coronapandemie (Rupert Oberhäuser / dpa)
+++ Trotz sinkender Corona-Infektionszahlen in Italien äußern sich Experten des Gesundheitsministeriums beunruhigt über die vielen Todesfälle. Die Ansteckungszahlen fallen zwar langsam, aber die Totenzahlen bleiben weiter hoch, wie der Experte des Gesundheitsministeriums, Rezza, sagte. Es brauche nicht viel, und der Trend könne sich wieder umkehren, warnte er.
+++ Die ersten Impfungen in Großbritannien sind auch in den Sozialen Medien ein großes Thema. So wurde etwa das CNN-Interview mit einem 91-jährigen Mann, der spontan in ein Londoner Krankenhaus fuhr, um sich impfen zu lassen, bereits kurz nach der Veröffentlichung tausendfach geteilt. "Es wäre sinnlos, jetzt zu sterben, wo ich doch nun schon so lange lebe", sagt der alte Mann dem CNN-Reporter. Er habe sich impfen lassen, damit er endlich seine Enkelkinder wieder umarmen könne.
+++ Die Zahl der Corona-bedingt geschlossenen Schulen in Deutschland ist leicht gesunken. Nach aktuellen Zahlen der Kultusministerkonferenz (KMK) waren in der vergangenen Woche 109 Schulen in Deutschland ohne Präsenzunterricht. Das waren 48 weniger als in der Vorwoche. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 32.000 allgemeinbildende Schulen und rund 9.000 Berufsschulen. Deutlich mehr Schulen meldeten allerdings eingeschränkten Präsenzbetrieb. Nach der am Dienstag veröffentlichten KMK-Statistik waren an 4.389 von rund 25.000 Schulen, zu denen entsprechende Daten vorlagen, einzelne Klassen oder Lerngruppen im sogenannten Distanzunterricht, also zu Hause. In der Vorwoche waren es 3.712 Schulen.
+++ Auch Mecklenburg-Vorpommern reagiert mit verschärften Schutzmaßnahmen auf die gestiegene Zahl von Corona-Infektionen. Das Kabinett beschloss in Schwerin, die Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen zu erweitern und Schüler ab der 7. Klasse nach den Weihnachtsferien zunächst per Internet zu Hause zu unterrichten. Die Regelung für die Schüler der oberen Klassenstufen gilt laut Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) zunächst für die erste Schulwoche nach den Weihnachtsferien, also vom 4. bis 8. Januar. Der Unterricht für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 soll demnach weiterhin in der Schule stattfinden und am 4. Januar nach Ende der Ferien beginnen. Lehrer sollen dort auch im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen.
+++ Bei Kontrollen an Bahnhöfen und im Zugverkehr zur die Einhaltung der Corona-Maßnahmen hat die Bundespolizei seit September 200.000 Reisende ohne Mund-Nase-Schutz registriert. Das teilte die Behörde in Potsdam mit. Die überwiegende Mehrheit halte sich aber an die Eindämmungsverordnung der Länder, hieß es. Bundesweit seien rund 3.700 Verstöße festgestellt worden, die den Behörden übermittelt wurden. In rund 500 Fällen erteilte die Polizei Platzverweise.
07.12.2020, Berlin: Beamte der Bundespolizei und der DB-Sicherheit stehen in einem Regionalzug vom Berliner Hauptbahnhof zum Flughafen BER neben einem Fahrgast. 
Bundesweiter Aktionstag der Deutschen Bahn zur Maskenpflicht (dpa/Kay Nietfeld)
+++ Wenige Tage vor der erwarteten Entscheidung über eine Notfallzulassung in den USA hat die US-Arzneimittelbehörde FDA dem Corona-Impfstoff des Mainzer Pharmaunternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer ein erstes gutes Zeugnis ausgestellt. Schon rund zehn Tage nach der ersten Dosis des Impfstoffes liege ein starker Schutz gegen die Krankheit Covid-19 vor, geht aus Dokumenten hervor, die die FDA am Dienstag veröffentlichte. Größere Sicherheitsbedenken gebe es keine.
+++ Sachsen geht am kommenden Montag, dem 14. Dezember, in einen "harten Lockdown". Laut Ministerpräsident Kretschmer (CDU) soll er bis zum 10. Januar gelten. Am Freitag wolle das Kabinett die Maßnahme formell beschließen. Schulen, Kitas und nicht lebensnotwendige Geschäfte bleiben während des Lockdowns geschlossen. Grund seien die sehr hohen Infektionszahlen.
+++ Baden-Württemberg will hartnäckige Corona-Quarantäneverweigerer zwangseinweisen. Dies erklärte Landessozialminister Lucha (Grüne) nach einer Kabinettssitzung in Stuttgart. Die Maßnahme trifft Menschen, die sich trotz Corona-Infektion nicht in Quarantäne begeben und auf andere Sanktionen nicht ansprechen. Sie sollen von der Polizei in zentrale Krankenhäuser gebracht werden können. Die Regierung setzt damit eine Forderung des baden-württembergischen Innenministers Strobl (CDU) um. Er sei froh, dass nun Einigkeit darüber herrsche, "dass uneinsichtige Quarantänebrecher abzusondern sind", sagte Strobl in Stuttgart. Dies sei die "Ultima Ratio für Menschen, die nicht bußgeldempfindlich sind".
