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Nobelpreis für Chemie"Eine neue Ära der Biochemie"

Ungeordnete Kristalle aus komplexen Biomolekülen erzeugen im Röntgenlicht ein kontinuierliches Streubild  (DESY, Eberhard Reimann)
Die Methode der Nobelpreisträger Dubochet, Frank und Henderson macht Biomoleküle deutlicher sichtbar (DESY, Eberhard Reimann)

Der diesjährige Nobelpreis für Chemie geht an den Schweizer Dubochet, den Deutsch-Amerikaner Frank und den Briten Henderson. Damit würdigt die Jury sie für die Entwicklung der Kryo-Elektronenmikroskopie in speziellen Bereichen.

Das hat die Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mitgeteilt. Jaques Dubochet, Joachim Frank und Richard Henderson haben durch ihre Forschung Strukturen von Biomolekülen bestimmen können. Dies vereinfache und verbessere die Sichtbarkeit dieser Moleküle. Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften begründeten die Preisvergabe damit, dass Forscher Moleküle so mitten in der Bewegung 'einfrieren' und Prozesse darstellen könnten, die sie zuvor niemals gesehen hätten.

"Diese Methode hat die Biochemie in eine neue Ära gebracht", hieß es wörtlich. Die Methode sei sowohl für das Verständnis der Chemie des Lebens als auch für die Entwicklung von Medikamenten entscheidend. Etwa bei der Antibiotikaforschung komme es darauf an, zu wissen, wo dieses Antibiotikum an Molekülen des Zielproteins im Körper binde, sagte der Strukturbiochemie-Experte Stefan Raunser im Dlf. Wenn sich Resistenzen bildeten, könne man das Molekül verändern, um wieder ein potentes Antibiotikum zu erhalten.

Joachim Frank wurde 1940 in Weidenau an der Sieg geboren und hat seit den 1990er-Jahren die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Er lehrt und forscht an der Columbia University in New York.

Im vergangenen Jahr ging der Nobelpreis für Chemie an den Franzosen Jean-Pierre Sauvage, den gebürtigen Brite James Fraser Stoddart und den Niederländer Bernard Feringa. Sie wurden dafür geehrt, dass sie es geschafft hatten, aus nur wenigen Molekülen zum Beispiel künstliche Muskeln und ein Mini-Auto zu bauen.

Mit mehr als 900.000 Euro dotiert

Die höchste Auszeichnung für Chemiker ist derzeit mit umgerechnet rund 940 000 Euro (9 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Die feierliche Übergabe der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Seit 1901 wird der Nobelpreis jährlich verliehen. Für besondere Verdienste in der Chemie ging er in den meisten Fällen an amerikanische Forscher. Die erste Auszeichnung bekamt der Niederländer Jacobus van't Hoff für die Entdeckung von Gesetzen der Osmose.

Gestern und vorgestern hatte die Jury die Preise für Physik und Medizin an je drei Amerikaner vergeben. Die Mediziner wurden für ihre Forschung zur inneren Uhr von Pflanzen, Tieren und Menschen ausgezeichnet. Die Physiker hatten Voraussetzungen für den Nachweis von Gravitationswellen im All geschaffen. Auch die Träger des Literatur- und des Friedensnobelpreises werden noch in dieser Woche bekanntgegeben.

(tep/vic)

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