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Archiv: Regierungskritische Proteste - die Lage im Iran vom 9. bis 12. Januar 2026

Der Iran erlebt seit Ende Dezember die größten regimekritischen Proteste seit Jahren. Wir halten Sie mit einem Newsblog auf dem Laufenden. Hier finden Sie archivierte Einträge.

    Zu sehen ist eine Menschenmenge auf einem Platz in der iranischen Hauptstadt Teheran.
    Demonstranten in der iranischen Hauptstadt Teheran (Archivbild). (IMAGO / ZUMA Press Wire / IMAGO / Social Media)
    Zum aktuellen Newsblog zur Lage im Iran geht es hier.

    Montag, 12. Januar 2026

    +++ US-Präsident Trump kündigt Strafzölle für Handelspartner des Iran an

    Wie Trump auf seiner Plattform Truth mitteilte, müssen Länder, die Geschäfte mit der Islamischen Republik Iran tätigten, ab sofort bei Einfuhren in den USA einen Zollsatz von 25 Prozent zahlen.

    +++ Französische Botschaft in Teheran zieht einen Teil ihres Personals ab

    Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, haben Mitarbeiter der französischen Botschaft den Iran verlassen. Es soll sich um nicht erforderliches diplomatisches Personal handeln. Grund seien die Unruhen in dem Land. Die Mitarbeiter seien gestern und heute mit kommerziellen Flügen abgereist. Das Außenministerium in Paris erklärte, die Botschaft in Teheran sei umstrukturiert worden. Der Schutz der Mitarbeiter habe Priorität.

    +++ Trumps Berater drängen offenbar auf diplomatische Lösung im Konflikt mit dem Iran

    ‍In der US-Regierung drängen einem Medienbericht zufolge führende Berater von Präsident Trump auf eine ‌diplomatische Lösung im Konflikt mit dem Iran. Unter der Leitung von Vizepräsident Vance plädierten sie dafür, vor einem möglichen Militärschlag zunächst auf Gespräche zu setzen, wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Regierungsvertreter berichtete. Demnach ​prüft ​das Weiße Haus ​ein Gesprächsangebot Teherans zum iranischen Atomprogramm.

    +++ Politikwissenschaftler Fathollah-Nejad: Iranisches Regime "liegt im Sterben"

    Nach Ansicht des Politikwissenschaftlers und Direktors des Center for Middle East and Global Order in Berlin, Ali Fathollah-Nejad, steuert die iranische Regierung auf ihr Ende zu. Für die wirtschaftliche Talfahrt seien die Herrschenden hauptverantwortlich, sagte Fathollah-Nejad im Deutschlandfunk. Der Staat liege im Sterben, sei außenpolitisch geschwächt sowie ideologisch und wirtschaftlich bankrott. Zudem werde der Schutzring der Sicherheitskräfte um das Regime immer brüchiger. Ungeachtet der zahlreichen Revolutionsgardisten und Polizisten hätte zuletzt die Armee einschreiten müssen.
    Fathollah-Nejad rechnet noch in diesem Jahr mit grundlegenden Veränderungen im Iran. Offen sei, ob das Land eine autokratische "Häutung" oder Demokratisierung erfahre. Der Politikwissenschaftler forderte den Westen auf, den Druck auf das Regime aufrecht zu erhalten. Auf zeitliche Zugeständnisse wie neue Atomverhandlungen solle man sich nicht einlassen.

    +++ Russland verurteilt Einmischung "ausländischer Mächte" im Iran

    Russland hat jüngste Drohungen der USA über ein mögliches Eingreifen im Iran als Einmischung "ausländischer Mächte" kritisiert. Moskau verurteile "nachdrücklich einen weiteren Versuch ausländischer Mächte, sich in die inneren Angelegenheiten des Iran einzumischen", berichteten russische Staatsmedien unter Berufung auf den Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats, Schoigu. Demnach telefonierte Schoigu mit dem iranischen Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Laridschani. Es handelt sich um die erste Reaktion Moskaus auf die anhaltenden Proteste im Iran.

    +++ NGO: Knapp 650 Tote seit Beginn der Proteste im Iran

    Bei der Niederschlagung der Proteste im Iran sind nach den jüngsten Angaben einer Menschenrechtsorganisation mindestens 648 Menschen getötet worden. Einigen Schätzungen zufolge gebe es sogar mehr als 6.000 Todesopfer, teilte die in Norwegen ansässige Menschenrechtsgruppe Iran Human Rights (IHR) mit. Aufgrund der anhaltenden Internetsperre im Iran sei es aber äußerst schwierig, die Berichte unabhängig zu überprüfen.

