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Nur die eine Hälfte

Wenn Anfang November die Ergebnisse des Forschungsprojekts "Doping in Deutschland" präsentiert werden, wird ein wesentlicher Teil fehlen.

Von Robert Kempe | 17.10.2012

Das Projekt, dass vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft BISp in Auftrag gegeben wurde und die Dopingvergangenheit in Deutschland von 1950 bis heute erforschen soll, bestand aus zwei Forschungsgruppen. In Berlin werden aber nur die Wissenschaftler der Universität Münster ihre Resultate vorstellen, die Berliner Wissenschaftler der Humboldt-Universität (HU) sind auf dem Programm nicht aufgeführt.

Die Projektgruppe der HU unter der Leitung von Prof. Hanno Strang und Giselher Spitzer habe sich im März 2012 aufgelöst und ihre Teilnahme im Nachgang abgesagt, so die Begründung des BISp.

Die Frage ist nun, wie es zu diesem in der Wissenschaft wohl seltenen Eklat kam. Seit Monaten war dem BISp bekannt, dass es im Verlauf des auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekts bei der Berliner Projektgruppe zu finanziellen Engpässen kommen würde. Im November 2011 erklärte Institutsdirektor Jürgen Fischer noch im Sportausschuss des Bundestags, dass die Finanzierung der Berliner Forscher nur bis März 2012 gesichert sei. Fischer teilte dem Deutschlandfunk telefonisch mit, dass er den Berliner Forschern im März weitere Gelder anbot, die HU aber keinen Antrag mehr stellte.

Doch als Direktor einer vom Bundesinnenministerium finanzierten Einrichtung müsste Fischer wissen, wie wichtig Planungssicherheit im mit Drittmittel finanzierten universitären Alltag ist. Auch weil HU-Projektleiter Strang im Frühjahr in den Ruhestand ging, stellt sich die Frage warum man nicht eher auf die Berliner zuging und was man spätestens seit November 2011 tat, um die Forschungen der Berliner über diesen März hinaus zu gewährleisten?

Doch dies könnte tiefergehende Ursachen haben. Immer wieder gab es Unstimmigkeiten zwischen den Wissenschaftlern der HU und dem Bundesinstitut. Vor allem seit der Präsentation der Zwischenergebnisse über das Doping in Deutschland West im letzten Jahr hatten sich diese zugespitzt. Die Wissenschaftler sprachen von "systemischen Doping" zu dieser Zeit. Staatliche Gelder seien über das Bundesinstitut für Sportwissenschaft in nutzungsorientierte Dopingforschung geflossen, in Teilen mit Wissen des BMI. Eine Veröffentlichung, die dem Auftraggeber der Forschung nicht gefallen haben dürfte. In den Berichten nannte man Namen u.a. von Ärzten, doch anders als vom BISp vor einem Jahr zugesagt, sind die Berichte immer noch nicht öffentlich einsehbar. Man verweist auf den Datenschutz, unterstützt wird man dabei vom BMI. Doch die Berliner Forscher weigern sich Namen in ihren Berichten zu schwärzen.

Die Berliner Beiträge zur Aufarbeitung der 90er-Jahre liegen dem BISp, so hieß es, seit Ende März vor, bei der offiziellen Präsentation werden sie fehlen. Zwei Tage nach der Veranstaltung des Auftraggebers wollen die Berliner Forscher im Rahmen eines öffentlichen Symposiums dennoch Teile ihrer Ergebnisse vorstellen.