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StartseiteCampus & KarriereSchulferien nach eigenem Plan10.07.2018

NiederlandeSchulferien nach eigenem Plan

Einfach mal dienstags mit den Kindern in den Zoo, wenn es dort nicht so voll ist. Oder zwei Wochen Urlaub in der Nebensaison, zu günstigen Preisen - für deutsche Eltern mit schulpflichtigen Kindern nur ein Traum. Für die Eltern der Kinder auf elf niederländischen Projektschulen ist das Alltag.

Von Andrea Lueg

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Eine Familie im Sonnenuntergang auf der dänischen Ferieninsel Rømø, fotografiert am 05.08.2015. Foto: Patrick Pleul | Verwendung weltweit (dpa-Zentralbild)
Eine Familie im Urlaub einsam am Strand - an elf Schulen in den Niederlanden können Eltern und Kinder seit 2011 ihre Ferien frei wählen (dpa-Zentralbild)
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Ferienzeit Endlich schulfrei

Eigentlich ist es eine normale Schule, erklärt der achtjährige Thijs das Modell seiner Grundschule, der Sterreschool in Apeldoorn. Man hat nur mehr Freiraum. Denn die Schule hat an 365 Tagen im Jahr geöffnet, von sieben Uhr morgens bis 19 Uhr am Abend. Die Schüler haben flexible Anfangs- und Schlusszeiten, der Unterricht ist sehr individuell. Und wenn man will, bestimmt man auch die Ferienzeiten selbst.

Experiment läuft an elf Schulen

"Man kann wählen, zwischen dem Standardpaket, da hat man dann die normalen Schulferien", erklärt Florien, und dem Flexpaket, dann teilt man sich die Ferien selbst ein.

Jeweils im November und im Mai müssen die Eltern der Schule mitteilen, wann die Familie Ferien machen will, denn natürlich muss auch die Schule planen. Viele Lehrkräfte arbeiten hier in Teilzeit. Das macht die Sterreschool flexibel und schließlich profitieren auch die Lehrkräfte, wenn sie Urlaub außerhalb der Schulferien machen können.

"Jetzt grad sind, glaube ich, zwei Kinder in den Ferien", erzählt Kiran und das sei nicht so toll, wenn man dann selber in die Schule müsse. An elf Schulen in den Niederlanden läuft das Experiment flexible Ferienzeiten nun schon seit 2011.

Individualisierter Unterricht macht es möglich

Feste Schulzeiten und sechs Wochen Sommerferien, so hatte eine Reihe von Schulen damals erklärt, seien einfach nicht zeitgemäß in einer Gesellschaft, die sich Richtung 24-Stunden-Ökonomie entwickle. Die langen Ferien stammten noch aus einer Zeit, als die Kinder im Sommer auf dem Bauernhof helfen mussten. Heute seien meist beide Eltern berufstätig, viele selbstständig. Und die langen Ferien, so haben Studien ergeben, würden die Kinder geradezu "verdummen".

"Wir haben beide einen stressigen Job", erzählt auch Mutter Janneke, und dann ist es natürlich schön, wenn man seine Ferienzeit zumindest frei planen kann. Die freie Ferienplanung funktioniert nur, weil der Unterricht hier sehr individualisiert ist. Die Schüler lernen zum Teil in einer Gruppe, können aber auch wechseln in andere Jahrgangsstufen, teils arbeiten sie an ihren eigenen Projekten, teils gemeinsam mit anderen Kindern.

Dementsprechend sehen die Klassenräume aus: Tische, an denen die Kinder in Gruppen sitzen, Materialien, an denen sie sich bedienen können. Die Schule hat zudem auch einen Hort, nur so ist gewährleistet, dass die Kinder von sieben bis sieben betreut sind.

Eng begleitet von der Wissenschaft

940 Schulstunden im Jahr schreibt das Bildungsministerium vor. Die Kinder der Sterreschool können zusätzliche freie Tage ansparen, wenn sie an einigen Tagen dafür länger am Unterricht teilnehmen, die sogenannten Snipperdage: "Snipperdag heißt, da kannst du dir frei nehmen", erklärt Thijs.

Das Bildungsministerium hat Schulen, Eltern und Lehrer zum Thema freie Ferienwahl befragt. Das Ergebnis: 28 Prozent der befragten Schulen wollen ihre Schüler gerne selbst die Ferien planen lassen. 40 Prozent der Lehrer finden das gut, 47 Prozent sind eher dagegen. Von den befragten Eltern würden allerdings nur neun Prozent ihre Kinder lieber auf eine Schule mit freier Ferienwahl schicken.

Und Wissenschaftler der Universität Nijmegen haben das Experiment begleitet. An zehn der elf Projektschulen hatten die Kinder etwas schlechtere Noten als an Vergleichsschulen. Das aber sei bei der Einführung neuer Methoden normal, beschwichtigt das Bildungsministerium. Florien jedenfalls gefällt es, nach ein bisschen Eingewöhnen gut an der Sterreschool: "Am Anfang muss man sich dran gewöhnen, aber dann ist es schön."

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