    +++ EU-Parlament verbannt iranische Diplomaten aus seinen Gebäuden

    Das EU-Parlament hat allen iranischen Diplomaten und Vertretern den Zutritt zu seinen Gebäuden untersagt. Parlamentspräsidentin Metsola erklärte im Onlinedienst X, sie habe beschlossen, "sämtliches diplomatisches Personal und alle anderen Vertreter der Islamischen Republik Iran von sämtlichen Räumlichkeiten des Europäischen Parlaments auszuschließen". Das Haus werde nicht dazu beitragen, ein Regime zu legitimieren, das sich durch Folter, Repression und Mord an der Macht halte, so Metsola weiter.

    +++ Iran bestellt Gesandte Deutschlands, Frankreichs, Italiens und Großbritanniens ein

    Das iranische Außenministerium hat die diplomatischen Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Italiens und Großbritanniens einbestellt. Die Botschafter oder Geschäftsträger der Länder seien am Montagmorgen von den iranischen Behörden einbestellt worden, berichtete das Staatsfernsehen unter Berufung auf eine Erklärung des Außenministeriums. Die Behörden bedauerten die von diesen Ländern öffentlich geäußerte Unterstützung für die iranischen Demonstranten.

    +++ Berlin dringt auf Terror-Listung von Irans Revolutionsgarden

    Deutschland setzt sich in der EU dafür ein, die iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation einzustufen. Das sagte ein Sprecher der Bundesregierung in Berlin. Die Entscheidung muss einstimmig getroffen werden. Von der EU-Kommission hieß es heute, die Diskussion dazu sei im Gange. Den Revolutionsgarden wird vorgeworfen, eine Schlüsselrolle bei der Niederschlagung der aktuellen Proteste im Iran einzunehmen

    +++ Grüne fordern Bundesregierung zu Iran-Gipfel auf

    Grünen-Chefin Brantner hat die Bundesregierung zu einem Iran-Gipfel aufgerufen. Brantner sagte nach Beratungen des Bundesvorstands, es sei Aufgabe der Bundesregierung, die Menschen im Iran in ihrem Kampf für Freiheit zu unterstützen. Bisher habe man von Bundeskanzler Merz nur "warme Worte" gehört. Stattdessen könne man zu einem Iran-Gipfel einladen und die Zivilgesellschaft zusammenbringen, um sich an ihre Seite zu stellen, sagte Brantner. Es gebe eine große iranische Diaspora in Deutschland. Zudem müssten Auslandsvermögen der iranischen Eliten eingefroren und die iranischen Revolutionsgarden in der EU als Terrorgruppe eingestuft werden.

    +++ Bekommen die Iraner wieder Zugang zum Internet?

    Die Internetsperre im Land dauert seit mehr als dreieinhalb Tagen an. Das teilte die Nichtregierungsorganisation Netblocks mit und berief sich dabei auf Messungen. Diese Sperre könne aber über Kurzwellenradio, eine Mobilfunkverbindung in Grenznähe, das Satellitennetzwerk Starlink oder Satellitentelefone umgangen werden.
    US-Präsident Trump erwägt nach eigenen Angaben, die Demonstranten mit Satelliteninternet zu unterstützen. Er kündigte dazu ein Gespräch mit Tech-Milliardär Elon Musk an, dessen Firma SpaceX den Dienst Starlink betreibt. Die Regierung in Teheran äußerte sich erstmals zu einer möglichen Aufhebung der Internetblockade. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, man hoffe, dass sich "dieses Problem mit Blick auf den Prozess, der – so Gott will – derzeit im Gange ist, und angesichts der sich verbessernden Lage lösen wird".

    +++ Staatsfernsehen zeigt Bilder von Demonstrationen zur Unterstützung des Regimes

    Das iranische Staatsfernsehen hat Bilder ausgestrahlt, auf denen mutmaßlich Unterstützer des theokratischen Regimes zu sehen sind. Den Angaben zufolge bewegen sich tausende Menschen in Richtung des Enghelab-Platzes in der Hauptstadt Teheran. Der Ort ist auch als Platz der Islamischen Revolution bekannt. Die Versammlung wurde im Staatsfernsehen als "iranischer Aufstand gegen amerikanisch-zionistischen Terrorismus" tituliert. Aus anderen iranischen Städten wurden ähnliche Versammlungen gemeldet.

