Statistik
Niedrige Geburtenrate löst Kritik an Politik aus

Die historisch niedrige Geburtenrate in Deutschland hat Kritik von Familienverbänden ausgelöst. "Dass die Geburtenzahl auf den niedrigsten Stand seit 1946 gesunken ist, ist kein historischer Zufall, sondern das Ergebnis einer jahrzehntelangen strukturellen Benachteiligung von Familien", erklärte der Deutsche Familienverband.

    Ein neugeborenes Baby, das in einer kleinen Krankenhaus-Krippe liegt, hält den Finger eines Erwachsenen.
    Die Zahl der Geburten in Deutschland ist stark gesunken. (imago / YAY Images)
    Der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Familienverbandes, Sebastian Heimann, bezeichnete die Zahlen des Statistischen Bundesamtes als "dramatischen Weckruf". Die Ursachen für den Rückgang seien systemisch. Das Sozialversicherungssystem, insbesondere die gesetzliche Rente, bestrafe Eltern regelrecht für ihre Erziehungsleistung, indem sie im Alter leer ausgingen. Vor allem Mütter. Wenn die Politik dann noch Leistungen wie das Elterngeld über Jahrzehnte nicht anhebe oder die spezifischen Bedürfnisse von Mehrkindfamilien ignoriere, dürfe sie sich über sinkende Geburtenraten nicht wundern.
    Der Familienbund der Katholiken mahnte, die Familienpolitik müsse dringend handeln. Denn viele Menschen wünschten sich mehr Kinder, als sie tatsächlich bekommen, teilte der Verband mit. Der Geburtenrückgang sei daher nicht allein Ausdruck eines veränderten Lebensstils und Kinderwunsches, sondern auch Folge unzureichender Rahmenbedingungen, hieß es weiter. Wer sich gegen Kinder oder auch gegen mehr Kinder entscheide, tue dies oft nicht aus Überzeugung, sondern aus Mangel an Geld, Unterstützung und Planungssicherheit.

    Geburtenrate historisch niedrig

    Im vierten Jahr in Folge ist die Zahl der Geburten in Deutschland gesunken und hat den niedrigsten Stand seit 1946 erreicht. Im vergangenen Jahr seien nach vorläufigen Ergebnissen rund 654.300 Kinder geboren worden, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Das seien 3,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor gewesen, als 677.117 Neugeborene das Licht der Welt erblickten.
    Die Zahl der Sterbefälle von rund 1,01 Millionen überstieg die Zahl der Geburten 2025 den Angaben nach um etwa 352.000. Das sei das größte Geburtendefizit der Nachkriegszeit, erklärte das Bundesamt.

    Rückgang der Geburten auch in anderen Staaten

    Die niedrigen Geburtenzahlen der vergangenen Jahre ergeben sich den Statistikern zufolge aus zwei Entwicklungen: Es gibt derzeit weniger Frauen, die Kinder bekommen können, weil die zahlenmäßig kleinen 1990er Geburtsjahrgänge in das entscheidende Alter von Anfang 30 kämen. Außerdem sinke seit 2022 die zusammengefasste Geburtenziffer, die angibt, wie viele Kinder eine Frau heute im Durchschnitt bekommt.
    Einen Rückgang der Geburtenzahlen melden laut vorläufigen Ergebnissen für 2025 auch andere Staaten der Europäischen Union, darunter Frankreich, Österreich, Italien und Schweden, wie das Bundesamt weiter mitteilte.
    Diese Nachricht wurde am 28.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.