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StartseiteLange NachtNot dark yet. Chronik eines Künstlers10.06.2006

Not dark yet. Chronik eines Künstlers

Eine Lange Nacht über Bob Dylan

Alle großen Unternehmen haben ihre Krisen - Bob Dylan hatte seine Mitte der 80er Jahre. Er fühlte sich ausgebrannt und abgeschrieben. Hinter ihm lagen harte Zeiten: Das Publikum hatte ihm den "Verrat" am Judentum und die Bekehrung zum evangelikalen Erweckungsprediger verübelt, der Missbrauch von Substanzen und eine schwere unfallbedingte Handverletzung machten ihm zu schaffen.

Von Günter Amendt

Bob Dylan 1965 in London (AP-Archiv)
Bob Dylan 1965 in London (AP-Archiv)

Er sei in den bodenlosen Abgrund kultureller Vergessenheit gestürzt, schreibt er im ersten Band seiner Autobiografie.

Darin ist auch zu lesen, wie er mit Hilfe eines Jazzsängers und in der Zusammenarbeit mit dem kanadischen Produzenten Daniel Lanois zur Kreativität zurückfand, und wie ihm mit "Time Out Of Mind" ein Album gelang, das von der Kritik in einem Atemzug mit den großen Alben genannt wird, die er in den 60er Jahren veröffentlicht hatte.

Die "Chronicles Volume One" waren ein Verkaufserfolg weltweit und Martin Scorseses Film "No Direction Home", in dem das erste Jahrzehnt von Dylans Karriere dokumentiert wird, begeistert das Publikum wie die Kritiker. Dylan is back. In the rain.

Wikipedia: Bob Dylan

bobdylan.de - das deutsche Bob Dylan Portal

bobdylanhomepage.com

Aktuelle Nachrichtung rund um Bob Dylan (englisch):
expectingrain.com

Bob Dylan - Chords and lyrics - es heißt, dass diese Website alle Gitarrenakkorde von Bob Dylans Songs gesammelt habe


Richard Klein
My Name It Is Nothin'.
Bob Dylan: Nicht Pop, Nicht Kunst.
2006 Lukas Verlag

In der Verlagsankündigung heißt es: Dieses Buch ist die erste wirklich
anspruchsvolle Gesamtdarstellung von Bob Dylans Werk in deutscher Sprache. Richard Kleins Aufmerksamkeit gilt der Musik wie der Poesie, dem Songwriting wie der Performance. Vor allem jedoch und im Gegensatz zur bisherigen Literatur steht Dylans Stimme im Mittelpunkt: in der Vieldeutigkeit ihrer Masken und ihrer wechselvollen Geschichte von den Anfängen 1961 bis zu den Konzerten vom Herbst 2005. Neben zahlreichen auf den Gesang zentrierten Songanalysen werden Elemente einer Theorie der narrativen Stimme bei Dylan vorgestellt. Ausführlich beschäftigt sich der Band mit den frühen Jahren, insbesondere mit den politischen und ästhetischen Hintergründen, die zum Eklat von Manchester 1966 führten.

Die Alben und Tourneen der siebziger Jahre werden als Zeichen einer Zeit gelesen, die mit der Notwendigkeit geschichtlicher Reflexion konfrontiert: Nostalgie bezwingen und Neuanfänge riskieren, die keine bloßen Kostümwechsel sind. Radikal innovativ ist Kleins Deutung der Gospelphase: Sie legt das Gewicht nicht auf die religiösen Texte, sondern auf die Musik, die Konzerte. Mit dem Ergebnis, dass diese Songs keineswegs, wie uns eine verkalkte Kritik einreden will, einen ideologischen Lapsus darstellen, den man vergessen sollte, sondern Dylans künstlerischen Zenit seit 1966. Weiten Raum nimmt die Interpretation des Spätwerks ein: Nicht nur werden dessen Motive bis in die frühen Jahre zurückverfolgt und der Ort des »anderen Amerika« kritisch gesichtet. Erstmals erfahren auch die Folkalben der neunziger Jahre eine adäquate Zuwendung. Die Analysen zu "Time Out Of Mind" und "Love And Theft" kreisen beide je anders um das Spannungsverhältnis von Stimme und Geschichte.

Ein großes Kapitel widmet sich der Never Ending Tour. Seine Message lautet: So faszinierend der frühe Dylan ist, der späte steht sich selbst in nichts nach. Partien zur rezeptiven Bedeutung von Dylans Musik schließen sich an. Die eine untersucht deren Ort in der lebensgeschichtlichen Beziehung von Jugend und Alter, die andere die Dialektik von Heiligenverehrung der Fans und Dylans Kampf gegen sie. Das letzte Kapitel begründet den Titel des Buches. Es zeigt, wie und warum sich Dylan der Alternative »Pop oder Kunst« entzieht. Daß Text und Musik sich bei ihm gegenläufig zueinander verhalten. Jeder nur literarische oder nur musikalische Zugang zu seinem Werk wäre eigentlich falsch.