    +++ China warnt vor "Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten"

    China hat auf die Aussagen von US-Präsident Trump zu einem möglichen Eingreifen im Iran reagiert. Eine Sprecherin des Außenministeriums sagte in Peking, China lehne eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten ab und widerspreche der Anwendung oder Androhung von Gewalt in den internationalen Beziehungen. Peking hoffe, dass Regierung und Bevölkerung des Iran die aktuellen Schwierigkeiten überwinden und die nationale Stabilität wahren könnten. China und Iran unterhalten seit Jahren eine enge wirtschaftliche und strategische Partnerschaft. Der Iran exportiert Öl nach China.

    +++ Iranische Führung hält Lage für "unter Kontrolle"

    Der iranische Außenminister Araghchi behauptet, die Lage im Land sei "vollständig unter Kontrolle". Das sagte er vor ausländischen Diplomaten. Über seine Äußerungen berichtet der von Katar finanzierte Sender Al-Dschasira, der trotz Internetblockaden weiter aus dem Iran berichten darf. Demnach warf Araghchi den USA vor, die Proteste in der Islamischen Republik als Vorwand für eine Intervention zu nutzen.

    +++ Merz fordert Ende der Gewalt im Iran

    Bundeskanzler Merz hat die Gewalt iranischer Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstranten als unverhältnismäßig und brutal verurteilt. "Ich rufe die iranische Führung auf, ihre Bevölkerung zu schützen, statt sie zu bedrohen", sagte Merz bei einem Besuch in Indien. Er verurteilte die Gewalt gegen das eigene Volk "auf das Schärfste". Sie sei ein Zeichen der Schwäche und kein Zeichen der Stärke. Merz würdigte ausdrücklich den Mut der Demonstranten.
    Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Indiens Premierminister Modi in Gandhinagar
    Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Indiens Premierminister Modi auch zum Iran geäußert. (picture alliance/dpa/Kay Nietfeld)

    +++ Gestern Abend soll es im Iran erstmals seit Tagen keine neuen Massenproteste gegeben haben.

    Das berichtet ARD-Korrespondent Uwe Lueb. Die Menschen seien vermutlich eingeschüchtert. Gestern waren Bilder von Toten öffentlich geworden, bei denen es sich um getötete Demonstranten handeln soll.
    Keine neuen Massenproteste - Angeblich Verhandlungen mit USA in Aussicht

    +++ EU-Außenbeauftragte Kallas für zusätzliche Sanktionen gegen den Iran

    Angesichts des gewalttätigen Vorgehens gegen Protestierende im Iran wird international über weitere Sanktionen gegen das Regime in Teheran diskutiert. Die EU-Außenbeauftragte Kallas sagte der Zeitung "Die Welt", sie sei bereit, zusätzliche Maßnahmen als Antwort auf die brutale Unterdrückung vorzuschlagen. Israels Außenminister Saar hatte Deutschland und die EU dazu aufgerufen, die Revolutionsgarden als terroristische Organisation einzustufen.
    Der CDU-Außenpolitiker Laschet sagte im Deutschlandfunk, rechtlich sei dies möglich. Durch einen solchen Schritt würden auch die finanziellen Netzwerke in Europa trockengelegt. Ähnlich äußerte sich der Grünen-Politiker Nouripour im ARD-Fernsehen.
    Laschet (CDU): "So weit waren wir noch nie, um einen Frieden zu erreichen"

    +++ US-Präsident Trump stellt ‌ein Treffen mit der iranischen Führung ​in Aussicht.

    ​Der ​Iran habe ‌gestern um ​Verhandlungen gebeten, erklärte Trump in Washington. Er sei zudem in Kontakt mit Anführern der iranischen Opposition. Zugleich drohte er dem iranischen Regime erneut mit einem militärischen Vorgehen: Die US-Armee und seine Regierung prüften derzeit einige sehr starke Optionen für ein Eingreifen, teilte Trump mit. Offenbar wolle Teheran deshalb verhandeln. Worüber sagte er nicht.
    Bundesaußenminister Wadephul betonte im ZDF, dass die jetzigen Proteste auch eine Folge der bisherigen Strafmaßnahmen des Westens seien. Man sollte auf diesem Weg weitergehen.