+++ In Griechenland herrscht Empörung über Corona-Beschränkungen zu Weihnachten. Grundsätzlich will die griechische Regierung den geltenden Lockdown über die Feiertag zwar lockern - allerdings mit strengen Maßnahmen für die Einreise. So müssen Heimkehrer oder Touristen vom 18. Dezember bis zum 7. Januar vor Reiseantritt einen Corona-Test absolvieren und direkt nach der Ankunft auf griechischem Boden noch einmal. Auch bei negativem Ergebnis sollen sie danach zehn Tage in Quarantäne. Hintergrund ist die Absicht der Regierung, die zahlreichen Auslandsgriechen davon abzuhalten, in die Heimat zu reisen.
+++ In Thüringen sollen die Corona-Kontaktbeschränkungen über die Weihnachtsfeiertage und Silvester nicht gelockert werden. Das sieht ein Vorschlag der rot-rot-grünen Landesregierung vor, über den noch mit den Kommunen beraten werden soll. Auch der Landtag soll sich demnach mit dem Thema beschäftigen. Die saarländische Landesregierung teilte mit, für Heiligabend sowie jeweils am Silvester- und Neujahrstag werde ein Alkoholverbot auf belebten Plätzen und Straßen gelten. An den gelockerten Kontaktbeschränkungen über die Feiertage wolle man festhalten.
+++ Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina plädiert dafür, die Feiertage und den Jahreswechsel für einen "harten Lockdown" zu nutzen. In einer Ad-hoc-Stellungnahme empfehlen die Mitglieder ein zweistufiges Verfahren. Zunächst soll die Schulpflicht ab dem 14. Dezember aufgehoben werden, und möglichst viele Beschäftigte sollen im Homeoffice arbeiten. Von Weihnachten bis mindestens 10. Januar solle dann das öffentliche Leben weitgehend ruhen. Zu diesem verschärften Lockdown gehöre, dass wieder alle Geschäfte bis auf die des täglichen Bedarfs schlössen.
Coventry: Die 90-jährige Margaret Keenan (l) bekommt im Universitätskrankenhaus Coventry von der Krankenschwester May Parsons den Pfizer/BioNtech-Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus. 
Coronavirus - Großbritannien beginnt mit Corona-Impfungen (PA Wire/ Jacob King)
+++ Als erstes westeuropäisches Land hat Großbritannien heute mit Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Als erste wurde eine 90-Jährige in einem Krankenhaus in Coventry geimpft. Gesundheitsminister Hancock sagte, er hoffe, dass noch vor Weihnachten in Alters- und Pflegeheimen geimpft werden könne. Insgesamt sollen in einer ersten Phase 800.000 Impfdosen des Mainzer Pharmaunternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer verabreicht werden. Großbritannien hatte den Wirkstoff in der vergangenen Woche als erstes Land weltweit zugelassen. Eine Herausforderung ist die Tatsache, dass der Impfstoff bei minus 70 Grad gelagert werden muss. 50 Kliniken sollen als Impfzentren dienen.
+++ Der SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach hat eine weitere Verschärfung der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie angemahnt. Man müsse die Weihnachtsferien nutzen, um in dieser Zeit über einen drastischen Shutdown wieder die Kontrolle zu gewinnen, sagte Lauterbach der "Passauer Neuen Presse". Lockerungen zu Silvester bezeichnete er als "völlig unvertretbar". Lauterbach plädierte für eine Verlängerung der Weihnachtsferien auf vier Wochen, um die Zahl der täglichen Neuinfektionen zu senken.
Bundesgesundheitsminister Spahn sagte dem Fernsehsender Phoenix, sollten die Zahlen bis Weihnachten nicht sinken, müsse man über eine Verschärfung der Corona-Beschränkungen diskutieren. Auch eine erneute Schließung des Einzelhandels könne erforderlich sein, betonte der CDU-Politiker.
+++ Die Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut 14.054 neue Coronavirus-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet, das sind 450 mehr als vor einer Woche. Außerdem gab es 423 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Der sogenannte Sieben-Tage-R-Wert betrug laut RKI-Lagebericht gestern Abend 1,06. Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch 106 weitere Menschen anstecken.
+++ Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung zur Abfederung der Corona-Krise zeigt einer Studie zufolge Wirkung. Es stabilisiere bereits jetzt die Wirtschaftslage und dürfte mittelfristig das Wachstum anschieben, heißt es in einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des Finanzministeriums. Die Koalition hatte sich im Sommer auf ein mehr als 130 Milliarden Euro schweres Paket unter anderem mit geringerer Mehrwertsteuer, Hilfen für Kommunen und Zuschüssen für Familien verständigt.
+++ Rund 320 Millionen Kinder haben nach UNO-Angaben zu Anfang dieses Monats wegen der Corona-Pandemie keinerlei Schulunterricht erhalten. Das seien nahezu 90 Millionen mehr als noch Anfang November, teilte das Kinderhilfswerk Unicef in New York mit. Damals seien es 232 Millionen Mädchen und Jungen gewesen. Die Lernerfolge der Kinder seien durch die Schulschließungen gefährdet, zudem leide ihr physisches und mentales Wohlbefinden, hieß es. Weiter warnte Unicef, dass die Betroffenen unter dem Wegfall der Schulspeisung litten. Das gelte besonders für arme Länder.
+++ Die Weltgesundheitsorganisation hat sich gegen eine allgemeine Corona-Impfpflicht ausgesprochen. Vorschriften seien besonders bei dieser Impfung nicht der richtige Weg, sagte die Impfexpertin der WHO, O'Brien, am Abend in Genf. Eine Impfung gegen das Virus vorzuschreiben oder nachdrücklich zu empfehlen, könne in bestimmten Berufsfeldern wie der Intensivmedizin sinnvoll sein. Es gebe aber Beispiele, in denen eine Impfpflicht den gegenteiligen Effekt gehabt und nicht zu einer höheren Immunisierungsrate in der Bevölkerung geführt habe.
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