Olaf Benzinger
Bob Dylan
Seine Musik und sein Leben.
2006 DTV

Bob Dylan
Das Bob Dylan Scrapbook 1956-1966
m. Audio-CD.
Mit herausnehmbaren Reproduktionen von Sammelstücken wie handgeschriebene Songs
u. a.
Mit einer biographischen Text von Robert Santelli
2005 Hoffmann & Campe

In der Verlagsankündigung heißt es: "Das Bob Dylan Scrapbook" ist eine Fundgrube für alle Popmusik-Kenner und Rock-and-Roll-Fans. Der Band ist liebevoll gestaltet: Fotos und Dokumente aus entlegenen Quellen, aufklappbare Seiten, Einsteckkuverts, die Raritäten enthalten, kleine Booklets mit Bildserien und viele andere reizvolle Elemente machen ihn zu einem Erlebnis.

Zusammen mit der profunden biografischen Darstellung des Musikspezialisten
Robert Santelli führen sie in farbigen Details vor Augen, wie Dylan sich in den ersten, entscheidenden zehn Jahren seiner Karriere vom "Folkie" mit Akustikgitarre zu dem wohl einflussreichsten Musiker und Songwriter der Popgeschichte entwickelte.

Marcus Greif
Bob Dylans Like a Rolling Stone.
Die Biographie eines Songs. Übers. v. Fritz Schneider
2005 Kiepenheuer & Witsch

In der Verlagsankündigung heißt es: Once upon a time: 40 Jahre "Like a Rolling Stone" Greil Marcus gilt als einer der bedeutendsten Musikkritiker der Welt. Bob Dylan gehört zu den einflussreichsten Musikern der letzten 40 Jahren. Und "Like a Rolling Stone" ist eines der bekanntesten Musikstücke aller Zeiten. Columbia Aufnahmestudio A, 15. Juni 1965: Ein Sänger spielt gedankenverloren einzelne Töne auf dem Klavier. Als er zu singen beginnt, versagt seine Stimme.

Der Takt klingt gequält. Am Ende des Tages wird eine Single aufgenommen sein, sechs Minuten und sechs Sekunden: "Like a Rolling Stone". Vier Wochen später stürmt Bob Dylan damit die Charts.

Für Greil Marcus markiert der Song einen tiefen Einschnitt in der amerikanischen Geschichte, aber auch in der künstlerischen Entwicklung von Bob Dylan. Nach vier Folk-Alben war er zu dem Protestsänger seiner Generation avanciert. Mit "Like a Rolling Stone" veröffentlichte er seine erste Rock 'n' Roll-Single. Doch auch die Weltgeschichte stand vor einem großen Umbruch: die Bürgerrechtsbewegung, die Studentenrevolte - alles war im Sommer 1965 greifbar. Nach diesem Moment in der Geschichte hält Greil Marcus Ausschau, nach dem Moment, wo sich Musikgeschichte und Politik begegnen. Ausgehend von den sagenumwobenen Aufnahmen zu "Like a Rolling Stone" gelingt ihm das Meisterstück, in der Biographie eines Songs die Geschichte einer ganzen Generation einzufangen.

Paul Williams
Forever Young
Die Musik von Bob Dylan 1974-1986.
Vorw. v. Günter Amendt. Neuaufl.
2006 Palmyra

Hörspiel in einem Akt, wie es sich an einem Nachmittag in Kalifornien wirklich ereignete
Von Sam Shepard
Übersetzung und Regie Günter Amendt
Zwei Männer, Bob und Sam, der eine als Musiker, der andere als Dramatiker lebende Legenden, treffen sich in einem Haus an der kalifornischen Küste und sprechen über die Idole ihrer Kindheit und Jugend. Wie sie sich mit dem Radio in den Schlaf geträumt haben, welche Musik sie dabei hörten und welcher Film in ihrem Kopf ablief. Sie versuchen das "Geheimnis" von James Dean zu ergründen und das der Frauen und Kellnerinnen. Was als Interview beginnt, entwickelt sich zu einem intensiven Zwiegespräch. Ob die Begegnung tatsächlich stattgefunden hat, wie der Untertitel von Shepards Einakter suggeriert, ist unerheblich. Wer Dylan begegnet ist, wird im Dialog von Sam und Bob den "wahren Dylan" wieder erkennen.

Günter Amendt
Back to the Sixties.
Bob Dylan zum Sechzigsten.
2001. konkret Literatur Verlag

Offizielle Diskographie, alle offiziellen Songtexte (durchsuchbar) und Liner-Notes, Hörbeispiele zu allen Songs, aktuelle Live-Aufnahmen und jeden Tag ein neues Dylan-Zitat. Gute Seite für Einsteiger mit vielen Bildern und Alben.

bobdylan.com

Außerdem:
Bob-Dylan-Ressourcen im Internet (eine Auswahl)

Dr. phil. Günter Amendt
Geboren 1939 in Frankfurt/Main, lebt als Sozialwissenschaftler und Publizist in Hamburg.

Weitere Buchtipps:

Bob Dylan
Bob Dylan, In eigenen Worten.
Hrsg. v. Christian Williams.
2001. Palmyra-Verlag

Willi Winkler
Bob Dylan. Ein Leben.
2001, Fest-Verlag

Early Dylan:
Mit einem Vorwort von Arlo Guthrie.
Aufnahmen von Barry Feinstein,
Daniel Kramer u. Jim Marshall.
1999. Schirmer/Mosel-Verlag

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