    +++ US-Präsident Trump droht erneut mit militärischen Schritten gegen iranisches Regime

    "Wir nehmen das sehr ernst", sagte Trump vor Journalisten an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One. "Das Militär prüft die Lage, und wir erwägen einige sehr drastische Optionen. Wir werden eine Entscheidung treffen." Der US-Präsident äußerte sich auf die Frage, ob die Führung in Teheran die von ihm zuvor genannte rote Linie - die Tötung von Demonstranten - überschritten habe. "Es sieht so aus, als würden sie damit beginnen", sagte er nun.

    +++ Bundesaußenminister Wadephul fordert Geschlossenheit des Westens gegenüber Iran

    Bundesaußenminister Wadephul hat den Westen zur Geschlossenheit gegenüber dem Regime in Teheran aufgerufen. Dieses habe keine hinreichende Legitimität, sagte der CDU-Politiker im ZDF. Es gebe bereits umfangreiche Strafmaßnahmen gegen die Regierung in Teheran. Die jetzigen Proteste nannte er eine Folge von Sanktionen: "Das heißt: Sanktionen wirken, und auf diesem Weg sollten wir weiter vorangehen."

    +++ Iranisches Regime ruft zu regierungsfreundlichen Kundgebungen auf

    Präsident Peseschkian sprach von einem "Marsch des Widerstands", der heute in zahlreichen Städten stattfinden solle und sich gegen die Gewalt von - wie er es nannte - "urbanen Terroristen" richte. Die Regierung verhängte zudem drei Tage Staatstrauer und verwies darauf, dass bei den Protesten Einsatzkräfte getötet worden seien.

    Sonntag, 11. Januar 2026

    +++ US-Sender CNN: Haben trotz Internet-Blockade Informationen über getötete Demonstranten.

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    +++ Hintergrund: Wie stabil ist das Regime?

    +++ Solidaritätskundgebungen in Paris und London

    Mehr als 2.000 Menschen sind in Paris zur Unterstützung der Protestbewegung im Iran auf die Straße gegangen. Die Menschen schwenkten Fahnen des ehemaligen Schahs sowie Flaggen Israels. Zur iranischen Botschaft in der französischen Hauptstadt durften sie aufgrund einer Anordnung der Behörden nicht ziehen. Auch in der britischen Hauptstadt London gingen tausende Menschen auf die Straßen.
    Demonstranten in Paris halten Plakate zur Unterstützung der Massendemonstrationen im Iran in die Höhe.
    Solidarität mit Protesten im Iran - Frankreich (AP / dpa / Michel Euler)

    +++ EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bereit zu neuen Iran-Sanktionen

    Kallas sagte der "Welt", die EU habe bereits weitreichende Strafmaßnahmen gegen den Iran verhängt - und zwar gegen diejenigen, die für Menschenrechtsverletzungen, die Ausweitung des Atomprogramms und für Teherans Unterstützung von Russlands Krieg in der Ukraine verantwortlich seien. "Und ich bin bereit, zusätzliche Sanktionen als Antwort auf die brutale Unterdrückung von Demonstranten vorzuschlagen." Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dürfte es zunächst vor allem um Strafmaßnahmen gegen Verantwortliche für die Gewalt gegen Demonstranten gehen - möglicherweise auch gegen Minister.

    +++ Iranisches Regime ruft zu regierungsfreundlichen Kundgebungen auf

    Präsident Peseschkian sprach von einem "Marsch des Widerstands", der morgen in zahlreichen Städten stattfinden solle und sich gegen die Gewalt von - wie er es nannte - "urbanen Terroristen" richte. Die Regierung verhängte zudem drei Tage Staatstrauer und verwies darauf, dass bei den Protesten Einsatzkräfte getötet worden seien.

    +++ UNO-Generalsekretär "schockiert" über Gewalt im Iran

    Guterres rief die Behörden zur Zurückhaltung auf. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Versammlungsfreiheit müssten "uneingeschränkt geachtet und geschützt werden". Guterres verlangte außerdem eine Aufhebung der Internetsperre im Iran.

    +++ EU-Parlamentspräsidentin Metsola ermuntert Demonstranten im Iran

    Metsola rief dazu auf, die Proteste gegen das Regime fortzusetzen. Sie schrieb in den Sozialen Netzwerken, Irans neue Generation fordere auf den Straßen Würde und Freiheit. Das sei nicht zu viel verlangt. Metsola rief die Führung in Teheran auf, das Töten zu beenden und unschuldig Inhaftierte freizulassen.

