
Demnach ist die Gewalt im Alltag weit verbreitet. Jede sechste Person habe von körperlicher Gewalt durch den aktuellen oder früheren Partner beziehungsweise die Partnerin berichtet, erklärte Bundesbildungsministerin Prien. Fast 45 Prozent der Frauen und Männer erlebten mindestens einmal im Leben psychische Gewalt in einer Partnerschaft. Frauen seien insgesamt häufiger und schwerer von Gewalt betroffen.
Knapp 18 Prozent der Frauen haben der Studie zufolge in ihrem Leben einen sexuellen Übergriff erlebt. Frauen seien zudem oft mehrfach Opfer geworden. 1,5 Prozent der Frauen und 0,2 Prozent der Männer wurden in den vergangenen fünf Jahren Opfer einer Vergewaltigung.
Die meisten Fälle werden nicht angezeigt
Die Studie zeigt: Die meisten Betroffenen wenden sich nicht an die Polizei. Insgesamt werden weniger als zehn Prozent der Gewalterfahrungen angezeigt. Bei Gewalt in Partnerschaften sowie sexuellen Übergriffen liegt die Quote sogar unter fünf Prozent. In vielen Fällen würden sich die Opfer nicht trauen, zur Polizei zu gehen. Auch Scham sowie mangelndes Vertrauen spielten eine Rolle.
Migranten und queere Personen häufiger betroffen
Frauen mit Migrationshintergrund sind der Studie zufolge überdurchschnittlich oft von Gewalt und sexuellen Übergriffen betroffen. BKA-Präsident Münch zufolge hängt dies mit der Altersstruktur zusammen. Die Gruppe der Frauen mit Migrationshintergrund sei deutlich jünger, und jüngere Menschen seien generell häufiger betroffen. Das gelte auch für Angehörige der queeren Community.
"Alarmierende Ergebnisse"
Mehrere Sozialverbände bezeichneten die Ergebnisse der Dunkelfeldstudie als alarmierend. Die vorgestellten Zahlen seien ein Schock, und das tatsächliche Ausmaß von Gewalt übersteige die polizeiliche Statistik bei weitem, erklärte ein Sprecher des Paritätischen Gesamtverbands. Der Bedarf an Schutz der Betroffenen, Beratung und Prävention sei damit weitaus größer als bislang angenommen. Die Sozialverbände forderten einen massiven Ausbau von Schutzhäusern. Nötig seien außerdem eine gezielte Förderung der Familienarbeit und der Auseinandersetzung mit den Täterinnen und Tätern.
Dobrindt kündigt Maßnahmen an
Innenminister Dobrindt kündigte Reaktionen auf die Studie an. So soll eine "Tarn-App" weiterentwickelt werden, die es Opfern ermöglicht, Gewalttaten verdeckt zu dokumentieren. Zudem sei bereits ein Gesetz auf dem Weg, das den Einsatz von K.o.-Tropfen härter bestrafe, so der CSU-Politiker. Die Bundesregierung wolle außerdem elektronische Fußfesseln für Täter erlauben.
Begriff Gewalt im Titel vermieden
Für die Studie wurden bundesweit mehrere Tausend Menschen befragt. Zusammengefasst wurden die Ergebnisse unter dem Titel "Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag". Dass der Begriff "Gewalt" im Namen nicht auftaucht, ist Absicht. Dem BKA zufolge sollten so möglichst auch Menschen zur Teilnahme an der Studie motiviert werden, die in der Vergangenheit von Gewalt betroffen waren.
Verpflichtung durch Istanbul-Konvention
Mit der Studie erfüllt Deutschland eine Verpflichtung aus der Istanbul-Konvention zur Verhinderung von Gewalt gegen Frauen. Zu den darin vorgeschriebenen Maßnahmen gehören Opferschutz, Prävention und Strafverfolgung sowie die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter in den Verfassungen und Rechtssystemen.
Auch frühere Forschungsarbeiten weisen auf ein hohes Dunkelfeld hin. So gaben etwa 37 Prozent der Betroffenen von sexueller Gewalt an, bisher noch nie darüber gesprochen zu haben.
Diese Nachricht wurde am 11.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
