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StartseiteWirtschaft am MittagDie Geldpolitik der EZB im Jahr 201330.12.2013

NotenbankenDie Geldpolitik der EZB im Jahr 2013

Europas wichtigste Banker sitzen in der Kaiserstraße 29, in Frankfurt am Main. Sie arbeiten für die Europäische Zentralbank und bewegen die Märkte. 2013 wurde dies besonders deutlich – und dürfte sich auch im neuen Jahr nicht ändern.

Von Brigitte Scholtes

Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt/Main (dpa / picture alliance / Brian Blanco)
Das Zentrum der Währungsstabilität stand auch 2013 in Frankfurt: die EZB (dpa / picture alliance / Brian Blanco)
Weiterführende Information

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Bankenunion - Nur halbherzig oder der große Wurf? (Deutschlandfunk, Themen der Woche, 21.12.2013)

Zinsmanipulation - Eine hausgemachte Finanzpanne (Deutschlandradio Kultur, Interview, 05.12.2013)

Das Jahr 2013 war nicht ganz so herausfordernd wie das Jahr zuvor. Denn im Sommer 2012 war nicht sicher, ob der Euro weiter bestehen bleiben würde. Das änderte sich erst durch das Machtwort von EZB-Präsident Mario Draghi am 26. Juli 2012. Da sagte er, die EZB werde alles in ihrer Macht Stehende tun, um den Euro zu erhalten.

"The ECB is ready to do whatever it takes to preserve the Euro."

Ein knappes Jahr später gab es schon wieder Historisches, wenn auch nicht ganz so gravierend: Denn völlig überraschend gab der EZB-Präsident Anfang Juli nach der Ratssitzung den Finanzmärkten eine "forward guidance", also eine Perspektive für die nächsten Monate: Der EZB-Rat erwarte, dass die Zinsen für einen längeren Zeitraum auf dem jetzigen oder tieferen Niveau bleiben würden. Bis dahin hatte es immer geheißen: Wir legen uns nicht vorher fest.

Die Finanzmärkte hatten sich gerade an diese neue Strategie gewöhnt, da entschloss sich die Notenbank Anfang November dann ohne große Vorbereitung der Märkte, die ohnehin schon niedrigen Zinsen nochmals zu senken: Einen ersten Zinsschritt hatte sie schon im Mai getan. Nun senkte sie den Hauptrefinanzierungssatz um weitere 25 Basispunkte auf 0,25 Prozent – offenbar aus Sorge um eine drohende Deflation. Die Inflationsrate war im Oktober in der Eurozone auf 0,7 Prozent gefallen, die EZB hält jedoch eine Preissteigerung von unter, aber nahe an zwei Prozent für wünschenswert, damit die Wirtschaft angemessen wachsen kann. Man habe diese Entscheidung nicht nur an einem einzelnen Datum ausgerichtet, meinte der EZB-Chef zwar Anfang Dezember. Das aber wollen Finanzmarktakteure nicht so recht glauben, die ohnehin an der Wirksamkeit dieser Zinssenkung zweifeln, wie Torsten Windels, Chefvolkswirt der NordLB:

"Die letzte Zinsentscheidung hat uns schon etwas überrascht. Die Wirkungen waren am Markt ja auch relativ schnell passé, sodass das Zinsinstrument weitgehend ausgeschöpft ist. Da ist die Notenbank hilflos, was das angeht."

"Sehr erfolgreiche Strategie"

Dabei blieb die reichliche Versorgung der Banken mit Liquidität auch 2013 bestehen, daran dürfte sich auch im kommenden Jahr nichts ändern, eher könnte die EZB noch mehr Geld verteilen. Die wesentliche Schwierigkeit ist jedoch, dass die Banken in den Krisenländern dieses Geld immer noch horten. Das stellt die Notenbank immer wieder vor große Herausforderungen, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank:

"Das besondere Problem der Geldpolitik ist, dass sie eigentlich auf regionale Unterschiede gar nicht eingehen kann. Denn der Zins gilt für das gesamte Währungsgebiet einheitlich."

Die EZB ist zwar auch in diesem Jahr wieder ein Hort großer Stabilität gewesen. Sie habe wesentlich dazu beigetragen die Lage zu beruhigen, meint Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz:

"Unterm Strich kann man, glaube ich, sagen, dass die Strategie der bedingten Unterstützung schwacher Länder durch den europäischen Rettungsfonds, durch die Solidarität der Gemeinschaft plus die Unterstützung durch die Notenbank Früchte trägt und eine sehr erfolgreiche Strategie gewesen ist."

Aber sie kann doch die Euro-Schuldenkrise nicht lösen, sagt Thomas Mayer, Chefberater der Deutschen Bank:

"Die EZB sagt selbst, sie kann für die Politik nur Zeit gewinnen, aber sie kann die Probleme nicht lösen. Und das große Risiko bei der gegenwärtigen Strategie ist, dass die EZB für die Politik keine Zeit gewinnt, sondern dass die Politik durch die Handlungen der EZB Zeit verliert."

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