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    +++ Trump über verschiedene Maßnahmen gegen den Iran informiert

    US-Präsident Trump erwägt US-Medienberichten zufolge Militärschläge im Iran, aber auch andere Möglichkeiten. Neben einer Reihe möglicher militärischer Optionen wird demnach auch über andere Maßnahmen diskutiert wie den Einsatz von Cyberwaffen gegen militärische und zivile Ziele, weitere Sanktionen gegen den Iran sowie die Unterstützung regierungskritischer Stimmen im ​Internet. Nach Angaben des US-Senders "CNN" wurde der US-Präsident bereits über die Möglichkeiten informiert, während das "Wall Street Journal" berichtet, ein Trump-Briefing solle am Dienstag stattfinden.

    +++ Deutlich mehr Todesopfer im Iran befürchtet

    Die Zahl der Todesopfer bei den Protesten gegen das islamistische Regime im Iran könnte womöglich höher sein als bislang vermutet. Inzwischen sei von fast 500 toten Demonstranten auszugehen, teilten Exil-Menschenrechtsgruppen in den USA mit. Es seien auch knapp 50 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet worden. Fast 11.000 Menschen wurden demnach festgenommen.
    Der Iran-Experte Ali Fathollah-Nejad sagte im Mitteldeutschen Rundfunk, es gebe Anzeichen, dass Hunderte von Demonstranten - wenn nicht gar eine vierstellige Zahl - getötet worden seien. Der iranische ‌Polizeichef Radan hat jüngst erklärt, die Sicherheitskräfte hätten ​ihre Bemühungen zur Bekämpfung der "Randalierer" verstärkt.

    +++ Die israelische Regierung sichert dem iranischem Volk Unterstützung zu

    Israels Außenminister Saar erklärte, man unterstütze den Kampf des iranischen Volkes für die Freiheit und wünsche viel Erfolg. Die Regierung in Teheran sei der größte Exporteur von Terrorismus und Radikalismus. Saar rief die EU auf, die iranischen Revolutionsgarden als terroristische Organisation einzustufen. Dies habe er auch Bundesinnenminister Dobrindt mitgeteilt, der sich gerade in Israel aufhält.

    +++ Iran droht mit Angriffen auf US-Ziele und Israel

    Der Iran hat Israel und die USA davor gewarnt, die Protestbewegung im Land militärisch zu unterstützen. Jeder Angriff der USA werde zu Angriffen auf Israel und regionale US-Militärstützpunkte sowie den Seeverkehr der Vereinigten Staaten führen, sagte Parlamentssprecher Ghalibaf in Teheran. Diese seien dann legitime Ziele. US-Präsident Trump hatte den Teilnehmern der Massenproteste gegen das iranische Regime Unterstützung zugesichert. Der Iran strebe nach Freiheit, vielleicht wie nie zuvor. Die USA seien bereit zu helfen, so Trump auf seiner Plattform Truth Social.
    Man sieht einen Mann mit wenigen kurzen grauen Haaren, einem kurzen Bart und Brille. Er trägt ein dunkelblaues Hemd und ein dunkles Sacko.
    Der iranische Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf (picture alliance / NurPhoto / Morteza Nikoubazl)

    +++ Laschet fordert schärfere Sanktionen gegen Regime im Iran

    Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Laschet, hat gefordert, die Sanktionen gegen die iranische Führung zu verschärfen. Der CDU-Politiker sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, wer mit Gewalt, Folter und Mord das eigene Volk unterdrücke, müsse Konsequenzen spüren. Millionen Menschen hätten ihre Angst verloren, sagte Laschet weiter. Sie forderten überall im Iran das Ende des Terror-Regimes.

    +++ Vom Regime kontrolliertes Parlament berät über Proteste

    In Teheran ist das Parlament zusammengekommen. Abgeordnete drückten unter anderem mit Slogans gegen die USA ihre Unterstützung für das Regime aus.

    +++ Internet-Sperre dauert an - vereinzelt Zugang wohl über Starlink

    Im Iran dauert die von der staatlichen Führung verhängte Internetsperre an. Der Zugang zum Netz sei im Land nunmehr seit über 60 Stunden blockiert, erklärte die Organisation Netblocks am Sonntagmorgen im Onlinedienst X. Menschen umgehen den Blackout Berichten zufolge per Starlink-Satelliteninternet – vorausgesetzt sie konnten die dafür notwendigen Terminals illegal einführen.

    +++ Viele Tote und Verhaftete bei Demonstrationen

    Im Iran ist die Zahl der von Sicherheitskräften getöteten Demonstranten laut Angaben von Aktivisten auf mehr als 100 gestiegen. Die in den USA ansässige Organisation „HRANA“ spricht von 116 Todesopfern und bislang 2.600 Verhaftungen.
    Zu sehen ist eine Menschenmenge auf einem Platz in der iranischen Hauptstadt Teheran.
    Demonstranten am 10. Januar in der iranischen Hauptstadt Teheran. (IMAGO / ZUMA Press Wire / IMAGO / Social Media)

    Samstag, 10. Januar 2026

    +++ Von der Leyen fordert Freilassung festgenommener Demonstranten

    EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen hat die sofortige Freilassung aller festgenommenen Demonstranten im Iran und die vollständige Wiederherstellung des Internetzugangs in dem Land gefordert. In sozialen Medien schrieb sie, Europa stehe fest an der Seite der Menschen im Iran, die Freiheit forderten und verurteile die gewaltsame Unterdrückung der legitimen Demonstrationen auf das Schärfste. Man verlange, dass die Grundrechte in dem Land endlich geachtet würden.

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    +++ Berichte über neue Proteste

    Nach Berichten von Aktivisten haben sich ungeachtet der Drohungen des Regimes wieder Menschen auf den Straßen von Teheran versammelt. Auf Videos in sozialen Medien waren große Menschenmengen zu sehen, die durch die Hauptstadt zogen. Ähnliche Bilder gab es unter Anderem aus Rascht im Norden des Iran, aus Täbris im Nordwesten und Schiras im Süden. Die Echtheit der Videos ließ sich zunächst nicht überprüfen.

    +++ Schah-Sohn ruft zu landesweitem Streik im Iran auf

    Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, hat aus seinem Exil in den USA zu landesweiten Streiks im Iran aufgerufen. Arbeiter und Angestellte von Schlüsselbranchen wie der Öl-, Gas- und Energieindustrie sollten ihre Arbeit niederlegen, erklärte Pahlavi auf der Plattform X. Ziel sei es, die finanziellen Lebensadern zu schwächen und den Unterdrückungsapparat in die Knie zu zwingen. Er rief zudem für Samstag und Sonntag erneut zu Demonstrationen auf.

    +++ Iranische Staatsführung verschärft Drohung gegen Demonstranten

    Im Iran droht das Regime seinen Bürgern mit harten Repressalien im Fall von weiteren Protesten. Der Generalstaatsanwalt sagte im Staatsfernsehen, jeder, der an den Demonstrationen teilnehme, könne als "Feind Gottes" angesehen werden. Auch jene, die Unruhestiftern Hilfe leisteten, drohe unter diesem Tatvorwurf eine Anklage. Im Iran können sogenannte "Feinde Gottes" mit dem Tod bestraft werden.

    +++ Solidaritätskundgebungen in mehreren europäischen Städten

    Rund hundert Exil-Iraner haben am Brandenburger Tor in Berlin ihre Solidarität mit den Protesten gegen das herrschende Regime zum Ausdruck gebracht. Mit iranischen Flaggen und Schildern demonstrierten sie gegen die Niederschlagung von Protesten und für einen Regimewechsel in ihrem Heimatland. Auch in London, Stockholm und anderen europäischen Städten gab es Demonstrationen.
    Demonstration gegen das iranische Regime in Stockholm
    Demonstration von Exil-Iranern in Stockholm (picture alliance / TT NYHETSBYRÅN / Christine Olsson / TT)

    +++ USA erneuern Warnungen an Teheran

    US-Außenminister Rubio bekräftigte, die Vereinigten Staaten unterstützten das "mutige iranische Volk". Zudem hieß es, Teheran sollte Präsident Trump ernstnehmen. Wenn dieser sage, dass er etwas tun werde, meine er es auch so. Trump hatte Teheran bei einem gewaltsamen Vorgehen gegen Demonstranten mit einem erneuten Militäreinsatz gedroht: "Sie sollten besser nicht anfangen zu schießen, denn dann werden wir auch anfangen zu schießen", hatte Trump gestern gesagt.

    +++ Propagandaoffensive der iranischen Führung

    Das islamistische Regime im Iran stemmt sich gegen die wachsenden Proteste und versucht, die Entwicklungen als Folge ausländischer Einflussnahme darzustellen. Die Armee forderte die Bürger auf, wachsam zu sein, um die - Zitat - "Pläne des Feindes" zu vereiteln. Man werde die nationalen Interessen, die strategische Infrastruktur und das öffentliche Eigentum des Landes schützen. Das Staatsfernsehen berichtete über getötete Einsatzkräfte. Die Verbindungen zum Internet sind weitgehend lahmgelegt, die Telefonleitungen unterbrochen. Viele Schulen und Universitäten stellten auf Distanzunterricht um.

    +++ Erneut Proteste in Teheran und Maschhad

    Trotz des gewaltsamen Vorgehens der Einsatzkräfte versammelte sich am Freitagabend erneut eine große Menschenmenge in der Hauptstadt Teheran. Exilsender zeigten auch Bilder aus anderen Städten, darunter Maschhad im Osten des Landes und Täbris im Norden. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters sollen iranische Sicherheitskräfte in der Stadt Baharestan 100 Demonstranten festgenommen haben.

    +++ US-Magazin Time: Arzt berichtet von mehr als 200 Toten

    Nach einem Bericht des US-Magazins Time könnte es in den sechs Krankenhäusern der iranischen Hauptstadt Teheran mehr als 200 Todesfälle unter Demonstranten geben. Das Magazin beruft sich auf einen Arzt aus Teheran. Die meisten seien seinen Angaben zufolge "durch scharfe Munition" getötet worden. Das "Zentrums für Menschenrechte im Iran", das seinen Sitz in New York hat, berichtet, dass es in den Krankenhäusern in den Regionen Teheran, Maschhad und Karadsch viele verletzte Demonstranten gebe. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

    Freitag, 9. Januar 2026

    +++ US-Präsident Trump hat wegen der Proteste im Iran erneut mit einem Militäreinsatz gedroht.

    "Der Iran steckt in großen Schwierigkeiten", sagte Trump am Freitag im Weißen Haus. Noch vor wenigen Wochen habe niemand so große Proteste in iranischen Städten für möglich gehalten. Seine Botschaft an die Führung in Teheran laute: "Fangt besser nicht an zu schießen, denn dann werden wir auch anfangen zu schießen." Er schloss zugleich aus, Bodentruppen in den Iran zu schicken.

    +++ Großbritannien, Frankreich und Deutschland haben die iranische Führung aufgefordert, auf Gewalt gegen die wachsende Protestbewegung im Land zu verzichten.

    In einer gemeinsamen Erklärung verurteilen Premierminister Starmer, Präsident Macron und Bundeskanzler Merz außerdem die Tötung von Demonstranten und das Vorgehen iranischer Spezialeinheiten.

    +++ Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi hat vor einem möglichen Massaker durch die Sicherheitskräfte gewarnt.

    Glaubwürdige Hinweise deuteten darauf hin, dass die Regierung versuchen könnte, diese Nacht unter dem Schutz der Kommunikationssperre in ein Blutbad zu verwandeln, schrieb Ebadi, die im Exil lebt. Die landesweite Unterbrechung des Internets sei kein technisches Problem, sondern eine Taktik.

    +++ Die Zahl der Todesopfer im Zuge der Proteste im Iran soll auf mindestens 62 gestiegen sein.

    Diese Zahl nannte die in den USA ansässige Human Rights Activists News Agency, die sich bei ihrer Berichterstattung auf ein Netzwerk von Aktivisten innerhalb des Irans stützt. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht. Die Menschenrechtsgruppe Hengaw mit Sitz in Norwegen berichtete zudem von einem Vorfall im Westen Irans, In der Stadt Kermanschah seien bei Unruhen zehn Mitglieder einer regionalen Militäreinheit getötet worden.

    +++ Der oberste Führer des Irans, Ajatollah Chamenei, hat in einer Fernsehansprache einen repressiven Kurs angekündigt.

    Er warf den Demonstranten vor, im Auftrag von Oppositionsgruppen im Exil und von den USA zu handeln. Die Islamische Republik werde Vandalen nicht nachgeben, sagte er. Der Chef der Justiz kündigte dem Staatsfernsehen zufolge eine "entschlossene, maximale und ohne rechtliche Nachsicht" erfolgende Bestrafung von Protesten an. Der Staatsanwalt von Teheran drohte mit der Todesstrafe. Präsident Peseschkian hatte vergangene Woche noch zu einem "freundlichen und verantwortungsvollen Vorgehen" aufgerufen.

    +++ Die iranische Führung hat das Land angesichts anhaltender Proteste weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten.

    Die Behörden schalteten das Internet ab, um die Kommunikation der Menschen einzuschränken. Zahlreiche Flüge aus dem Ausland wurden gestrichen. Auf Videos aus den vergangenen 48 Stunden sind brennende Gebäude und Fahrzeuge in Teheran und anderen Städten zu sehen. Menschenrechtsgruppen sprechen von bislang mindestens 40 Toten unter den Demonstranten. Die halbamtliche Nachrichtenagentur Tasnim berichtet von mehreren getöteten Polizisten.

    +++ Bei den Protesten der vergangenen Tage wurde nach Angaben von Korrespondenten häufiger als zuvor der Name des 1979 gestürzten Schah und dessen Sohn Reza Pahlavi gerufen.

    Der heute 65-jährige lebt im Exil in den USA. Über die Sozialen Medien wendet er sich regelmäßig an die Menschen im Iran und rief in den vergangenen Tagen nun auch zu Protesten auf. Nun appellierte er an den US-Präsidenten. Er bat Trump einzugreifen, um dem iranischen Volk zu helfen.

    +++ Die Konfliktforscherin Sara Bazoobandi steht das iranische Regime unter erheblichem Druck.

    Die Schwächung der Verbündeten im Libanon, Gaza und im Jemen, der Sturz des syrischen Diktators Assad sowie die systematische Ausschaltung hochrangiger Kommandeure der Islamischen Revolutionsgarde hätten die strategische Position Teherans massiv geschwächt. Die an der Universität Kiel und am Hamburger GIGA-Institut forschende Wissenschaftlerin verwies im Gespräch mit der Katholischen Nachrichtenagentur zudem auf innenpolitische Krisen, wie etwa den Wassermangel und eine Versorgungskrise bei Lebensmitteln. In der Folge, so Bazoobandi, hätten Terror und Unterdrückung ihre abschreckende Wirkung verloren.

    +++ Der iranische Geheimdienst ruft die Bevölkerung zur Denunziation auf.

    Die Allgemeinheit werde gebeten, „Zerstörer und Terroristen im Auftrag von USA und Israel“ zu melden, hieß es in einer Erklärung, die der staatliche Rundfunk verbreitet hatte.

    +++ Die Bundesregierung hat das Vorgehen der staatlichen Sicherheitskräfte im Iran gegen die landesweiten Proteste verurteilt.

    Teheran müsse jede Art von Gewalt gegen Demonstranten umgehend einstellen, sagte ein Regierungssprecher in Berlin. Das Demonstrations- und Versammlungsrecht müsse ebenso gewährleistet werden wie eine freie Berichterstattung der Medien.

    +++ Der Zentralrat der Juden fordert die Bundesregierung auf, klar Stellung für die regierungskritischen Demonstranten im Iran zu beziehen.

    Zentralratspräsident Schuster sagte der "Bild"-Zeitung, das Signal aus deutscher Politik und Zivilgesellschaft müsse lauten: "Das Mullah-Regime muss jetzt fallen." Die iranischen Machthaber unterdrückten "seit Jahren im Inneren ihre Bevölkerung, vor allem Frauen". Zudem gehörten sie "zu den global gefährlichsten Financiers des Terrorismus".

    +++ Die EU-Außenbeauftragte Kallas hat das Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte als inakzeptabel bezeichnet.

    Gewalt gegen friedliche Demonstranten dürfe es nicht geben. erklärte Kallas. Wer das Internet abschalte und gleichzeitig Proteste gewaltsam unterdrücke, der habe Angst vor dem eigenen Volk. Das schrieb die EU-Chefdiplomatin auf der Online-Plattform X.

    +++ Die derzeitigen Proteste im Iran haben sich zunächst an der schlechten Wirtschaftslage und an der hohen Inflation von im Dezember über 40 Prozent entzündet.

    Inzwischen richten sich die Slogans direkt gegen die Führung des Landes. Auf von Reuters verifizierten Videos aus der Hauptstadt Teheran waren ⁠hunderte marschierende Menschen zu sehen. In einem der Videos war eine Frau zu hören, die unter Anspielung auf den obersten Führer des Landes "Tod Chamenei" rief. Seit Beginn der Protestwelle am 28. Dezember gab es Versammlungen in mindestens 50 Ortschaften und Städten vor allem im Westen des Landes.

    +++ Mehr Informationen zu den Hintergründen der Proteste

    Warum die Menschen im Iran erneut auf die Straße gehen und welches Potential die Proteste diesmal haben - ausführliche Infortmationen dazu finden Sie in diesem Artikel: Iran: Wie gefährlich sind die Proteste für das Mullah-Regime?